21. Oktober 2018, 18:57 Uhr

Frösche, Seepferde, Jungfrauen

21. Oktober 2018, 18:57 Uhr
Schauspielerin Lili Schwethelm und Gitarrist Georg Crostewitz sorgen für literarisch-musikalische Unterhaltung. (Foto: im)

Einen großen Coup haben die Reichelsheimer »Frauen mittendrin« mit der Oktoberausgabe ihrer Reihe »RomanTisch« gelandet: Kein Platz war mehr frei im Hotel-Restaurant Schloss Ysenburg in Staden. Der von Wasser umgebene Ort gab die ideale Kulisse ab für eine literarisch-musikalische-kulinarische Reise zu den Ufern von Seen, Ozeanen, Flüssen und heimischen Badeanstalten.

Die Ortenberger Schauspielerin und Regisseurin Lilli Schwethelm übernahm den literarischen Part – mit kurzweiligen, szenisch und witzig vorgetragenen »Wassergeschichten« aus Werken von Goethe und Joachim Ringelnatz, Heinz Erhardt, Siegfried Lenz und Michail Sostschenko. Musikalisch umspült wurde sie von ihrem langjährigen Partner, dem Ortenberger Gitarristen, Sänger, Komponisten und Bandleader Georg Crostewitz. Mit Musik zwischen Jazz, Chanson und Romantik griff er die Themen Wasser, Leben und Liebe mit Songs wie »Ipanema«, »La Mer«, »Greensleves« und »Michelle« auf.

Von Goethe bis Erhardt

Für kulinarischen Genuss sorgte das Team des Restaurants Schloss Ysenburg, das in der Bewirtung engagiert von den »Frauen mittendrin« unterstützt wurde. Zwischen Brunnenkressesüppchen und einem Dessert mit Wassermelone und Mousse schlug die große Stunde des Wasservogels. Passend zum Thema kam saftige Entenkeule mit Knödeln und Rotkraut als Hauptgang auf den Tisch.

»Des Menschen Seele gleicht dem Wasser: Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es und wieder nieder zur Erde muss es, ewig wechselnd«, zitierte Schwethelm zum Auftakt aus Goethes Gedicht »Gesang der Geister über den Wassern«. Der literarische Reigen umfasste die Liebe zwischen Seepferdchen von Ringelnatz, ebenso wie die tragische Begegnung des Fischers mit einer Flöte spielenden Seejungfrau. In Anlehnung an ein Goethe-Gedicht hatte Heinz Erhardt das so beschrieben: »Das Meer ist angefüllt mit Wasser und unten ist’s besonders tief. Am Strande dieses Meeres saß er, das heißt, er lag, weil er ja schlief… Da plötzlich teilten sich die Fluten, und eine Jungfrau trat herfür. Auf einer Flöte tat sie tuten, das war kein schöner Zug von ihr.« Ebenso kam Ringelnatz heimatloses Meer-Schweinchen im heimischen Wasserkasten zu Recht, Goethes »Frösche« taten im eisigen Winter ihr Gelübde, im Sommer wie die Nachtigallen zu singen, und das Rätsel »Unter Wasser Bläschen machen« mag viele Gäste an die Kindheit und lustige Wasserexperimente in der Badewanne erinnert haben.

Ebenfalls auf den Bühne: Die Erzählung vom »rasenden Schuster« Karl Kuckuck, der in einem Schwimmwettbewerb mit dem Flussfischer Valentin Zoppek urplötzlich zu sportlichen Höchstleistungen aufläuft – verfolgt und angetrieben von einem schwimmenden Pferdeapfel. Abgerundet wurde der Vortrag durch einen Besuch in einem russischen Bad, beschrieben von dem Satiriker Michail Sostschenko, der in Deutschland durch seinen Geschichtenband »Schlaf schneller, Genosse« bekannt wurde und als russisch-ukrainischer Tucholsky gilt. Den Kampf mit glitschiger Seife, engen Becken, rutschender Badebekleidung und vergessenen Hosen mag in der einen oder anderen Form schon mancher miterlebt haben.

Begeisterter Applaus belohnte die Vortragenden, das Küchenteam und die »Frauen mittendrin« für einen stimmungsvollen, gelungenen Abend. Abschließend überreichte Organisatorin Karin Lauer den Künstlern einen Band mit Wassermärchen als weitere Fundgrube für ihr ohnehin schon breites Repertoire.

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