16. Mai 2018, 14:00 Uhr

Missbrauchsvorwürfe

Missbrauchsvorwürfe gegen JVA-Seelsorger: Zeugen erscheinen nicht zu Prozess

Ein 54-Jähriger ist angeklagt, als katholischer Seelsorger im Rockenberger Gefängnis Häftlinge sexuell missbraucht zu haben. Nun bereiten Zeugen Probleme.
16. Mai 2018, 14:00 Uhr
Ein 54-Jähriger soll sich 2015 und 2016 an Häftlingen des Rockenberger Jugendgefängnisses vergangen haben. Der Mann schweigt zu den Vorwürfen. Prekär: Bei dem 54-Jährigen handelt es sich um den katholischen Seelsorger der Einrichtung. (Foto: bu)

Der Prozess um den angeblichen Missbrauch von Häftlingen im Rockenberger Jugendgefängnis ist ins Stocken geraten. Nachdem der Hauptbelastungszeuge bereits zum Prozessauftakt nicht erschienen war, blieb er auch dem Fortsetzungstermin fern. Ebenso wie ein weiterer Zeuge, auf dessen Aussage sich die Anklage stützt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein heute 54-jähriger Seelsorger 2015 und 2016 in Einzelmeditationsstunden übergriffig geworden ist, in drei Fällen Häftlinge im Intimbereich berührt haben und es in einem Fall auch zum Oralverkehr gekommen sein soll (WZ von gestern). Zudem habe der Kirchenmann versucht, einen Gefangenen zum Geschlechtsverkehr zu überreden und erklärt, Sex helfe im Gefängnis zum Abbau von Aggressionen. Alle drei Männer sind Muslime, sie sollen im Gegenzug vom Seelsorger Vergünstigungen wie Tabak oder Fernsehgeräte bekommen haben. Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen.

Verteidigerin Ute Bottmann beantragte, es solle ein Glaubwürdigkeitsgutachten zu allen drei angeblichen Opfern eingeholt werden – und zwar von einem Experten mit Büro in Berlin. Hintergrund des Antrags sind abweichende Abgaben der Männer, die diese bei der Polizei und bei ihrer richterlichen Vernehmungen gemacht hätten. Bottmann beantragte weiter die Aussetzung des Verfahrens. Richterin de Nève lehnte den Antrag ab, das Gericht verfüge über genug Sachkunde hinsichtlich der Glaubhaftigkeit von Aussagen, begründete sie. Zudem handle es sich bei den Zeugen um Erwachsene, es gebe keine Hinweise, dass besondere Gründe vorliegen, die ein Glaubwürdigkeitsgutachten erforderlich machten.

Bottmann sieht das anders. Sie beantragte, die Verhandlung solle ausgesetzt werden, um zeitlich einen längeren Vorlauf zu schaffen, damit eine andere Gutachterin die Möglichkeit bekommt, den Prozess zu begleiten. Schließlich habe es während des ersten Verhandlungstages hinsichtlich des Hauptbelastungszeugens neue Hinweise darauf gegeben, dass dieser mit einer Drogenproblematik zu kämpfen habe. Auch hatten Anstaltsleiter Klaus Ernst und ein JVA-Bediensteter ausgesagt, dass besagter Häftling sehr auffällig in seinem Verhalten gewesen sei. Er habe viele Konflikte mit anderen Gefangenen und Bediensteten gehabt, sei von einer Krise in die nächste geraten.

Richterin de Nève lehnte auch den zweiten Antrag Bottmanns ab. Die Termine der Verhandlung seien früh genug bestimmt und angekündigt gewesen, und die gewünschte Psychologin hätte teilnehmen können. Gegen den nicht erschienenen Zeugen verhängte die Richterin ein Ordnungsgeld, er soll an einem der kommenden Prozesstage von der Polizei vorgeführt werden.

Das Verfahren wird fortgesetzt.

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