20. September 2017, 20:23 Uhr

»Nichts als Neid und Missgunst«

20. September 2017, 20:23 Uhr
Fester Zusammenhalt: das Ensemble der Reihe »Jazz und Texte«. (Foto: geo)

Bad Nauheim (geo). Es geht um Gerechtigkeit und um Neid. Aber auch um den Traum von einer gerechteren Welt, unter dem Motto »Ich habe was, das du nicht hast«. In der Reihe »Jazz und Texte«, hinterfragen Constanze Cymmek, Dr. Ulrich Becke und Hermann Römer in der Wilhelmskirche, wie viel Gerechtigkeit möglich, wie viel nötig und wer dafür zuständig ist. Dichter und Philosophen kommen zu Wort, in spannenden Geschichten, Aphorismen und widersprüchlichen Deutungen. Das Ensemble von »Jazz und Texte« mischt dieses Mal Nachdenkliches mit bissiger Satire. Ernstes und Heiteres werden im Wechsel geboten. In unterhaltsamer Lyrik und Prosa, mit einfühlsamen Liedern und Instrumentalmusik.

Das Trio »Pianoplus« mit Evelyn Fay, Shanaka Perera und Salar Baygan gestaltet den musikalischen Teil. Bewegend wirkt die Neiddebatte, angelegt als Zwiegespräch, das in eine Dreier-Gesprächsrunde mündet, mit Pressekommentaren unterschiedlicher deutscher Zeitungen. »Es geht also wieder los: enteignen, wegnehmen, verprassen. Das hatten wir doch alles schon im Bolschewismus, und wohin das führt, haben wir ja erlebt«, sagt Becke. Er spricht von der neuen Hexenjagd auf die Reichen, von der Kriminalisierung der Wirtschaftsbosse, unter dem Schlagwort soziale Gerechtigkeit. Nichts als Neid und Missgunst stecke dahinter. Dabei würden Reiche dringend gebraucht, denn sie schafften die Arbeitsplätze und hielten die Wirtschaft in Schwung. Cymmek kontert, dass die 62 reichsten Erdenbürger genau so viel besitzen, wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Das sei eine schreiende Ungerechtigkeit. Am Ende bringt es Becke auf den Punkt, indem er den britischen Außenminister Boris Johnson zitiert: »Ein Maß an Ungleichheit ist unabdingbar für den Geist des Neides, der, wie die Gier, ein wertvoller Ansporn für die ökonomische Aktivität ist«.

Nach einer kurzen Geschichte von Friedrich Dürrenmatt über Gerechtigkeit und Recht, folgt der zweite Teil der Neiddebatte. Römer gibt den Seminarleiter und skizziert die Schere zwischen Arm und Reich, die so weit auseinanderklafft, dass sie bricht.

Dem Publikum wird auch leichte Kost serviert, wie Gedichte von Wilhelm Busch. Um Gerechtigkeit geht es auch in Aphorismen von Oscar Wilde, Kurt Tucholsky, Gotthold Ephraim Lessing oder Thomas Jefferson.

2018 feiert das »Jazz und Texte«-Ensemble zehnjähriges Bestehen. Das Publikum darf sich auf vier weitere Vorstellungen freuen. Der nächste Termin ist am Sonntag, 17. Dezember, um 17 Uhr in der Wilhelmskirche.

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