09. August 2017, 05:00 Uhr

Ayurvedischer Kochkurs

Ernährung als Therapie mit indischer Vollkost

Es riecht nach indischen Gewürzen, und außerdem ist das Essen auch noch sehr gesund: Beim ayurvedischen Kochkurs im »Mini Asia« kommt Vollwertkost auf den Tisch.
09. August 2017, 05:00 Uhr
Den Teilnehmern des Kochkurses läuft das Wasser im Mund zusammen. (Foto: doe)

Später Samstagnachmittag, im »Mini Asia« in der Bad Nauheimer Hauptstraße drängen sich zehn Neugierige vor dem Verkaufstresen. Sie schauen Sunita Arenja zu, die in einer tiefen Pfanne Ghee (indisches Butterschmalz) erhitzt, um Kreuzkümmel, Königskümmel und Asafoetida anzurösten. Schon bald ziehen Wohlgerüche durch den kleinen Verkaufsraum.

Gemeinsam mit ihrem Mann Ravi verkauft Sunita Arenja seit Jahren »The Royal Taste of India«: ausgewählte indische und asiatische Lebensmittel, Gewürze, Pasten und Saucen. Der Mittagstisch mit immer drei unterschiedlichen Gerichten, darunter mindestens einem veganen, erfreut sich großer Beliebtheit, die regelmäßigen indischen Kochkurse sind ausgebucht.

Zusammenarbeit mit Heilpraktikerin

Für den Ayurvedischen Kochkurs an diesem Samstag haben Arenjas sich mit Heilpraktikerin Géraldine Wallaschkowski zusammengetan. Sie setzt in ihrer Praxis auf ganzheitliche Zusammenhänge von Beschwerden und naturheilkundliche Therapieverfahren. Eines davon ist Ayurveda, die »Wissenschaft des Lebens«, das Jahrtausende alte Medizinsystem Indiens. Es weist der Ernährung einen therapeutischen Einfluss auf den Gesundheitszustand zu.

Auf der Basis der fünf Urelemente Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther werden drei menschliche Lebensenergien, Dosas genannt, unterschieden: das Bewegungsprinzip Vata (Wind, Luft und Äther), das Feuer- bzw. Stoffwechselprinzip Pitta (Feuer und Wasser) und das Strukturprinzip Kapha (Erde und Wasser), außerdem zwanzig prägende, als Gegensatzpaare organisierte Eigenschaften (schwer/leicht, glatt/rau, klar/schleimig etc.) sowie die sechs Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer, bitter, zusammenziehend, scharf, denen sich jeweils bestimmte Lebensmittel zuordnen lassen.

»Ziel der Ernährungslehre ist die Harmonie der drei Lebensenergien im Körper. Deshalb werden die Gewürze in der ayurvedischen Vollwertkost viel dezenter dosiert als in der indischen Küche. Auf Fleisch wird weitgehend verzichtet«, erläutert die Ayurveda-Spezialistin.

 

Fünf Urelemente im Topf

 

Für den ayurvedischen Kochkurs haben Arenjas und Wallaschkowski einige traditionelle indische Gerichte angepasst. Sunita Arenja gibt nun eine Ingwer-Knoblauch-Mischung und in Streifen geschnittene Zwiebeln in die Pfanne, danach weitere Gewürze und Bockshornblätter, schließlich nacheinander kleingeschnittene Kartoffeln, Tomaten und Blumenkohlröschen.

Während das Gericht schmort, werden Linsen in würziger Sauce zubereitet, die später mit Basmati-Reis serviert werden. Christian Dietz, der zuvor Gewürze im Mörser zerkleinert hat, darf probieren und empfiehlt eine kleine Dosis Salz. Er ist mit einer Inderin verheiratet, kennt Arenjas von einem indischen Kochkurs und ist heute mit Bruder Steffen und Freund Falco Fliegenschmidt da, der sich speziell für die ayurvedische Küche interessiert. Manche der sehr speziellen Gewürze und Gewürzmischungen, die Ravi Arenja zum Kosten herumreicht, kennt Fliegenschmidt schon, hat daheim eine Kaffee- zur Gewürzmühle umfunktioniert.

Verzicht auf Zwischenmahlzeiten

Marcyanna Norkowski aus Friedberg lebt vegan, kocht gerne und frisch. »Das passt prima«, freut sich Géraldine Wallaschkowski, denn als übergeordnete Ernährungsprinzipien propagiert auch die ayurvedische Küche eine hochwertige, frisch gekochte und »mit Liebe zubereitete« Nahrung sowie leicht verdauliche, warme Speisen. Empfohlen werden allerdings maximal drei Hauptmahlzeiten, der Verzicht auf Zwischenmahlzeiten sowie auf Süßes (»Nachtisch gibt es heute natürlich keinen!«) und vor allem eine 14-stündige Nahrungskarenz zwischen Abendessen und Frühstück.

Das Essen ist fertig, die Theorie rückt in den Hintergrund. »Superlecker« schmeckt es, keine(r) verzichtet auf Nachschlag. Bald sind die Schüsseln leer, die Fachsimpelei aber geht weiter. Erst mit drei Stunden Verspätung schließen die Arenjas ihren Laden ab.

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