08. Juli 2018, 18:00 Uhr

Wochenmarkt

Geselligkeit vorm Marktstand in Wöllstadt

Marktmeister Norbert Schön aus Wöllstadt sagt: »Erst nach fünf Jahren wird ein Wochenmarkt zum Selbstläufer«. Er weiß, worauf es bei Märkten ankommt und warum sie ein gutes Mittel gegen Einsamkeit sind. Sie sind nämlich mehr als Gemüse, Wurst und Apfelkuchen.
08. Juli 2018, 18:00 Uhr
Treffen sich in geselliger Runde auf dem Wöllstädter Wochenmarkt (v.l.) Emmy Bruhn, Otmar Schultheis, Marianne Bühner, Joachim Schnabel, Alfred Kunzert und Rosemarie Luther.

Am Ende des 20. Jahrhunderts waren die Wochenmärkte fast ausgestorben. In der Wetterau blieb nur in Friedberg die Budenzeile an der Kaiserstraße eine wichtige wirtschaftliche und soziale Instanz. Dass nach dem Jahr 2000 in anderen Wetterauer Orten wieder Märkte stattfinden, ist auch Christina Schön aus Rosbach zu verdanken. Die Landwirtin schlenderte damals mit ihrem Mann Norbert über den Friedberger Markt – und entdeckte dort ihre eigenen Mirabellen. Sie hatte die einem Händler günstig überlassen – und der brachte die Früchte mit gutem Verdienst an die Leute.

 

Zum Selbstläufer geworden

 

So etwas könne man doch auch selbst machen, war der Gedanke von Christina Schön. Mit Unterstützung der Stadt Rosbach und der Agenda-Gruppe rief sie den Rosbacher Freitagsmarkt zwischen der Reichwein-Halle und dem Rewe-Markt ins Leben. Der ist jetzt ein Selbstläufer und wird weitgehend von den Marktbeschickern selbst organisiert, berichtet Norbert Schön. Der ehemalige Bademeister verkauft dort mit seiner Gattin Christina Waffeln und Apfelwein. Und organisiert auch in Bad Vilbel, Florstadt und Wöllstadt Wochenmärkte.

 

Fulminantes Interesse

 

In Nieder-Wöllstadt ist die Wagenburg der Bäcker, Metzger, Gemüse- und Feinkosthändler vor genau drei Jahren zum ersten Mal aufgefahren. Seitdem gibt es auf dem Parkplatz neben dem Bürgerhaus jeden Mittwoch zwischen 13 und 19 Uhr gesunde Lebensmittel aus der Region. Das Interesse war fulminant, berichten Bürgermeister Adrian Roskoni und Norbert Schön unisono. Allerdings kamen im dritten Jahr weniger Besucher, und der Fischhändler und der Käsestand blieben ebenfalls weg. So ein Auf und Ab sei normal, meint Norbert Schön. Erst nach etwa fünf Jahren sei ein Wochenmarkt etabliert. Bald werde man in Wöllstadt wieder Fisch und Käse kaufen können. Wichtig sei, dass man hier gemütlich sitzen und sich bei einem Kaffee, Apfelwein oder einem Glas Wein mit den Bekannten unterhalten könne, die man beim Einkaufen trifft.

 

Schwiegereltern helfen mit

 

Am späteren Nachmittag werde der gesellige Aspekt immer stärker, hat Norbert Schön beobachtet. In Wöllstadt treffen sich dann zum Beispiel die »Marktplatzgänse« – eine Gruppe gestandener Damen – an ihrem Steh-Stammtisch neben dem Verkaufswagen von Joachim Schnabel. Der 41-jährige Kelterer und Hofladenbetreiber aus Nieder-Wöllstadt versorgt die Damen mit Gespritztem und Apfelsecco – und verschenkt Kostproben des neuesten Apfeljahrgangs. »Ich mache das hier unheimlich gern«, sagt der Marktbeschicker. Manchmal müssten ihm sogar die Schwiegereltern beim Verkaufen helfen. Die Monate mit dem besten Umsatz seien für ihn der September und Oktober, wenn der Süße reif ist.

 

Vereine willkommen

 

Um den Nutzwert des Wöllstädter Marktes zu verbessern, hat Marktmeister Schön einen weiteren Verpflegungsstand organisiert. Zusätzlich zum Imbiss von Gerd Kaiser aus Büdingen versorgt nun auch Familie Breidenbach aus Ober-Wöllstadt die Gäste mit warmem Essen. Am Jubiläums-Mittwoch gab es zum Beispiel Reibekuchen mit Kräuterquark. Ärgerlich findet Schön nur, dass durch Wöllstadt das Gerücht wabere, er wolle keine Infostände von Vereinen auf dem Wochenmarkt haben. »Das Gegenteil ist der Fall«, bekräftigt der 69-Jährige. Schließlich würden die Vereine den Markt noch viel beliebter machen. Was dort gerade los ist, kann man immer auf der Facebookseite »Regionaler Wochenmarkt Nieder Wöllstadt« nachlesen.

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