18. Juli 2018, 20:17 Uhr

Mit Stift und Block unterwegs

18. Juli 2018, 20:17 Uhr
Erinnern an das Wirken des langjährigen Lokaljournalisten Karl Reutzel (v. l.): Gerry Reutzel, Herbert Meyer, Marissa Meiss und Gerd Wächter. (Foto: Storck)

Am Samstag haben die Melbacher ihre Veranstaltungsreihe zum 1200-jährigen Dorfjubiläum fortgesetzt. Das drittletzte Ereignis beschäftigte sich mit einer speziellen Ortsgeschichte von den 1940er Jahren bis zum Mai 2004: Während dem Zeitraum von 57 Jahren war Karl Reutzel mit Block, Bleistift und Kamera unterwegs und dokumentierte das Geschehen rund um seinen Heimatort Melbach.

Für den Abend unter dem Motto »Karl Reutzel – Ein Mann schreibt Geschchte(n)« hatte die Familie das Archiv geöffnet. Herbert Meyer und Gerd Wächter hatten Monate in Reutzels Veröffentlichungen gestöbert, die in der Wetterauer Zeitung erschienen waren. Aus dieser Auswahl entstand zum einen ein Buch, das der Verein »Gemeinsam für Melbach« herausgebracht hat. Zum anderen resultiert daraus ein abwechslungsreiches Programm aus Texten und Gedichten, die das journalistische Urgestein aus Melbach verfasst hatte. Am Samstag lasen und begleiteten dies musikalisch Herbert Meyer, Gerd Wächter, Karls Sohn Gerald »Gerry« Reutzel, Thomas Gerlach und Karls Enkeltochter Marissa Meiss. Eine Bilderausstellung gab weiterhin Einblicke in Reutzels Familienleben und sein Wirken mit Feder und Linse.

Vom Metzger, der Pfarrer hieß

Zu dem Abend in familiärer Atmosphäre im Dorfgemeinschaftshaus waren knapp 100 Besucher erschienen. Darunter begrüßte Magda Gerlach vom Jubiläumsverein Reutzels Witwe Liesel, seine beiden Kinder und zwei Enkel sowie den Schirmherrn des Abends, Ex-Bürgermeister und -Landrat Joachim Arnold. Gerlach war sicher, dass Reutzel vom Himmel aus mit schelmischem Grinsen das Treiben wohlwollend verfolge.

Reutzels Werke in der WZ gehören zur neueren Melbacher Geschichte. Seine Artikel waren oft nachhaltig; weniger bekannt sind seine Gedichte. Wie Meyer und Wächter aufzeigten, waren seine Berichte in den Anfangsjahren kurz gehalten. Mit wenigen Zeilen dokumentierte er für die Leser beispielsweise das Pflanzen von Obstbäumen zwischen Dorheim und Melbach, die Anschaffung der Schulfunkanlage 1951 oder das Richtfest der Volksschule ein Jahr später. Später wurden seine Artikel größer und vermittelten auch Hintergrundwissen.

Die Artikel von Karl Reutzel bezogen sich auch auf Personen aus seinem persönlichen Umfeld. Dabei schimmerte auch immer wieder sein Humor durch, etwa 1967, als der Melbacher Pfarrer den Melbacher Metzger namens Pfarrer traute. Lebendig und gleichwohl im Wandel der Zeit erschien das Dorfgeschehen wie der Besuch von Rundfunk und Fernsehen zur Einweihung des Dorfgemeischaftshauses 1961, das letzte Kuhgespann 1962 oder die Haagberichte anlässlich »Unser Dorf soll schöner werden« 1968. Nachzulesen bei Reutzel waren freilich auch die vielfältigen Aktivitäten der Ortsvereine.

Aus dem Archiv stammt auch Besinnliches wie die überschüssigen und vergessenen Kanalrohre, das Schussglück der Schulkinder mit Schneebällen zur Alarmierung mit der Feuerwehrsirene oder das Gedicht »Die Kieb«, was zu einer journalistischen Differenz mit Redakteur Walter Engel führte.

Zu Beginn und am Ende erklangen Reutzels Lieblingslieder »Ich liebe das Leben« und »Aber dich gibt’s nur einmal für mich«. Den Abschluss bildete das von Gerry Reutzel und Thomas Gerlach vorgetragene Lied »Ein bisschen mehr« für Frieden und Toleranz. Das als Blues dargebrachte Lied hätte Reutzel schelmisch wohl mit den Worten bewertet: »So sind halt die jungen Leute.«

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