Die einen ärgern sich über die »Wildwestparker« und fordern mehr Durchgreifen seitens der städtischen Ordnungsbehörde. Die anderen kritisieren das Ordnungsamt wegen zu kleinlicher Auslegung der gesetzlichen Vorschriften. Bürgermeister Thomas Alber und die zuständigen Mitarbeiter im Rathaus haben es nicht leicht, es allen Bürgern recht zu machen.

Klaus Jacobi, der für die Wählergruppe SALZ im Stadtparlament sitzt, meint, es sei höchste Zeit für ein strikteres Durchgreifen, um die Rosbacher Gehwege frei von parkenden Fahrzeugen zu halten. »Wir sollten alle einmal darüber nachdenken, dass auch wir vielleicht eines Tages auf Gehhilfen oder einen Rollator angewiesen sein könnten. Und dann? Runter vom Bürgersteig und mitten auf der Straße laufen?«, fragt er. Jacobi zeigt ein Foto, das Anfang Juli in der Ober-Rosbacher Jahnstraße aufgenommen worden sein soll. Ein rotes Auto steht dort quer über den gesamten Gehweg. »Es stand fast den ganzen Tag so, obwohl ich schon morgens bei der Verwaltung mehrmals telefonisch darauf hingewiesen habe«, sagt der Kommunalpolitiker.

Ob in Bahnhofsnähe oder auf der Fahrtroute der Buslinie FB-33 entlang der Friedberger/Homburger Straße – an vielen Stellen blockierten Falschparker den Straßenverkehr oder behinderten Fußgänger auf den Gehwegen. Eine Vorsprache im Ordnungsamt habe nichts genützt. Die Behörde sei unterbesetzt und völlig überlastet, befand Jacobi in einem Antrag 2016.

Laut Bürgermeister Thomas Alber hat man im Rathaus die Beschwerden aus der Bürgerschaft zum Anlass genommen, um in den vergangenen vier Jahren insbesondere auch das Gehwegparken zu unterbinden. Das habe sich nach erstem Unverständnis der Fahrer in vielen Straßen im Stadtgebiet – etwa in der Preulgasse oder Kurt-Schumacher-Straße – eingespielt. »Das Ordnungswesen ist in der Bevölkerung nie populär, aber da müssen wir durch«, sagt er. Ab August werde eine weitere Stelle besetzt, sodass die Stadt dann auf einen stärkeren Außendienst zurückgreifen kann.

Knöllchen-Ärger

Andere bekommen Knöllchen – auch, wenn sie das nicht verstehen können. So wie Johanna Siener-Blöcher aus der Baidergasse. Die Straße vor ihrer Haustür wird derzeit grundsaniert, die einst eingezeichneten Parkplätze sind nicht nutzbar. Die Häuser seien nur fußläufig erreichbar, was für ihren schwer gehbehinderten Ehemann ohnehin mit großen Schwierigkeiten verbunden sei. Kürzlich parkte sie ihren Wagen auf dem nahe gelegenen Behindertenparkplatz an der Homburger Straße und legte den Schwerbehindertenausweis hinter die Windschutzscheibe. Am nächsten Tag fand sie einen Strafzettel über 35 Euro vor. Denn in ihrem Schwerbehindertenausweis fehlt das Merkzeichen aG für Personen mit außergewöhnlicher Gehbehinderung. Eine Aufstockung von 60 auf 100 Prozent sei beim Hessischen Amt für Versorgung in Gießen noch in Bearbeitung.

Siener-Blöcher beschwerte sich beim Ordnungsamt – ohne Erfolg. Die Stadt schaffe durch den Straßenbau stark einschränkende Ausnahmesituationen, gewähre den Anwohnern aber keinerlei Spielraum, ärgert sie sich. »Da können wir leider kein Auge zudrücken«, sagt Frauke Stock aus dem Rosbacher Ordnungsamt. Das sei nun mal die gesetzliche Regelung, Ausnahmen könne man im Zuge der Gleichbehandlung nicht machen. »Wo soll man da anfangen?«

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