05. Januar 2018, 10:05 Uhr

Viel Alkohol im Spiel

Er prügelte seine Affäre krankenhausreif: 38-Jähriger bleibt länger im Gefängnis

Ein Jahr und sieben Monate Gefängnis hat sich ein 38-jähriger Kleinkrimineller eingehandelt – wegen Straftaten im Zusammenhang mit einer kurzen Liebesbeziehung und jeder Menge Alkohol.
05. Januar 2018, 10:05 Uhr
Der Alkohol brachte sie zusammen – und wieder auseinander: Weil er seine Affäre im Suff mehrfach verprügelte, sitzt ein 38-Jähriger nun länger im Gefängnis. (Foto: dpa)

Das Drama begann Weihnachten 2016 in einer Friedberger Kneipe. Am 24. Dezember trafen der heute 38-Jährige und die zehn Jahre ältere Friedbergerin zufällig aufeinander. Er verheiratet und Vater von zwei minderjährigen Kindern; sie Mutter von zwei erwachsenen Söhne. Die gemeinsame Neigung zu Alkohol und Sex brachte sie dennoch zusammen. Einen knappen Monat dauerte das Liebesglück zwischen dem ungleichen Paar, dann gestand er ihr eines Abends, dass er dringend in sein Heimatland müsse: Wegen eines Haftbefehls zum Antritt einer dreijährigen Gefängnisstrafe müsse er sich einen neuen Pass und eine neue Identität besorgen.

Große Pläne also. Doch auch dieser Abend endete im Nirwana von Alkohol, Drogen und Träumen. Irgendwann kam es nämlich zu einem Streit, der mit Handgreiflichkeiten, Beschimpfungen wie »dreckige Hure« und »Schlampe« und dem Rausschmiss des Angeklagten aus der Wohnung der 48-Jährigen endete.

Auf dem Weg nach draußen soll er dann 100 Euro und ein Handy eingesteckt haben, woraufhin sie ihn wegen Diebstahls anzeigte. Im Laufe der Gerichtsverhandlung räumte der Angeklagte ein, er habe damit seiner Noch-Ehefrau, die ihn kurz vor Weihnachten wegen Gewalttätigkeiten auf die Straße gesetzt hatte, eine Freude bereiten wollen.

Auch wenn dieser Wiedergutmachungsversuch bei seiner Ehefrau von keinem Erfolg gekrönt war –seine Annäherungsversuche bei der 48-Jährigen waren umso erfolgreicher: Sie nahm ihn nämlich nicht nur wieder auf, sondern begab sich mit ihm sogar auf den Weg ins Ausland, um die neuen Ausweise für ihn zu besorgen. Kurz vor der Grenze endete die Fahrt dann allerdings abrupt. Denn der Angeklagte verlangte spontan Sex im Auto, den sie aber ablehnte. Es kam zu Streit auf der Autobahn mit anschließenden Polizeieinsatz. Die Beamten bemerkten recht schnell, dass beide unter Alkoholeinwirkungen standen, nahmen ihr den Führerschein und das Auto ab und schickten beide in getrennten Zügen zurück nach Friedberg.

Dort kam es wenig später zur erneuten Versöhnung. Und auch die wurde wiederum mit viel Alkohol begossen. Und in ihrer Wohnung gab es den nächsten Streit.

Dieses Mal muss der Angeklagte fest zugeschlagen und getreten haben, denn die 48-Jährige wurde anschließend mit gebrochenem Kiefer, mehreren Prellungen (verteilt über den ganzen Körper) und sehr vielen Blutergüssen noch in der Nacht ins Krankenhaus eingeliefert.

Vor Gericht forderte die Staatsanwaltschaft unter Einbeziehung seiner verminderten Schuldfähigkeiten infolge des Alkohol- und Drogenkonsums ein Jahr und vier Monate Gefängnis. Wegen seiner vielen Vorstrafen sollte die Strafe aber nicht zur Bewährung ausgesetzt werden.

Richter gibt Opfer Mitschuld

Der Anwalt der Frau, die als Nebenklägerin auftrat, forderte eine wesentlich höhere Strafe, nämlich zwei Jahre und drei Monate. Weil er auch unter Alkohol und Drogen stets zielgerichtet vorgegangen und an den Rausch gewöhnt gewesen sei. Verteidigerin Sibylle Becker schätzte die Beziehung der beiden anders ein. Sie wollte für ihren Mandanten zwar keinen Freispruch, doch solle die Strafe angemessen sein und dem Entzug dienen.

Für Richter Dr. Bange waren die Verletzungen der Nebenklägerin ausschlaggebend für das Strafmaß. Ihm müssten auf diesem Weg seine Grenzen gezeigt werden. Allerdings sprach er auch dem Opfer eine gewisse Mitschuld zu, denn sie habe den Angeklagten immer wieder in ihre Wohnung gelassen.

Wegen gefährlicher Körperverletzung, Diebstahls, Nötigung und Beleidigung verurteilte er den 38-Jährigen zu einem Jahr und sieben Monaten Gefängnis. Dazu kommt eine dreimonatige Haftstrafe aus einem Vorverfahren. Da der Angeklagte momentan eine dreijährige Haft absitzt, wird diese um die zwei Jahre verlängert.

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