01. August 2018, 11:00 Uhr

Hinterm Lenker

Mit Jürgen quer durch Europa

Unzählige Wetterauer saßen schon in einem Bus, den Jürgen Schäfer gelenkt hat. 50 Jahre ist der Oppershofener berufstätig – und hat schon einige Kuriositäten erlebt.
01. August 2018, 11:00 Uhr
Jürgen Schäfer ist mit seinem Bus schon durch ganz Europa gefahren. Heute feiert er 50-jähriges Berufsjubiläum. Ob er damit genug gearbeitet hat? Nein, sagt der Busfahrer, »es macht mir noch immer großen Spaß«. (Foto: Nici Merz)

Geburtstag war immer Busfahrtag. Der Höhepunkt des Jahres quasi. Jürgen Schäfer erinnert sich noch gut. Geschenke waren langweilig. Eine Fahrt mit dem Linienbus von Wölfersheim über Hungen nach Gießen aber ganz und gar nicht. »Das habe ich mir als Kind jedes Jahr gewünscht«, erzählt er. Oder, auch eine Kindheitsgeschichte: Wenn er als Junge auf dem Jahrmarkt war, vor dem Karussell stand, es aber keinen Omnibus darauf gab, ist er gar nicht erst mitgefahren. Ja, sagt Jürgen Schäfer, »ich wollte schon immer Busfahrer werden«. Und sobald er konnte, ist er es geworden. Auch, wenn er dafür erst einmal Lkw fahren musste. »Ich dachte mir: Ehe du einen Busführerschein machst, musst Du erst mal eine Lehre machen. Also habe ich halt Kfz-Mechaniker gelernt.«

 

Endlich Busfahrer

50 Jahre ist das her. Am 1. August 1968 startet Jürgen Schäfer seine Lehre und macht nebenbei seinen Lkw-Führerschein. Ab 1973 arbeitet er bei einem Heizöllieferanten, fährt mit Tanklastern durch die Wetterau. Dann, endlich, am 1. Oktober 1979 wird er Busfahrer.

Seit 39 Jahren fährt er nun durch Europa, »vom Nordkap bis Sizilien, nach Sankt Petersburg und zigmal nach Wien« – mit Schülern und mit Senioren, mit Urlaubern und mit Tagesausflüglern.

 

Der Mann, der plötzlich verschwand

Einmal, das wird Jürgen Schäfer wohl nie vergessen, ist einer aus der Reisegruppe verschwunden. »Ich bin mit einem Seniorenclub aus Frankfurt in den Taunus gefahren.« Das Programm: erst Mittagessen, danach ein Spaziergang in einem Wäldchen. Als es dann weitergehen sollte zum Kaffeetrinken, fehlte ein Mann. »Seine Frau saß im Bus, aber er war nicht da.« Also begann die Suchaktion; einmal quer durch den Wald. Ohne Erfolg. Der Busfahrer alarmierte die Polizei, nach einigen Stunden, erinnert sich Jürgen Schäfer, sind sogar Suchhunde eingesetzt worden.

 

Suchhunde eingesetzt

Der Busfahrer konnte nichts mehr tun, die Polizei schickte die Reisegruppe nach Hause, die Frau des Verschollenen saß noch immer alleine in der Reihe, weinte, sagte aber kein Wort, wie Jürgen Schäfer erzählt. Daher entschied er sich, sie nicht am Sammelpunkt herauszulassen, sondern sie direkt nach Hause zu fahren – und dort, in Frankfurt, erwartete die Reisegruppe die große Überraschung; der Verschollene war zu Hause und öffnete seiner Frau die Tür. »Wie sich später herausgestellt hat, haben die zwei sich gestritten, er ist per Anhalter zum nächsten Bahnhof gefahren und hat den Zug nach Hause genommen.«

 

Wie Schäfer selbstständig wurde

 

Heute lacht Jürgen Schäfer über die Geschichte, damals allerdings war das weniger lustig. Doch das gehört dazu zum Busfahrerdasein – die Frau, die 30 Minuten nach der Raststätte merkt, dass sie im falschen Bus sitzt, einige vertauschte Koffer… Nein, langweilig wird es nicht. Und an Arbeit mangelt es dem 64-Jährigen auch nicht. Seit April 1986 ist er selbstständig, hat das Unternehmen Launhardt-Reisen übernommen, in dem er als angestellter Busfahrer angefangen hat.

 

Dauernd unterwegs

Die erste Fahrt ging damals nach Sölden im Ötztal. Gereist ist der Skiclub Friedberg. Der junge Fahrer musste täglich auf den 2800 Meter hohen Gletscher fahren, um die Gruppe am Skilift abzusetzen.

Als sich sein Chef 1986 zur Ruhe setzen wollte, fragte er, ob Jürgen Schäfer das Busunternehmen übernehmen möchte. Er sagte ja, zog mit der Firma von Rosbach nach Oppershofen, leitet sie seither – und ist dauernd unterwegs. Kürzlich zwei Wochen im Baltikum, danach acht Tage in Tschechien, ein Wochenende darauf mit einer Hochzeitsgesellschaft in Füssen – geheiratet wurde in der Nähe von Schloss Neuschwanstein.

 

130 000 Kilometer im Jahr

An die 130 000 Kilometer fahre er pro Jahr, ist dauernd unterwegs. Wenn er über die Kaiserstraße in Friedberg läuft, erzählt er, wird er oft angesprochen: »Das ist doch der Jürgen, mit dem wir nach Italien gefahren sind.« Dahin und an viele andere Orte will er auch noch weiter fahren. Bis 2024 mindestens – denn auch nach 50 Jahren im Berufsleben, nach 39 Jahren am Steuer eines Omnibusses und nach Millionen Kilometern sagt er: »Ich habe es keinen Tag bereut. Mir macht es noch immer großen Spaß.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Berufstätige
  • Busunternehmen
  • Hochzeitsgesellschaften
  • Oppershofen
  • Polizei
  • Reisegruppen
  • Seniorenclubs
  • Rockenberg-Oppershofen
  • Sabrina Dämon
  • Lädt

    Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 5 + 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.