11. September 2018, 07:00 Uhr

Der Herr der Federn

Heinz Laux ist Kleintierzüchter aus Leidenschaft

Die längste Zeit seines bisherigen Lebens ist Heinz Laux in der Tierzucht aktiv – und er hat noch einige andere Hobbies. Ans Aufhören denkt der Steinfurther an seinem 85. Geburtstag noch nicht.
11. September 2018, 07:00 Uhr
Leidenschaftlicher Kleintierzüchter: Heinz Laux mit seinen Bantam-Hähnen. (Foto: hna)

Von »Burschen« und »Kerlen« spricht Heinz Laux ganz salopp, wenn er von seinen Zuchttieren erzählt. »Mit Tauben, den Danziger Hochfliegern, hat alles begonnen«, erinnert sich der Steinfurther zurück an die Zeit vor 70 Jahren, als ihn die Faszination für Kleintiere packte. Mittlerweile füllen unzählige Pokale und Urkunden die Wände und Vitrinen seines Hobbykellers im Familienhaus in der alten Schulstraße in Steinfurth. Sie zeugen von seiner großen Leidenschaft für Tiere und seinem äußerst geschickten Händchen für deren Zucht. Immer wieder deutet der fünffache Vater auf einzelne Auszeichnungen und erzählt fast beiläufig ihre Geschichten. 10 000 Kilometer sei er durchschnittlich im Jahr für sein Hobby durch die Bundesrepublik gefahren, zu Tierausstellungen und Vereinstreffen. »Viel mehr, als ich für meinen Beruf oder privat gefahren bin.«

 

Ein Bantam-Pionier

 

Bei der Taubenzucht blieb es nicht. Weitere Geflügeltiere dazu. Außerdem Riesenschnauzer, die Laux als Ausbilder auch für Hundeprüfungen trainierte. Der ganze Stolz des gelernten Maurers sind allerdings seine Zierhühner der Rasse Bantam, die gleichzeitig seinen größten züchterischen Erfolg ausmachen. In den 70er Jahren war Heinz Laux einer der ersten Züchter, die den neuen Farbenschlag »Bantam Silberhalsig« züchteten – auf der damaligen Rassegeflügelschau in Nürnberg bekam er dafür große Anerkennung. »Das war harte Arbeit. Jede einzelne Feder des Hahns muss einen bestimmten Farbverlauf vorweisen, sonst drohen Abzüge im Wettbewerb«, verdeutlicht der Züchter die strengen Anforderungen.

 

Beeindruckende Zeugnisse des Erfolgs: Heinz Laux hat sehr viele Pokale und Urkunden eingeheimst.	(Fotos: hna)
Beeindruckende Zeugnisse des Erfolgs: Heinz Laux hat sehr viele Pokale und Urkunden eingeh...

 

Großes Engagement bewies Laux auch in seiner jahrzehntelangen Vereinstätigkeit. Im Bantam-Klub ist er seit über 50 Jahren Mitglied und inzwischen Ehrenvorsitzender, 30 Jahre lang wirkte er als Ausstellungsleiter. Auch in Hunde- und Taubenzuchtvereinen war er jahrzehntelang aktive. Den Vorsitz des Steinfurther Kleintierzuchtvereins, dessen Jugendgruppe er 1962 gründete, hatte er 16 Jahre inne. In den Aufbau der Gemeinschaftsanlage des Vereins am Ried, der sogenannten »Ranch«, steckte der Handwerker etliche Stunden Arbeit und Fleiß.

»Nachwuchs für Vereine zu finden, ist schwierig«, weiß der Ehrenamtler. Einige junge Leute würden sich für die Tierzucht interessieren, »aber lange nicht so viele wie damals in meiner Generation«, stellt der anerkannte Meisterzüchter fest.

Man muss von dem Tier lernen, bevor man ihm etwas beibringen oder sich ihm annähern kann

Heinz Laux

Nach einem Bandscheibenvorfall schulte der damals bei einem Ockstädter Steinmetz angestellte Laux im Alter von 49 Jahren zum Feinmechaniker um und half fortan seiner Frau Christa, mit der er seit 1955 verheiratet ist, im Familienbetrieb. Sein feinmotorisches Talent zeigt sich auch in einem weiteren Hobby: dem Modellbau. Technisch ausgeklügelte Mühlenmodelle zieren diverse Plätze auf dem Gelände der Familie Laux. »Jede Schindel habe ich aus Naturmaterialien selbst hergestellt, sogar eine Wasserpumpe installiert«, sagt Laux, öffnet den Schrank unter einer seiner Modellmühlen und zeigt auf die Pumpe.

Welches Hobby ihm am meisten Spaße macht, könne Heinz Laux nicht sagen. »Alles macht Spaß, wenn es klappt«, witzelt er. »Ich freue mich, dass ich auch im Alter noch so aktiv sein kann. Immer noch einige Verpflichtungen zu haben, das hält fit«, begründet der Steinfurther, der zeitlebens sportlich aktiv gewesen ist, seinen ungebrochenen Tatendrang. In seiner Großfamilie mit acht Enkeln und zwei Urenkeln gebe es immer etwas zu tun, die Zucht wolle er auch noch nicht aufgeben – im Gegenteil: Seit einiger Zeit helfe er einem befreundeten Steinfurther Züchter bei der Zucht von Bronzeflügeltauben. Auf der diesjährigen 59. Bantamschau in Dorn-Assenheim wolle er auch nochmal ausstellen. »Solange es geht, mache ich weiter.«

 

Info

Tipps für die Tierzucht

Wer jahrzehntelange Erfahrungen in der Tierzucht hat und jede Menge Pokale und Urkunden vorweisen kann, wie Heinz Laux, darf als Experte gelten. Hier gibt er Tipps für Menschen, die gerne Tiere züchten wollen: Was Hundezüchter beachten sollten: »Wichtig etwa bei der Hundezucht ist vor allem die Erkenntnis, dass man selbst erst von dem Tier lernen muss, bevor man ihm etwas beibringen oder sich ihm annähern kann. Man muss es kennenlernen und Vertrauen aufbauen, erst dann kann man ein gutes Verhältnis zu den Hunden aufbauen. Hunde sind genauso wie Menschen, keiner ist wie der andere. Die Grundlage jeder Tierzucht ist das Vertrauen zwischen Tier und Züchter.« Und was ist besonders bei der Kleintier- beziehungsweise Geflügelzucht zu beachten? »Bei der Geflügelzucht kommt es auf den Vogel an. Manche sind einfacher zu zähmen als andere. In jedem Fall geht der Weg über das Futter. Es muss abgewartet werden, bis die Tiere hungrig genug sind. Über das schrittweise Füttern aus der Hand werden die Tiere irgendwann zahm. Einige Geduld muss man dafür aber mitbringen. Außerdem sollten Kleintiere nicht unterschätzt werden. Das Sprichwort »Du dummes Huhn« trifft meiner Erfahrung nach überhaupt nicht zu. Geflügeltiere sind viel schlauer als die meisten gemeinhin annehmen. Das ein oder andere büxt auch gerne mal aus, da ist besondere Aufmerksamkeit gefragt. (hna)

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