06. September 2018, 17:00 Uhr

»Nachverdichtung«

Im »Grießbrei-Viertel« sollen Lücken geschlossen werden

Wenn Äcker in Bauland umgewandelt werden, regt sich immer öfter Protest. Die Stadt Bad Nauheim will deshalb die »Nachverdichtung« forcieren. Das erste Projekt ist im »Grießbrei-Viertel« geplant.
06. September 2018, 17:00 Uhr

Von Bernd Klühs , 1 Kommentar
Zwischen diesen Wohnblocks gibt es nach Ansicht der Stadtplaner genügend Raum für dreigeschossige »Punkthäuser«. Rund 50 neue Wohnungen könnten im »Grießbrei-Viertel« entstehen. (Archivfoto: Nici Merz)

Wo existieren in Wohngebieten größere Brachflächen, die bebaut werden können? Wo stehen Gebäude, die sich für eine Erweiterung anbieten? Wo können kleine Häuser abgerissen und durch große ersetzt werden? Um solche Fragen geht es bei der »Nachverdichtung«, die in Bad Nauheim künftig eine größere Rolle spielen soll. Wenn es dabei um bezahlbaren Wohnraum geht, kommen die Stadt und ihre Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) ins Spiel. Ein erstes Großprojekt dieser Art soll jetzt im sogenannten Grießbrei-Viertel verwirklicht werden.

Konkret drehen sich die Pläne um vier Wobau-Wohnblocks mit vier bis sechs Geschossen, die zwischen Schwalheimer Straße, Friedberger Straße, Kochstraße und Söderweg stehen. Zwei Studentinnen der Uni Kassel haben ihre Masterarbeit der »Nachverdichtung« in diesem Gebiet gewidmet, die Ergebnisse können als Planungsgrundlage dienen. Der Entwurf (siehe weiteren Artikel) wurde am Dienstagabend im Bauausschuss vorgestellt, nicht von den Studentinnen selbst, die sich zurzeit in China aufhalten, sondern von Bettina Richter (Fachbereich Stadtentwicklung).

Skepsis und Ablehnung

Sie wies vor allem auf die großen Abstände zwischen den bestehenden Mehrfamilienhäusern hin, die eine solche Verdichtung möglich machten. Eine Abstimmung war nicht erforderlich, vielmehr ging es Bürgermeister Klaus Kreß darum, sich anhand der Diskussionsbeiträge im zuständigen Fachausschuss ein »politisches Meinungsbild« zu verschaffen.

Zu Beginn der Debatte sah es nach einer vorzeitigen Beerdigung des Themas aus. Die ersten drei Wortbeiträge reichten von Skepsis bis zu kompletter Ablehnung der Pläne. Peter Heidt (FDP) und Bernd Witzel (UWG) sprachen vor allem die Stellplatz- und Verkehrsfrage an, für die vorab ein schlüssiges Konzept gefunden werden müsse. Zumal für die Neubauten aus Kostengründen keine Tiefgarage vorgesehen ist.

»Die Einmündung des Söderwegs in die Schwalheimer Straße ist schon jetzt ein neuralgischer Punkt. Dort ereignen sich einige Unfälle«, sagte Heidt. Durch die Verdichtung des »Grießbrei-Viertels«, aber vor allem durch Bad Nauheim Süd werde sich die Belastung der Schwalheimer Straße weiter erhöhen.

Yamini sorgt für Verwunderung

Für eine gewisse Verwunderung sorgten die Äußerungen von Adela Yamini (SPD), die selbst im »Grießbrei-Viertel« wohnt. Ihre Fraktion hatte das Verdichtungskonzept erfolgreich beantragt. »Das ist ein Horror, ein absolutes No-Go«, betonte sie. Schon jetzt gebe es in den Wohnblocks kaum Privatsphäre.

Künftig würde sich der Abstand zwischen den Gebäude deutlich verringern, was das Problem vergrößere. »Das ist der Klassiker. Die SPD ist Feuer und Flamme bezüglich der Nachverdichtung. Aber wenn man selbst betroffen ist, kommt eine gegenteilige Reaktion«, kommentierte Bürgermeister Klaus Kreß die Äußerungen Yaminis.

Verwaltung treibt Planung voran

Danach beruhigte und versachlichte sich die lebhafte Diskussion, zumal sich auch SPD-Fraktionsvorsitzender Axel Bertrand für die Pläne aussprach. Fachbereichsleiter Jürgen Patscha wies auf den Mangel an weiteren freien Flächen für Wohnbebauung hin. »Wir können nicht überall Baugebiete auf Ackerland ausweisen. Der Entwurf bietet eine städtebaulich schöne Lösung.«

Neben CDU-Fraktionschef Manfred Jordis, der an die Initiative seiner Partei für bezahlbaren Wohnraum in der Kurstadt erinnerte, signalisierten auch die anderen Redner im weiteren Verlauf prinzipielle Zustimmung. Am Ende der Debatte fasste Ausschuss-Vorsitzender Jordis die Aussagen als Auftrag an die Verwaltung zusammen, die Planung für die »Nachverdichtung« im »Grießbrei-Viertel« weiter voranzutreiben. Widerspruch wurde nicht laut.

 

Info

50 neue Wohnungen

Die Masterarbeit der beiden Studentinnen, die als Planungsgrundlage dienen soll, sieht vier sogenannte Punkthäuser vor, die zwischen den bestehenden Wohnblocks auf den kaum genutzten Freiflächen errichtet werden sollen. Zur Schwalheimer Straße hin würde eine fast geschlossene Gebäudefront entstehen. »Das ergibt ein harmonisches Gesamtbild. Für das Gemeinschaftsleben stünden lärmgeschützte Innenhöfe zur Verfügung«, sagte Bettina Richter (Fachbereich Stadtentwicklung). Außerdem sind drei Anbauten an die bestehenden Mehrfamilienhäuser der Wobau geplant. Die meisten der Neubauten sind dreigeschossig vorgesehen. Insgesamt geht die Verwaltung von fast 50 neuen Wohnungen mit Nutzflächen zwischen 44 und 130 Quadratmetern aus. Denkbar sei auch eine neue Kita. 70 neue Stellplätze sollen den Bedarf der neuen Bewohner decken. (bk)

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