05. September 2018, 11:00 Uhr

Betriebsumfrage

Mögen Sie Ihren Job?

Die wenigsten Chefs wollen wissen, was ihren Mitarbeitern nicht passt. Bauunternehmer Frank Hildebrand aus Butzbach schon. Seine Mitarbeiter haben Fragebogen bekommen.
05. September 2018, 11:00 Uhr
Die Mitarbeiter des Bauunternehmens Hildebrand haben vor einigen Wochen Fragebögen bekommen, in denen es um Zufriedenheit am Arbeitsplatz ging. Nun sind die Ergebnisse von einer Berliner Agentur ausgewertet worden. Mit diesen sollen die kommenden eineinhalb Jahre gestaltet werden – zum Beispiel soll die Arbeitsorganisation verbessert werden. (Foto: nic)

Fühlen Sie sich in Ihrem Betrieb wertgeschätzt? Was ist mit Chancengleichheit? Und was mit der Vereinbarung von Beruf und Privatleben? Die Antwortmöglichkeiten: Gut, mittel, schlecht (in Form von grünen, gelben und roten Smileys). Die Befragten: Rund 40 Mitarbeiter des Bauunternehmens Hildebrand in Butzbach mit den Schwerpunkten Hoch- und Tiefbau, Schlüsselfertigbau und Bauträgerbereich. Dafür, dass sie mitgemacht haben, soll sich nun auch etwas im Betrieb ändern – so sieht es der Plan der »Initiative Neue Qualität der Arbeit« vor, die das Untersuchungsverfahren leitet. Das Projekt nennt sich »Zukunftsfähige Unternehmenskultur«, wird von der Demografie-Agentur geleitet und vom Bundesarbeitsministerium gefördert – und klingt erst mal nach allem und nach nichts. Dahinter allerdings verbirgt sich ein konkretes Konzept, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Am besten weiß das Michaela Alt-Beppler, die in der Firma Hildebrand für das Personalwesen zuständig ist und außerdem das Projekt im Betrieb seit Anfang an leitet.

Und am Anfang standen die Fragebögen. Jeder Mitarbeiter – ob auf der Baustelle beschäftigt oder im Büro – bekam einen, erzählt die Projektleiterin. Die Fragen teilten sich in vier Kategorien auf: Führung, Chancengleichheit, Gesundheit, Wissen und Kompetenz. Die Ergebnisse sind in Berlin ausgewertet worden. Was sie zeigen? »Vieles war gut, aber wir wollen uns verbessern.«

Die Zeit läuft ab jetzt

Damit soll es nun losgehen. Am Montag gab es für die Firma die sogenannte Einstiegsurkunde – übrigens ist das Butzbacher Unternehmen das erste hessische, das mitmacht, erzählt Diana Nink, die im Betrieb fürs Marketing zuständig ist.

Mit der Übergabe der Urkunde läuft die Zeit: Denn nach der Auswertung der Fragebögen hat sich im Betrieb eine Projektgruppe, bestehend aus Mitarbeitern aller Bereiche, Maßnahmen ausgedacht, die umgesetzt werden sollen – und müssen, wenn das Unternehmen die Auszeichnung »Zukunftsfähige Unternehmenskultur« bekommen möchte. Etwa eineinhalb Jahre hat das Unternehmen dafür Zeit.

Um welche Maßnahmen es sich genau handelt, erklärt der Chef Frank Hildebrand. So solle sich zum Beispiel etwas im Arbeitsablauf und bei der Organisation ändern: »Wir wollen ein Organigramm aufstellen. Darin wird definiert, wer für was verantwortlich ist, was er machen darf.« Oder im Bereich Gesundheit:»Hier sind unter anderem Verträge mit Fitnessstudios angedacht.«

Wie die Maßnahmen konkret aussehen sollen, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen. Sie umzusetzen, ist Arbeit, keine Frage. Und es erfordert Kritikfähigkeit. Aber darum gehe es eben auch, deswegen nehme die Firma teil: »Mir war es wichtig, dass wir an der Teamfähigkeit arbeiten. Dass jeder Mitarbeiter weiß, was sein Anteil am Gesamterfolg des Unternehmens ist«, sagt der Chef des Familienbetriebs.

Ein weiterer Faktor: die Außendarstellung für potenzielle Mitarbeiter. Im Moment sei es nicht einfach, im Baugewerbe neue Mitarbeiter zu finden. Das zeigt sich auch beim Altersdurchschnitt der Mitarbeiter: Zwei Azubis arbeiten im Betrieb, insgesamt sind es fünf Mitarbeiter zwischen 20 und 30 Jahren. Die am stärksten vertretene Gruppe sind die 50- bis 60-Jährigen (13 Mitarbeiter).

Das übrigens ist auch ein Ansatz der Initiative: die Weitergabe von Fachwissen zwischen den langjährigen und den neuen Mitarbeitern. Dass das funktionieren kann, zeigt die Firma durch seine Geschichte: Seit 1860 gibt es das Familienunternehmen, das nun bereits in fünfter Generation geleitet wird. (Fotos: pv/sda)

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