Neujahrsvarieté

(K)ein Absturz und fast kein Clown

Clown, Housch-ma-Housch wäre fast gar nicht beim Bad Nauheimer Neujahrsvarieté dabei gewesen. Zur Einrad-Nummer gibt es eine unschöne Vorgeschichte. Andreas Matlé erzählt.
12. Februar 2017, 12:00 Uhr

Von Sabrina Dämon , 1 Kommentar
45 Artisten aus 16 Ländern sind beim 15. Internationalen Neujahrsvarieté in Bad Nauheim dabei gewesen. Und sie hatten eine gute Zeit in Bad Nauheim, sagt Andreas Matlé. (Fotos: pv)

45 Artisten sind beim 15. Neujahrsvarieté aufgetreten. Ist alles so gelaufen wie geplant?

Andreas Matlé: Auf der Bühne schon. Aber im Vorfeld gab es einige Probleme.

Welche?

Matlé: Ralf, der Einrad-Fahrer von den Farellos, rief mich im September an und sagte, er habe gerade eine Knie-Op gehabt, denke aber, bis Januar haue das wieder hin. Im Dezember rief er wieder an: »Alles okay«, er und seine Partnerin traten wieder auf. Eine Woche später noch ein Anruf: Seine Partnerin sei vom Einrad gestürzt. Was tun? Er sagte, er versucht es als Solonummer. Es hat funktioniert. Nicht so, wie mit seiner Partnerin, weswegen er auch anfangs etwas bedrückt war. Weil er, wie er sagte, mit der Weltelite auftritt und sich behaupten muss.

Was ist noch passiert?

Matlé: Der Clown, der ursprünglich vorgesehen war, konnte nicht auftreten, wie wir Mitte November erfahren haben. Wenn ein einzelner Artist ausfällt, ist das zwar schade, aber es bricht nur eine Nummer weg. Doch der Clown sollte als roter Faden durch das Programm führen. Letztlich hatten wir Glück und mit Housch-ma-Housch einen in der gleichen Qualität gefunden. Der auch Zeit hatte. Nur für drei Tage wiederum hatte er schon ein Engagement für eine Solo-Show in Berlin. Und darum mussten wir für diese Zeit einen Ersatz finden.

Also gab es drei Tage Shows ohne Housch-ma-Housch?

Matlé: Ja, da hatten wir dann Steve Eleki, der vor vier Jahren schon mal dabei war. Er hatte genau an diesen drei Tagen frei beim Varieté in Mannheim, obwohl er bis 2020 ausgebucht ist.

Sie sagen, beim Neujahrsvarieté ist die Weltelite der Artisten dabei. Gibt es nach 15 Jahren überhaupt noch welche, die das bisherige Programm toppen können?

Matlé: Es gibt wahnsinnig viele Artisten. In den vergangenen zehn Monaten haben sich mindestens 250 beworben, die alle gut sind. Man kann jetzt streiten, ob das Weltelite oder Champions League ist. Aber wir haben bei der Programmzusammenstellung immer die Qual der Wahl. Zumal auch Gäste fragen, ob wir die eine oder andere Nummer nicht mal wieder bringen könnten.

Gibt es Wiederholungen?

Matlé: Ja, Encho Keryazov zum Beispiel, der Handstand-Mann, war 2010 schon mal da. Und die Bodenakrobatinnen, Trio Bellissimo aus der Ukraine, auch. Wir versuchen aber, jedes Jahr ein neues Genre zu bringen. Das wird schwierig, weil wir schon so viele präsentiert haben. In diesem Jahr hatten wir zum ersten Mal Basketball. Einen klassischen Clown und Sängerinnen als Moderatorinnen gab es bisher auch noch nicht. Und natürlich das Todesrad.

Was gibt es nächstes Jahr Neues?

Matlé: UV-Tanz. Acht Tänzer, deren Kostüme mit LED-Schläuchen bestückt sind. Wenn sie im Schwarzlicht tanzen, leuchtet immer nur ein Teil ihres Körpers. Und wir haben eine chinesische Zauberin, die Ballett tanzt und dabei zaubert. Sie hat beim chinesischen Supertalent gewonnen.

Die Artisten kommen aus der ganzen Welt. 16 Länder waren diesmal vertreten. Sie alle leben für drei Wochen in Bad Nauheim. Wie gefällt es ihnen?

Matlé: Ich höre jedes Jahr einen ähnlichen Spruch: »Warum macht ihr das nicht ein ganzes Jahr lang, wir würden gerne hierbleiben.« Für sie ist das toll: In dem Hotel zu wohnen, in dem sie auch auftreten. Wie ich mitbekommen habe, war wohl auch die Shisha-Bar beliebt, gerade bei den jüngeren

Die Artisten haben im Hotel gewohnt. Und die Hunde von Laura Urunova?

Matlé: Die hatten hinter dem Hotel einen Wagen und einen überdachten Auslauf. Auch ganz lustig: Es galt im Vorfeld die Frage zu klären, wohin mit dem vielen Hundekot? Mein Kollege, der technische Leiter, Julian Klein, hat eine Firma gefunden, die den Hundekot entsorgt, weil der nicht in den Bio-Müll darf.

Wie ist es mit den Besuchern. Gab es Rückmeldungen?

Matlé: Eine erfreuliche Rückmeldung ist der Kartenverkauf fürs kommende Jahr. 60 Prozent der Karten sind bereits weg. Das schönste Lob ist aber, wenn die Leute sagen: »Mensch, ich habe mich drei Stunden gut unterhalten gefühlt«, dass sie die Show auf sich wirken lassen und sagen, es war insgesamt eine schöne Sache. An einige Nummern denkt man länger, andere wird man schneller vergessen, aber der Gesamteindruck zählt.

Woher kommen die Besucher?

Matlé: Da wir auch über Internet verkaufen, ist das nicht ganz einfach festzustellen. Der Kern ist nach wie vor die Wetterau, ich schätze mal, 60 bis 70 Prozent, aber immer mehr Besucher kommen aus Frankfurt. Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal Werbung im Taunus gemacht, daher kamen einige Leute von dort. Viele kommen aus Gießen, einige auch aus Wetzlar oder Marburg.

Sie und Ihre Kollegin Anne Naumann sind die künstlerischen Leiter der Show. Gab es einen Höhepunkt für Sie?

Matlé: Nach drei, vier Aufführungen schaue ich mir die Show nicht mehr durchgehend an. Ich bin aber vor Ort, und zum Finale gehe ich wieder in den Saal und schaue wie die Gäste reagieren. Wenn ich herunter in den Zuschauerraum schaue und sehe, dass die Leute, für die wir das Varieté machen, strahlen und dass sie bei 44 von 46 Veranstaltungen aufstehen, um zu jubeln, dann ist das für mich der Höhepunkt.

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