05. September 2018, 20:12 Uhr

In den Konzertsälen der Welt

Händels Oratorium »Joshua« ist nur selten zu hören. Die Kantorei der Dankeskirche Bad Nauheim und das Barockorchester »Via Nova« bringen das Werk in der Dankeskirche zur Aufführung. Der international gefragte Bassbariton Dominik Wörner wird dabei sein. Im Interview spricht er über die besondere Freundschaft zu Kantor Frank Scheffler, störende Huster und warum alle Japaner Bach lieben.
05. September 2018, 20:12 Uhr
Dominik Wörner ist in den großen Konzertsälen der Welt zu Hause. Als ausgewiesener Barock-Kenner wird er am 22. September in der Bad Nauheimer Dankeskirche in Händels »Joshua« in der Rolle des Caleb zu erleben sein. (Foto: hms)

Herr Wörner, was verschafft dem Publikum die Ehre, dass Sie in Bad Nauheim singen?

Dominik Wörner: Der persönliche Kontakt zu Frank Scheffler war ausschlaggebend. Wir haben gemeinsam in Stuttgart Kirchenmusik studiert und eines meiner ersten Engagements als noch »nebenamtlicher« Sänger war damals unter dem Dirigat von Frank bei seinem Kirchenchor im schwäbischen Musberg. Es freut mich sehr, dass wir nach längerer Pause, in der wir beide erfolgreich eigene Wege gegangen sind, nun wieder einmal gemeinsam musizieren werden.

Sie sind ein Barock-Kenner. Was bedeutet der »Joshua« für Sie?

Wörner: Händels Oratorien sind wunderbare Werke. Leider sind die meisten davon in Deutschland eher unbekannt geblieben. Joshua war aber zu Händels Zeit eines seiner erfolgreichsten Oratorien. Erzählt wird die Geschichte von Josua, der nach dem Tod Moses mit dem israelitischen Volk in das gelobte Land Kanaan einzieht. Die Rolle des Caleb ist eine für den Bass sehr dankbare mit Arien und Rezitativen über das ganze Werk verteilt, gleichsam wie ein roter Faden der Handlung kommentiert er jeweils das Geschehen.

Müssen Händels Oratorien in altenglischer Sprache gesungen werden?

Wörner: Das ist letztendlich eine Entscheidung des Dirigenten. Früher wurde leider beispielsweise der Messias fast immer auf Deutsch aufgeführt, heutzutage hat man erkannt, dass die Originalsprache viel besser passt. Englisch ist daher auch bei uns quasi Standard geworden. Je näher wir am Original sein wollen, desto mehr Details gilt es allerdings zu berücksichtigen. Meiner Meinung nach lohnt sich aber dieser Aufwand immer.

Sie haben mehr als 80 CDs und DVDs und zahlreiche Rundfunkproduktionen aufgenommen. Was ist für Sie wichtiger: die perfekte Konserve oder das immer neue Erlebnis der Live-Aufführung?

Wörner: Sergiu Celibidache, der berühmte rumänische Dirigent, hat einmal konstatiert, dass er Aufnahmen grundsätzlich ablehnt, da seiner Meinung nach nur die Konzerterfahrung ein echtes, einmaliges und wahrhaftiges Erlebnis darstellt. Das ist eine sehr extreme Position, die aber unterstreicht, dass eine Konzertatmosphäre im besten Fall nicht durch eine Aufnahme zu ersetzen ist. Ein Werk exemplarisch einspielen zu können ist dennoch eine wichtige und in der Regel sehr reizvolle Aufgabe. Musik wird dokumentiert und steht Musikbegeisterten jederzeit zur Verfügung. Oft sind die äußeren Bedingungen für eine Aufnahme auch viel besser als eine Konzertsituation. Laute Huster, vorbeifahrende Autos oder ein schlechter Sitzplatz können ein besonderes Konzerterlebnis empfindlich stören. Im vergangenen Juni beim Bachfest Leipzig hat mich im Hotel ein bachbegeisterter Laie aus den USA angesprochen, er würde mich fast jeden Tag auf DVD hören und sehen, denn er besitze alle bisher erschienenen DVDs der Bachstiftung St. Gallen, die zurzeit das Gesamtwerk J. S. Bachs aufnimmt. Das war eine schöne Rückmeldung. Darum plädiere ich für ein »sowohl als auch«, ein klares Ja zum Konzertbesuch genauso wie zu einer Aufnahme.

Wer ist Ihr Lieblingskomponist?

Wörner: Eindeutig Johann Sebastian Bach. Ich bin ja auch Kirchenmusiker.

Gibt es ein Ensemble, mit dem Sie am liebsten arbeiten?

Wörner: Ja, mit dem Bach Collegium Japan unter Masaaki Suzuki. Es hat als eins von weltweit vier Ensembles alle Bach-Kantaten auf historischen Instrumenten eingespielt. Suzuki hat unter anderem bei Ton Koopman studiert und sozusagen den Japanern Bach ans Herz gelegt. Obwohl nur ein Prozent der Japaner Christen sind, lieben alle Bach.

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