15. Februar 2018, 08:00 Uhr

65-Jährige überfallen

Nach Raub vor Sparkasse in Münzenberg: 28-Jähriger muss ins Gefängnis

Ein Einbruch, ein Diebstahl und kurz darauf ein Raub in Gambach. Dazu kommt ein ernsthaftes Drogenproblem. Dass er nicht mit allem durchkommt, hat ein Butzbacher jetzt auf die harte Tour gelernt.
15. Februar 2018, 08:00 Uhr
Laut Zeugenaussagen steht der 28-Jährige im Mai 2017 erst eine ganze Weile vor der Sparkasse in Gambach, bevor er eine 65-Jährige überfällt. Er sagt heute, er hatte an jenem Tag Entzugserscheinungen. Vor dem Gefängnis rettet ihn das nicht. (Foto: nic)

Der 28-Jährige verzog keine Miene, als das Friedberger Schöffengericht am Dienstag verkündete, dass er die nächsten 26 Monate im Gefängnis verbringen muss. Kurz zuvor hatte er zum Gericht gesagt: »Ich will mich für den ganzen Scheiß entschuldigen.«

Mit dem »ganzen Scheiß« meint der 28-Jährige einen Raub, einen Diebstahl und einen Einbruch. Alle Taten räumte er während des Prozesses ein. Demnach überfiel er am 11. Mai 2017 vor der Sparkassenfiliale im Münzenberger Stadtteil Gambach eine 65-Jährige, nachdem diese 800 Euro abgehoben hatte. Die Frau hatte bereits beim Prozessauftakt im Januar geschildert, wie der Mann sie gegen eine Mauer gedrückt und ihr den Umschlag, in dem das Geld steckte, entrissen hatte. Sie habe eine Schürfwunde erlitten, lasse sich bei Bankbesuchen bis heute von ihrem Ehemann begleiten.

Nach dem Raub ging aus Sicht des 28-Jährigen alles schief. Die Prozessbeteiligten erfuhren am ersten Verhandlungstag, dass der Mann auf der Flucht stürzte und 780 Euro der Beute verlor. Zudem verfolgte ein aufmerksamer Gambacher den Räuber bis nach Hause, alarmierte die Polizei. Diese nahm den 28-Jährigen fest, als er gerade das Sparbuch seines Opfers, das ebenfalls im Briefumschlag gesteckt hatte, verbrennen wollte.

 

Alkohol und Tabletten intus

 

Der Angeklagte, ein Ex-Junkie, der inzwischen auf den Heroinersatzstoff Methadon umgestiegen ist, räumte ein, wenige Tage nach dem Raub mit seiner Freundin in eine Gartenhütte in Griedel eingestiegen zu sein. Auch seine ebenfalls angeklagte 25-jährige Lebensgefährtin gestand. Das Paar, das inzwischen in Butzbach lebt, nahm Fahrräder und Werkzeug im Wert von 1200 Euro mit. Man habe die Beute verkaufen wollen. Sie radelten Richtung Butzbach. In der Nähe der Station der Autobahnpolizei stand ein Auto, dessen Fenster laut dem 28-Jährigen eingeschlagen gewesen sei. Er und seine Freundin, die ebenfalls eine Drogenkarriere hinter sich hat, suchten im Wagen nach Wertgegenständen. Von der Polizei wurden sie auf frischer Tat ertappt.

Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt gesagt, an jenem Tag hätten sie Alkohol getrunken und Tabletten konsumiert, die angstfrei machten. Zuvor seien sie aus ihrer Wohnung in Gambach rausgeflogen und obdachlos gewesen. Inzwischen habe man eine neue Wohnung und sogar Arbeit gefunden.

 

Zeugin erscheint nicht zum Prozess

 

Eine ehemalige Nachbarin, die am Dienstag als Zeugin gehört werden sollte, erschien nicht. Richter Dr. Markus Bange erließ ein Ordnungsgeld gegen die Frau. Sie hatte ursprünglich dazu aussagen sollen, ob der 28-Jährige und seine Freundin in ihre Wohnung eingestiegen sind oder nicht. Dieser Anklagepunkt wurde kurzerhand eingestellt. »Weil er hinsichtlich der anderen Taten nicht ins Gewicht fällt«, erklärte Bange.

Oberstaatsanwalt Frank Späth sagte: »Die beiden sind wie ein kleines Verbrecherpärchen durch die Gegend gezogen, um ihre finanzielle Situation zu verbessern.« Auch wenn der Angeklagte von Entzugserscheinungen am Tag des Raubes berichtet habe, sei der Überfall zielgerichtet gewesen. Späth ging daher von einer vollen Schuldfähigkeit des vorbestraften 28-Jährigen aus. Dieser solle für zwei Jahre und sieben Monate ins Gefängnis. Für die nicht vorbestrafte 25-Jährige sollte es eine achtmonatige Bewährungsstrafe sein.

 

Gericht schickt Angeklagten hinter Gitter

 

Jürgen Häller, Verteidiger des 28-Jährigen, plädierte für eine Bewährungsstrafe. »Wir haben es nicht mit einem normalen Angeklagten zu tun, sondern mit jemandem, der seit Jahren ein Drogenproblem hat.« Sein Mandant sei auf einem guten Weg, das gelte es zu unterstützen. Roland-Jörg Frisch, Verteidiger der 25-Jährigen, hatte an der Forderung der Staatsanwaltschaft nichts zu bemängeln, schloss sich ihr an.

Das Gericht verurteilte die Angeklagte zur geforderten Bewährungsstrafe. Sie muss zudem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, darf keine Drogen nehmen und muss entsprechende Screenings vorlegen. Ihr Freund muss ins Gefängnis. Der Raub sei geplant, die Begehung nicht ziellos gewesen, befand der Richter. Das zeuge von »hoher krimineller Energie«.

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