26. Oktober 2018, 19:01 Uhr

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Landtagswahl in der Wetterau: Wer kann mit wem?

Politiker und Medien machen vom Ausgang der hessischen Landtagswahl die Zukunft der Großen Koalition in Berlin abhängig. Selbst der Stuhl von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) soll wackeln. Dass es sich um keine Bundestagswahl handelt und der Fokus eigentlich auf landespolitischen Themen liegen sollte, spielt bei diesen Überlegungen keine Rolle. Die andere Frage ist, wer mit wem koalieren kann. Es wird spannend.
26. Oktober 2018, 19:01 Uhr

Von Jürgen Wagner , 1 Kommentar
Spannung vor dem Wahlsonntag in Hessen. (Foto: Arne Dedert/dpa)

Es geht um Hessen – ob dieser Wahlslogan bei der Wählern ankommt, erscheint ungewiss. Zwar bemühten sich die Parteien im Landtagswahlkampf herauszustellen, dass es um hessische Schulen, hessische Straße und hessische Wohnungen geht. Die Auguren jedoch gehen davon aus, dass die Hessenwahl wie jene vor zwei Wochen in Bayern dadurch entschieden wird, wie die Wähler zur Bundespolitik stehen. Die Koalitionskämpfe in Berlin dürften bei der Wahlentscheidung mehr Gewicht erhalten als der Klimaschutz oder die Frage, was die jeweiligen Parteien unternehmen wollen, um den ländlichen Raum zu stärken.

Es wird knapp, und keiner kann vor dem Urnengang mit Sicherheit sagen, welche Regierungskoalition aus der Wahl hervorgeht. Die jüngsten Umfragen deuten auf herbe Verluste der CDU hin, die jedoch mit 26 bis 28 Prozent stärkste Kraft bleibt. Es folgen die SPD, gleichfalls mit Verlusten und prognostizierten 22 Prozent, und die Grünen mit 18,5 Prozent; in anderen Umfragen lag die Ökopartei gleichauf mit den Sozialdemokraten. Linke und FDP dürften mit 7,5 bis 8 Prozent sicher in den Landtag einziehen, was auch für die AfD gilt: 13 Prozent lautet die Prognose. Keine Berücksichtigung in den Umfragen spielen die Freien Wähler, die in Bayern Koalitionspartner der CSU werden dürften.

Hinsichtlich der Direktkandidaten dürften die Vorhersagen einfacher sein. Bei den letzten Wahlen holte die CDU alle drei Mandate, das will sie wiederholen. Lisa Gnadl im Ostkreis und Karl-Otto Waas im Norden (beide SPD) machen sich Hoffnungen, Ministerin Lucia Puttrich und Landtagspräsident Norbert Kartmann (beide CDU) zu beerben. Puttrich (Platz 5), Kartmann (18) und Tobias Utter (36) haben relativ sichere Listenplätze, was auch für Gnadl (5) gilt. Bei einem guten Abschneiden der SPD würde auch Waas (35) in den Hessischen Landtag einziehen, als einziger Arbeiter im Parlament.

 

Wahlplakate als Ärgernis

Jörg-Uwe Hahn (FDP) belegt auf der FDP-Landesliste Platz 6, das dürfte reichen. Mit Kathrin Anders (Platz 19) könnten die Wetterauer Grünen erstmals eine Landtagsabgeordnete stellen. Abschied aus Wiesbaden nimmt Gabi Faulhaber von der Linken. Sie steht auf keinem vorderen Listenplatz, was auch für die beiden anderen Kandidatinnen der Linken Anja El Fechtali und Fatma Demirkol gilt. Bei der AfD haben Klaus Herrmann (3) und Andreas Lichert (5) aussichtsreiche Plätze. Dass die AfD Anknüpfungspunkte zur extremen Rechten hat, wurde im Wahlkampf von den meisten Parteien betont. Das dürfte ihren Erfolg aber ebenso wenig schmälern wie die Nachricht, dass ein AfD-Wahlkämpfer in Frankfurt beim Streit mit einem Kritiker eine scharfe Pistole zog.

Und was wird nach der Wahl? Für Schwarz-Grün reicht es laut den Umfragen nicht mehr. Eine Jamaika-Koalition (mit FDP) ist denkbar. Eine Große Koalition eher nicht, inhaltlich und rechnerisch passt das nicht. Möglich wäre auch Rot-Rot-Grün, und selbst über eine solche Konstellation unter einem Ministerpräsidenten Tarek Al-Wazir von den Grünen wird spekuliert. Abwarten, ob die Grünen ihren Höhenflug fortsetzen.

Hält sich das Interesse vieler Bürger an der Landespolitik auch in Grenzen, so scheint in den sozialen Medien Einigkeit darüber zu bestehen, dass Wahlplakate auf den Müllhaufen der Geschichte gehören. Vielleicht reichen künftig eine oder zwei große Plakatwände, und die Plakate an den Straßen (wer entscheidet sich schon während der Autofahrt für eine Partei) sind bald Geschichte. Zumal die Parteien große Probleme hatten, Personal aufzutreiben, um die Plakate aufzuhängen. Dieses Problem besteht übrigens auch hinsichtlich des Abhängens.

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