27. August 2018, 19:43 Uhr

Mehr Schwäne, weniger Enten

27. August 2018, 19:43 Uhr
Freiwillige zählen regelmäßig Stockenten und andere Wasservögel in der Wetterau und in ganz Europa. (Foto: dpa)

»Die Wetterau gehört zu den wichtigsten Rastgebieten für Zugvögel in der Südwesthälfte Deutschlands«, sagte Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON). Das zeigten Zählungen von Wasservögeln der letzten Jahrzehnte, die Thema einer Tagung am Wochenende in Echzell waren. Demnach hat sich der Bestand der Wasservögel in ganz Europa erholt – vermutlich durch Naturschutz und eine Beschränkung der Jagd. Zu der Veranstaltung waren 30 Vogelkundler aus dem ganzen Land gekommen, die sich an den Zählungen beteiligen.

»Den Wasservögeln geht es ganz überwiegend gut«, sagte Stübing. Die Bestände an Sing- und Zwergschwänen hätten deutlich zugenommen. Dagegen verzeichneten einige Entenarten Rückgänge. Knapp drei Millionen Wasservögel seien im Januar in Deutschland gezählt worden. Die meisten davon waren Stockenten (410 000), gefolgt von Blesshühnern (230 000) und Reiherenten (190 000).

Vogelkundler zählen einmal im Monat von September bis April ehrenamtlich Wasservögel wie Enten, Gänse und Reiher in bestimmten Gebiete in ganz Deutschland. Die Zählungen gibt es seit Mitte der 1960er Jahre. Rund 3000 Freiwillige beteiligen sich daran deutschlandweit an 2000 Standorten.

Die HGON mit Sitz in Echzell koordiniert die Zählungen der Wasservögel in Hessen. Im Naturraum Wetterau beobachten Vogelkundler gut 15 Gebiete, darunter das Bingenheimer Ried und der Pfaffensee bei Echzell sowie der Kurpark in Bad Nauheim.

Gut entwickelt hätten sich zwei Schwanarten. Rund 130 000 Singschwäne seien in Europa gezählt worden, davon etwa 48 000 in Deutschland, vor allem in Sachsen, Brandenburg und Schleswig-Holstein. Auch in der Wetterau sei die Art hin und wieder unterwegs. Weil Singschwäne weniger gejagt würden, hätten sich die Populationen von Nordwesteuropa in den wärmeren Süden – nach Polen und im Baltikum – ausgebreitet. Dort habe sich ihr Bruterfolg pro Pärchen im Durchschnitt verdreifacht. Um 1980 habe es nur etwa 15 000 Singschwäne in Europa gegeben. Der Bestand der Zwergschwäne in Nordwesteuropa habe sich seit den 1970er Jahren auf rund 22 000 Tiere verdoppelt.

Nahrung knapp durch Kläranlagen

Der Bestand von Stockente und Tafelente in Deutschland habe sich seit den 1980er Jahren hingegen halbiert. Dies hänge vor allem mit milderen Wintern zusammen. Sie blieben vermehrt bei ihren Brutplätzen in Polen und dem Baltikum. Zudem seien die Gewässer durch Kläranlagen in Deutschland viel sauberer geworden, sodass die Vögel darin weniger Nahrung wie etwa Algen fänden. Auch Reiherente und Gänsesäger kämen wegen der milderen Winter nicht mehr so zahlreich vom Nordosten nach Deutschland.

Durch die europaweiten Zählungen soll geklärt werden, wie viele Wasservögel in Deutschland rasten und überwintern, welche Rastgebiete von internationaler, nationaler oder regionaler Bedeutung sind und wie sich die Bestände der einzelnen Arten entwickeln. Die nächste Zählung findet Mitte September statt. Am Stichtag halten Ehrenamtliche in ganz Deutschland Ausschau nach Wasservögeln – auch in der Wetterau.

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