19. März 2018, 08:00 Uhr

Brandstifter verurteilt

Haft fürs Feuerlegen am Haus der Freundin

Hinter Gitter muss ein 35-Jähriger aus Ortenberg. Er hatte vorm Haus seiner Ex-Freundin in Ranstadt Feuer gelegt.
19. März 2018, 08:00 Uhr
Die Handschellen werden nur für den Prozess gelöst: Ein 35-Jähriger aus Ortenberg muss wegen schwerer Brandstiftung zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Im Gegensatz zu Verteidiger Frank Richtberg glaubten die Richter nicht an ein Komplott gegen den Angeklagten. (Foto: sha)

Ist der kleingewachsene Mann auf der Anklagebank das Opfer eines miesen Komplotts, hinter dem seine Ex-Freundin steckt? Nein, zumindest aus Sicht der Schwurgerichtskammer des Gießener Landgerichts ist er ein Brandstifter, der am 8. August vergangenen Jahres Feuer am Haus der Ranstädterin legte. Verletzt wurde zum Glück niemand. Zwei Jahre und neun Monate Haft lautete am Freitag das Urteil. Damit blieben die Richter weit unter der Forderung von Staatsanwalt Eugen Schwegler, der auch von versuchtem Mord ausgegangen war und sechseinhalb Jahre Gefängnis verlangt hatte. Verteidiger Frank Richtberg nahm hingegen an, dass Dritte das Feuer an der Haustür entfacht hatten und den Verdacht bewusst auf seinen Mandanten lenkten, damit die Frau ihren ungeliebten Partner »loswerden« konnte.

 

Rätselhafte Kippen und ein Brief

Genährt wurde der Verdacht eines Komplotts wegen nicht verbrannter Zigarettenstummel im Brandschutt am Tatort. Der Angeklagte hatte in der Hauptverhandlung zugegeben, auf einer Holzbank vor dem Haus gesessen und auf seine Ex-Freundin gewartet zu haben. Dabei rauchte er auch einige Zigaretten. Die Kippen will er aber nur »weggeschnippt« haben. Weil seine Ex nicht vorbeikam, gab er an, das Sitzmöbelstück hochkant vor die Haustür gestellt zu haben – »als Zeichen, dass ich da war«. Angezündet haben will er aber nichts.

 

Gericht bekommt anonymen Brief

Richtberg vermutete, dass andere die Bank in Brand setzten und später die Kippen des Angeklagten am Tatort platzierten, um eine falsche Fährte zu legen. Befeuert wurde dieser Verdacht noch wegen eines anonymen Briefes, der bei Gericht eingegangen war. Darin bezichtigt der Schreiber die Ex-Freundin des Angeklagten, eine »Intrige« gegen den Wetterauer geschmiedet zu haben, um zu vertuschen, dass sie »krankhafte sexuelle Spiele mit anderen Kerlen« unterhalte. Die Beziehung habe die 28-Jährige nur vorgegaukelt, weil sie Geld gebraucht habe. »Er hat ihr und dem Kind alles gezahlt.« Richtberg ergänzte, dass die Familie des Opfers nichts von der Beziehung habe wissen dürfen. Allerdings stand kurz nach der Brandstiftung die Einschulung der Tochter der Ranstädterin bevor. Zu diesem Ereignis wären auch die Eltern des Angeklagten gekommen und alles aufgeflogen. Aus diesem Grund habe die Frau sich seines Mandanten entledigen müssen. Die so Beschuldigte bezeichnete sämtliche Vorwürfe als »falsch«. Freunde ihres Ex-Partners hätten »diesen ganzen Mist« verfasst.

 

Richterin hält Komplott für absurd

Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze hielt die Möglichkeit eines Komplotts ebenfalls für »absurd«. Zwar hatten Zeugen beobachtet, dass der Wetterauer immer wieder vor dem Haus des Opfers aufgetaucht war und dort auch »randaliert« hatte. Aber niemand habe wissen können, dass der Wetterauer just an jenem Sommertag die Bank hochkant vor die Tür stellen würde, betonte die Richterin. Zuvor hatte ein Gutachter für Brandursachenforschung erläutert, es sei durchaus möglich, dass schlicht Brandschutt auf die Zigaretten gefallen sei und so verhindert haben könnte, dass diese komplett verbrannten.

 

Geständnis bei der Polizei

Enders-Kunze unterstrich, dass der Angeklagte bei der Polizei zudem bereits ein Geständnis abgelegt hatte. Dort gab er zu, mit seinen Zigaretten die Sitzkissen der Bank angezündet zu haben. Allerdings habe der Mann von einem »Zwiespalt« gesprochen. Er habe »gewollt, dass die Bank irgendwie brennt, aber nicht das ganze Haus abfackelt«. Deshalb war die Kammer auch nicht von einer Tötungsabsicht des Beschuldigten ausgegangen. Außerdem habe er während der Beziehung schon »hundertfach« Todesdrohungen ausgestoßen, ohne dass dem etwas gefolgt wäre. Gleichwohl hätten die Flammen von der Haustür rasch auf den hölzernen Dachstuhl übergreifen und das ganze Gebäude in Brand setzen können, wenn Zeugen nicht so schnell die Feuerwehr alarmiert hätten, sagte die Vorsitzende in Richtung des mehrfach vorbestraften Ortenbergers.

Der wird einen Großteil seiner Haftzeit in einer Entzugsklinik verbringen. Laut einem medizinischen Gutachter ist er zwar drogen- und alkoholabhängig, war aber am Tattag »nicht erheblich in seiner Schuldfähigkeit beeinträchtigt«.

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