11. September 2018, 08:00 Uhr

Kita-Umzug

Erfrischende Mitbewohner: Kinder wohnen im Seniorenheim

In Bad Nauheim hat eine Kita vorübergehend in einem Seniorenheim ihr Zuhause gefunden. Viel Grund zur Freude also – wenn man von einer Ausnahme absieht.
11. September 2018, 08:00 Uhr
Elisabethhaus-Bewohner Hubertus Rudewill freut sich über die Kindergartenkinder, die zeitweise im Erdgeschoss des Hauses, in dem er wohnt, untergebracht sind. (Foto: esa)

Rund um das Diakoniewerk Elisabethhaus in Bad Nauheim ist es idyllisch. Der Gesundheitsgarten direkt nebenan, der Südpark auf der anderen Straßenseite. Hier findet man schnell Ruhe und Entspannung. Nur am Ende des östlichen Geländes ist es seit einigen Tagen etwas lauter. Im leerstehenden Erdgeschoss ist die Kita »An der Christuskirche« aus Nieder-Mörlen eingezogen – allerdings nur provisorisch. Ein Wasserschaden in den heimischen Wänden zwang die Stadt zu Renovierungsarbeiten, die wohl bis November andauern werden, und die Einrichtung zum Umzug auf Zeit (die WZ berichtete).

 

Lärmschutz nicht für Kita ausgelegt

Stefan Fuchs, Leiter des Elisabethhauses, zögerte nicht lange und stellte die Räume für die über 90 Kinder zur Verfügung. »Uns freut es, dass wir hier zu einer schnellen Lösung beitragen konnten. Und ich bin mir sicher, dass auch unsere Bewohner sich über den Besuch freuen«, sagt Fuchs. Das Wort auf der Straße klingt bisweilen etwas negativer. Eigentlich, so sollte man meinen, hat das Zusammenleben von Jung und Alt in dieser Form nur Vorteile. Doch der gestiegene Lärmpegel, den Kinder nun mal mit sich bringen, ist wohl nicht Jedermanns Sache. Vor Ort wird zumindest ein Grund schnell klar. »Der Schallschutz hier ist nicht auf einen Kindergarten ausgelegt«, erklärt Kita-Leiterin Evelin Langensiepen. In diesem Moment kommt eine Bewohnerin des dritten Stocks hinzu. »Es ist schon extrem laut. Wenn die Kinder rennen, vibriert es überall«, sagt sie, fügt aber an, dass sie ein gutes Gehör und nichts gegen die Kita im Erdgeschoss habe. Langensiepen zeigt Verständnis und erklärt der Frau, dass man mit Teppichen und Stoffen auf dem Boden versuche, den Lärm zu reduzieren

Sie können mal davon ausgehen, dass ich es großartig finde, dass die Kinder hier sind

Seniorenheim-Bewohner Hubertus Rudewill

Wenig später kommt Hubertus Rudewill, 81 Jahre, um die Ecke. Auch er wohnt im dritten Stock. »Sie können mal davon ausgehen, dass ich es großartig finde, dass die Kinder hier sind. Und das Gros der Bewohner hier sieht das auch so«, sagt er. In seiner Wohnung bekomme er von der Geräuschkulisse nichts mit, »aber es ist schön, das rege Treiben zu beobachten, wenn man vom Balkon runterschaut«.

Auch von anderen Bewohnern habe sie positive Rückmeldungen bekommen, sagt Langensiepen. »Als erstes haben wir die dunklen Vorhänge beseitigt. Sofort kam eine Dame und sagte, wie schön es doch sei, dass hier wieder Licht reinkomme.« Zum morgendlichen Singkreis der Kinder haben die Bewohner des Hauses kürzlich eine Einladung erhalten. Rudewill hat den Termin entschuldigt verpasst, will beim nächsten Mal aber unbedingt dabei sein. Umgekehrt hat er auch schon eine Einladung ausgesprochen: »Ich bin von Beruf Salzsieder. Die Vorschulkinder bekommen am Gradierwerk eine Vorführung von mir.«

Der Umzug hat auch einen gewissen Luxus mit sich gebracht: »Wenn wir aus Nieder-Mörlen irgendwo hin wollen, müssen wir immer mit dem Bus fahren. Hier haben wir alles vor der Haustür«, sagt Langensiepen. Fest steht: Das Zusammenleben zwischen Jung und Alt ist im Elisabethhaus absolut harmonisch. Schon jetzt fragt man sich, wie dick die Tränen sein werden, wenn es wieder zurück in die eigentliche Heimat geht.

Info

Wasserschaden in der Küche

Der Grund für den Umzug der Kita »An der Christuskirche« in Nieder-Mörlen ist ein Wasserschaden im Kita-Gebäude. Schon im Dezember war dieser im Küchenbereich aufgetreten, aber zunächst nicht bemerkt worden. Das Wasser breitete sich in den folgenden Wochen unter dem Estrich bis in den Eingangs- und Aufenthaltsbereich aus. Nachdem sich der Kunststoffboden gewölbt hatte, wurde das Ausmaß des Schadens sichtbar. Dabei stellte sich heraus, dass der nasse Untergrund nicht einfach trocken gelegt werden kann, sondern großflächige Abbruch-und Baumaßnahmen notwendig sind. Diese dauern nun bis vorraussichtlich November. Die Kosten liegen vermutlich im sechsstelligen Bereich und waren nicht im städtischen Haushalt eingeplant. (pm)

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