12. Oktober 2017, 10:00 Uhr

Archäologie zum Anfassen

Mobile Schulklasse erklärt: So wirken unsere Vorfahren heute auf uns ein

Wie unsere Vorfahren in der Wetterau noch heute auf uns einwirken, erklärt Stephan Medschinski in einem neuen, kostenlosen Angebot für Schulklassen.
12. Oktober 2017, 10:00 Uhr
Stephan Medschinski kommt mit dem »Wetteraumobil« an Schulen, um Dritt- bis Sechstklässler mit der Geschichte der Region vertraut zu machen. (Foto: pv)

Stephan Medschinski arbeitet seit über 20 Jahren in der Archäologie, damals hat er sein Hobby zum Beruf gemacht, besonders mit dem Glauberg ist der 49-Jährige eng verbunden. Für ihn ist es nicht schwer, sich vorzustellen, wie die Menschen dort früher gelebt haben. Für viele andere schon. Wie sahen die Dörfer der Kelten aus, wovon ernährten sie sich, welche Bedeutung hatte ihr Fürst? Um Geschichte besser verstehen zu können, braucht man etwas Konkretes, etwas zum Anschauen und Anfassen – das gilt für Erwachsene und noch mehr für Kinder.

Für sie hat Medschinski ein Konzept erarbeitet, das ihnen die Geschichte der Region, in der sie leben, näherbringen soll. Im Auftrag von Wetterauer Archäologischer Gesellschaft Glauberg, TourismusRegion Wetterau und »Keltenwelt am Glauberg« fährt er mit dem »Wetteraumobil« an Schulen und lädt Dritt- bis Sechstklässler zu einer Reise in die Vergangenheit ein.

Hosen gibt es seit der Eisenzeit

Dabei spannt er den Bogen von der Jungsteinzeit über die Bronze- und die Eisenzeit bis zur Römischen Kaiserzeit und ins Mittelalter. Das Programm, das an der Saalburgschule in Bad Vilbel den ersten Praxistest bestanden hat, richtet sich an Acht- bis Zwölfjährige. Zunächst machen sie sich Gedanken über ihr Verständnis von Alt und Neu, von Zeit und deren Wahrnehmung. Dann beginnt die archäologische Zeitreise.

Um die Entwicklung von der Jungsteinzeit bis ins Mittelalter begreifbar zu machen, bringt Medschinski fünf Boxen mit ins Klassenzimmer, eine für jede Epoche. Darin befinden sich Kleidung, Schmuck, Keramik und Bewaffnung, die typisch für die jeweilige Zeit waren. Die knifflige Aufgabe: Anhand dieser Nachbildungen sollen die Kinder das Aussehen der damaligen Menschen rekonstruieren, was sich aber nicht als einfach erweist, da die Objekte durcheinander geraten sind. Haben sie die Gegenstände in die richtige Reihenfolge gebracht und nebeneinander gelegt oder auch angezogen, erkennen die Kinder im direkten Vergleich die bisweilen feinen Unterschiede, sei es in der Verarbeitung oder im Material.

»Ich beschränke mich in den zwei Schulstunden auf die Fragen: Was haben die Menschen getragen? Und mit welchem Material haben sie gearbeitet?«, erklärt der 49-Jährige. Einen umfassenden Einblick in die fünf Epochen zu liefern, könne nicht das Ziel sein. Vielmehr sollen die Kinder ein erstes Verständnis von Geschichte bekommen. »Mir ist wichtig, dass sie die Region neu entdecken und die Vergangenheit mit anderen Augen betrachten. Es gibt nicht nur ein Hier und Jetzt, sondern es existierten schon viele verschiedene Kulturen in der Region, die auch noch auf das Heute einwirken.«

Ötzi trug einen Grasmantel

Am Beispiel der Bekleidung lässt sich das gut erklären. In der Jungsteinzeit trug man einen Lendenschurz, darüber Beinkleider, die mit einem Gürtel gehalten wurden, und eine Tunika. Die Materialien waren meist Fell, Leder und Wolle. Auch mit pflanzlichen Stoffen experimentierte man, ob sie flexibel und haltbar genug waren, um daraus Kleidung zu machen: »Ötzi trug einen Grasmantel«, berichtet Medschinski. Hosen, wie wir sie heute kennen, lassen sich erstmals in der Eisenzeit belegen. Die Kelten webten sie mit Mustern und färbten sie ein – die Unterschiede zu unseren Hosen sind minimal.

Eine weitere wichtige Erkenntnis der Schüler: So wie die Gegenstände, die Medschinski ihnen mitgebracht hat, finden die Archäologen sie nicht vor. Statt auf eine ganze Hose stoßen sie im besten Fall auf kleine Stoffreste, anhand derer sie die Kleidung rekonstruieren. Medschinski: »Weil die Funde rudimentär sind, können wir nicht sicher sein, dass die Kleidung der Menschen damals wirklich so ausgesehen hat. Sie könnte aber so ausgesehen haben.«

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