24. August 2018, 05:00 Uhr

Seltener Vogel

Geier über dem Wetteraukreis gesichtet

Fast drei Meter Spannweite hat der mächtige Mönchsgeier, der dieser Tage über Gedern kreist. Woher kommt der Aasfresser, und was treibt ihn in die Wetterau?
24. August 2018, 05:00 Uhr

Von Eva Diehl , 1 Kommentar
Ein Mönchsgeier auf einer Wiese an der Bundestraße bei Gedern. (Foto: T. Sacher)

Stefan Stübing ist am Montagmorgen kurz hinter Gedern mit dem Auto unterwegs, als er aus dem Augenwinkel etwas Großes, Dunkles neben der Straße sieht. Obwohl er spät dran ist zu einem beruflichen Termin, lenkt der Vogelkundler seinen Wagen auf den nächsten Feldweg. »Ich wusste sofort, das ist etwas Außergewöhnliches«, sagt er. Und er hatte recht. Mit bis zu drei Metern Spannweite ist es einer der größten Greifvögel Europas, der zudem noch nie in Hessen gesehen wurde: ein Mönchsgeier.

Der Gutachter von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz zückt sogleich sein Telefon. »Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, seltene Sichtungen von anderen Beobachtern absichern zu lassen«, sagt er. Und außerdem: »Befreundete Kollegen rufen sich bei einem solchen Highlight auch wegen dem Spaß an.«

Wir vermuten, dass der Mönchsgeier aus Spanien oder vom Balkan stammt

Stefan Stübing, Vogelkundler

Innerhalb kürzester Zeit sind sechs Ornithologen mit Ferngläsern und Kameras an der Bundesstraße, um den rund 150 Meter entfernten Greifvogel zu sehen. Darunter die Vogelkundler Thomas Sacher und Cedric Kleinert, die in der Nähe wohnen. Nach rund einer Stunde ist das Spektakel allerdings vorbei; der freilaufende Hund eines Spaziergängers verscheucht den Geier. »Hätte das Tier länger gesessen, wären sicherlich an die Hundert Vogelfans aufgetaucht«, sagt Stübing. Hoch kreisend zieht der seltene Gast jedoch in Richtung Kinzigtal davon. Was wollte der Vogel hier, und woher ist er gekommen?

 

Ist der Vogel noch hier?

»Wir vermuten, dass der Mönchsgeier aus Spanien oder vom Balkan stammt«, sagt Stübing. »Geier nutzen die Thermik und können so bei geeignetem Wetter mit geringem Energieaufwand sehr weit fliegen.« Innerhalb von zwei Tagen könnten sie ganz Deutschland überqueren. Einen Ring, eine Flügelmarke oder eine andere Markierung haben die Ornithologen am Gederner Geier nicht gesehen. Deshalb sind sie sicher, dass der Vogel nicht bei einem Falkner ausgebüchst ist.

Ein Mönchsgeier auf einer Wiese an der Bundestraße bei Gedern.
Ein Mönchsgeier auf einer Wiese an der Bundestraße bei Gedern.

Der Gederner Geier ist Jungvogel, wie die Vogelkundler anhand des Gefieders feststellen. »In diesem Alter streifen die Tiere bei Erkundungsflügen weit umher«, sagt Stübing. Dieser Geier habe wohl Sommerurlaub in der Wetterau gemacht. Immer wieder seien auch Gänsegeier aus Frankreich in Hessen zu Gast.

Seit Montag ist der Mönchsgeier nicht mehr gesehen worden – zumindest seien keine Meldungen bei der Online-Plattform ornitho.de eingegangen, sagt Stübing. »Geier finden hier wenig geeignete Nahrung.« Ein überfahrener Hase oder ein verendetes Reh reichten nicht aus – auch wenn Mönchsgeier gelegentlich jagten. Bei der aktuellen Hitze könne der Vogel mit Aufwinden problemlos zurück nach Südeuropa fliegen. Das heißt auch: Weitere Gäste könnten einen Ausflug in die Wetterau unternehmen.

Info

Mönchsgeier

Mönchsgeier (Aegypius monachus) sind die zweitgrößten Greifvögel Europas. Die Vögel wiegen bis zu zwölf Kilogramm, sind bis zu einem Meter lang und haben eine Flügelspannweite von bis zu drei Metern. Mönchsgeier kommen in Südeuropa und Zentralasien vor. Populationen gibt es etwa in Spanien, der Türkei und auf dem Balkan. Mönchsgeier ernähren sich vor allem von Aas, jagen aber gelegentlich auch kleine Säugetiere.

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