07. November 2018, 08:00 Uhr

Verlängerung in Sicht

Mit der S 6 von Friedberg bis nach Darmstadt

Der Ausbau der Main-Weser-Bahn wird einen Vorteil für all jene mit sich bringen, die von Friedberg bis nach Darmstadt fahren wollen: Sie müssen nicht mehr umsteigen.
07. November 2018, 08:00 Uhr
Sie soll zukünftig auch Darmstadt und Bad Vilbel verbinden: Im Zuge des S6-Ausbaus soll auch der Streckenverlauf der Bahn verlängert werden. (Foto: Archiv)

Pendler und Kunden des Rhein-Main-Verkehrsbundes (RMV), die am Frankfurter Berg auf die S6 aus Friedberg und Bad Vilbel warten, beobachten seit Kurzem ratternde Förderbänder am Rande der Gleise. Darauf wird Erdreich in Richtung Bahnhofsvorplatz transportiert. Am Ende nehmen Muldenkipper den zuvor von einem Schaufelbagger auf die Transportbänder aufgesetzten Erdaushub auf.

Im Bereich des S-Bahnhofs Frankfurter Berg wurden die Bauarbeiten am viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn wiederaufgenommen. Nicht nur Pendler hatten zuletzt spekuliert, inwieweit wegen des langen Stillstandes bei den Bauarbeiten entlang des Streckenabschnitts der offizielle Betriebsstart im Dezember 2022 gehalten werden kann. Doch dazu später mehr.

 

Ein Tausch macht es möglich

Für Fahrgäste aus der Wetterau dürften ganz andere Neuigkeiten von Interesse sein, die diese Zeitung vom RMV erfahren hat. »Nachdem die erste Baustufe der S6 fertiggestellt ist, werden wir ein neues Fahrplankonzept umsetzen«, teilt Pressesprecherin Vanessa Rehermann mit. »Wenn der viergleisige Ausbau der Main-Weser-Bahn bis Bad Vilbel abgeschlossen ist, werden die S-Bahnen aus Friedberg und Bad Vilbel nach Langen und Darmstadt durchgebunden.«

Das heißt nichts anderes, als dass es künftig Direktverbindungen mit der S - Bahn zwischen der Wetterau und allen Stationen in Südhessen zwischen Frankfurt Süd und Darmstadt geben wird. Möglich wird das, weil der RMV mit Betriebsstart der viergleisigen S6 die bisherigen Fahrplanlagen der S3 und S4 durch den City-Tunnel mit denen der S5 und S6 tauschen wird.

Bekanntlich wird nicht nur die S6 ausgebaut, sondern auch die S5 soll durch Elektrifizierung der Taunusbahn zum Fahrplanwechsel 2022/23 über Bad Homburg und Friedrichsdorf hinaus bis Usingen verlängert werden. »Sollten sich die Bauprojekte verzögern, gefährdet das demnach nicht den Betrieb, sondern sorgt einfach nur dafür, dass das neue Fahrplankonzept später eingeführt wird«, räumt die Sprecherin aber mögliche Verzögerungen ein.

 

Verzögerung von bis zu sechs Monaten

Auf Anfrage teilt die Deutsche Bahn (DB) zwar mit, die Inbetriebnahme sei nach wie vor für 2022/2023 geplant, bestätigt aber auch eine Verzögerung von bis zu sechs Monaten. »Mögliche zeitliche Auswirkungen auf den Gesamtablauf werden derzeit von uns geprüft und bewertet«, lautet die Formulierung eines DB-Pressesprechers.

Aufgrund von 25 Besitzeinweisungsverfahren – die nun alle vom Verwaltungsgerichtshof zugunsten der DB im Eilverfahren entschieden wurden – entstanden Verzögerungen (Extra-Artikel). »Deshalb hat sich der Bauablauf je nach Grundstück drei bis sechs Monate verzögert, weshalb der Bauablauf angepasst werden musste«, so der Sprecher

 

Am Berg rattern die Bänder

Nun also rattern also in den kommenden drei Monaten die Förderbänder am Einschnitt am Frankfurter Berg, um den Bodenaushub per Schlepper in Richtung Osthafen abzutransportieren. »Ursprünglich hatten wir geplant, die Lastwagen direkt zu beladen und parallel zur Trasse unter der Autobahnbrücke der L 3003 zur Homburger Landstraße fahren zu lassen«, erklärt Projektleiter Julian Fassing. Doch da hatte die Straßenbehörde Hessen Mobil offensichtlich Bedenken, dass die Fundamente der nahen Straßenbrücke durch die Lkw-Fahrten in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. »Als Alternative haben wir die Idee mit den Förderbändern entwickelt und schließlich realisiert«, so Fassing. Untätig sei die DB als Projektverantwortliche aber trotz des Verzuges keinesfalls gewesen, wie die hauseigene Pressestelle betont. In Ginnheim werde das alte Stellwerk abgerissen, und der dortige Boden werde verbessert. Die Rodungsarbeiten rechts der Gleise (in Fahrtrichtung Frankfurt) laufen demnach ebenso weiter, wie Vermessungsarbeiten und die Absteckungen weiterer Baufelder.

Info

Enteignungsverfahren kosten Zeit

Der viergleisige Ausbau der Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt und Bad Vilbel wurde nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) zuletzt durch 25 sogenannte Besitzeinweisungsverfahren verzögert. Der Hintergrund: Das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) greift als Enteignungsbehörde immer dann ein, wenn ein Grundstück oder Grundstücksteile für eine Maßnahme, die dem Allgemeinwohl dient, in Anspruch genommen werden soll und zwischen Vorhabensträger (in diesem Fall die DB) und Eigentümern oder Besitzern keine Einigung erzielt werden kann. »Enteignungsverfahren ziehen sich über einen längeren Zeitraum hin. Es gibt aber Maßnahmen, die aus Gründen des Allgemeinwohls derart dringlich sind, dass der Abschluss eines Enteignungsverfahrens nicht abgewartet werden kann«, so das RP. Für diese Fälle gibt es das Instrument der vorzeitigen Besitzeinweisung. Wie der Begriff zum Ausdruck bringt, gehe es hier lediglich um den Besitz, nicht um das Eigentum an einem Grundstück. Die Enteignung muss aber grundsätzlich zulässig sein. »Liegen die Voraussetzungen vor, weist die Behörde den Antragsteller in den Besitz der betroffenen Fläche ein«, erläutert das RP. »Dieser kann dann mit der geplanten Maßnahme beginnen. Sollte es in der Folgezeit keine Einigung über den Eigentumsübergang geben, schließt sich ein Enteignungsverfahren an.« (bf)

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