16. August 2018, 21:01 Uhr

»Es muss noch mehr getan werden«

16. August 2018, 21:01 Uhr
Vier Finalistas aus dem Dorf Bofareira freuen sich mit Carmen Stengel über ihre neuen Schulrucksäcke. (Foto: pv)

Gegen Kinder- und Jugendarmut auf den Kapverdischen Inseln setzen sich die Mitglieder des Vereins »Help for Boa Vista« ein, die Anfang Mai einen Container mit Sachspenden verschifft hatten. Der Verein bekam seinen Namen von der Insel Boa Vista, wo die Not der Bevölkerung, insbesondere unter Kindern, sehr groß ist. Das Butzbacher Ehepaar Carmen und Andreas Stengel, die beiden Vereinsvorsitzenden, reisten kürzlich nach Sal Rei, der Hauptstadt von Boa Vista, um die Verteilung der Spenden direkt vor Ort selbst vorzunehmen. Mit vielen neuen Eindrücken im Gepäck kehrten sie jetzt zurück und berichteten über die Hilfsaktion des Vereins.

Durch die vielseitige finanzielle Unterstützung zahlreicher Spender und der Organisation »Ein Herz für Kinder« konnten sie elf Kindergärten mit 46 Schlafmatratzen ausstatten. Zudem bekamen die dortigen Schulanfänger, die »Finalistas«, Schulmaterial, Schulranzen und die zugehörigen Schuluniformen.

Auf verdreckten Matratzen

Das vor Ort lebende Vereinsmitglied Birte Stahlhuth erleichterte mit ihren Kontakten die Hilfsaktion. Auf ihrer »Inselrundfahrt«, die sie teilweise auf der Ladefläche eines LKWs verbrachten, wurde dem Ehepaar Stengel deutlich, dass viele Brennpunkte noch weitere Unterstützung benötigen. »Hier muss unbedingt etwas getan werden«, resümiert Carmen Stengel.

Kinder liegen auf verdreckten Matratzen, Decken und Matten auf dem Boden oder verbringen ihren Mittagsschlaf in den Kindergärten in ihren Buggys. Asbestbelastete Dächer eines Kindergartens könnten dessen Schließung bedeuten. Die bestehende extreme Trockenheit nimmt den Einwohnern eine weitere Einnahmequelle. Die Herstellung von Ziegenkäse, ein wichtiger Ernährungsaspekt und Einnahmemöglichkeit für die Ziegenbauern, ist durch das wenige Nahrungsangebot gefährdet. »Die Milch reicht kaum für die Zieglein; es müssen sogar Tiere geschlachtet werden«, sagte Birte Stahlhuth.

Ein Blick in die Krankenhäuser zeigte ein Defizit an medizinischer Ausstattung wie Röntgen- oder Ultraschallgeräte. »Wir würden gerne Sachspenden auf die Insel bringen, die einen angemessenen Schulunterricht erlauben, wie Tische, Tafeln, Stühle und Gebrauchsmaterial«, sagte Carmen Stengel.

Für den Verein bedankte sie sich für die Spenden aus der Region und bat um weitere Unterstützung. Bei einer Benefizveranstaltung am 24. August um 20 Uhr in der Buchhandlung Bindernagel in Butzbach liest Krimi-Autor Tim Frühling aus seinem Buch »Der Kommissar mit Sonnenbrand«. Die Einnahmen gehen an den Verein.

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