07. Februar 2019, 20:32 Uhr

Er lichtet den Literaturdschungel

07. Februar 2019, 20:32 Uhr
Zwischen Büchern fühlt er sich am wohlsten: Literaturkritiker Denis Scheck weiß, was sich zu lesen lohnt – und teilt dieses Wissen gern. (Foto: Seipp)

90 000 Bücher erscheinen in Deutschland, jedes Jahr. Da verliert man schnell den Überblick. Doch Denis Scheck, bekannter Literaturkritiker, weiß Rat. Er war nun zu Gast in Bad Vilbel und hat seinen aufmerksamen Zuhörern verraten, welche Werke sie sich auf keinen Fall entgehenlassen sollten.

»Von einem kann ich Ihnen direkt abraten«, stellt Literaturkritiker Denis Scheck bereits zu Anfang klar. »Einfach auf die ›Spiegel‹-Bestsellerliste schauen, bringt selten wirklich was.« Scheck muss es wissen: Seit seiner Jugend beschäftigt sich der 54-Jährige mit den Höhen und Tiefen der Literatur, durch seine Sendungen im SWR und in der ARD hat er sich den Ruf als wichtiger Literaturkritiker erarbeitet.

Einige seiner Buch-Schätze brachte er am Montagabend mit zu seinem Auftritt in der Bad Vilbeler Stadtbibliothek. »Alles mitzubringen, wäre gar nicht möglich, aber ich glaube, wir haben eine gute Auswahl getroffen«, kündigte der Teilzeit-Fernsehmoderator an.

Geheimtipps und mehr

Und da darf für Scheck vor allem ein ganz Großer nicht fehlen: Philip Roth. Seiner Meinung ist dieser einer der ganz großen Autoren der Gegenwart. »Daran sieht man auch, wie unbedeutend eigentlich der Literaturnobelpreis ist«, sagt Scheck. »Roth bekam nie einen. Macht aber nichts, für mich ist er der Literaturnobelpreisträger der Herzen.«

Und obwohl Roth im vergangenen Jahr starb, gibt es doch noch etwas Neues: »Zum ersten Mal finden sich vier seiner wichtigsten Werke in einem Buch«, freut sich Scheck. Ganz besonders sticht dabei ein Werk hervor: »Ein Leben als Sohn« heißt es. »Das ist für mich ganz große Literatur«, erklärt Scheck. Es geht um Roths Verhältnis zu seinem Vater, das ihn enorm geprägt hat. Der Kritiker befindet: »Eine ganz persönliche Geschichte, dabei hielt Roth nie etwas von Biografien.«

Ebenfalls enthalten ist ein Werk, dass auf Scheck, der auch als Übersetzer arbeitet, selbst enormen Einfluss hatte: »Portnoys Beschwerden«.

Ein anderer Geheimtipp ist David Schalkos »Schwere Knochen. »Es geht um eine Bande jugendlicher Kleinganoven die während des Anschlusses Österreichs die Wohnung eines Nazis ausrauben«, erzählt Scheck. Der ist alles andere als begeistert, nutzt die jüngst erworbene Macht und lässt die Kriminellen kurzum in die Konzentrationslager Dachau und Mauthausen verlegen.

»Dort werden sie zu Lagerältesten, überleben den Krieg und teilen nach Kriegsende die Unterwelt Wiens unter sich auf«, beschreibt der Literaturkritiker.

Bilderbücher für Erwachsene

Ganz besonders am Herzen liegt dem studierten Germanisten und Politikwissenschaftler aber auch eine in Deutschland kaum vorhandene Gattung: Bücher mit Bildern für Erwachsene. »Wir lernen mit Bildern lesen, als Erwachsene verschwinden die Bilder dann«, sagt Scheck. »Eigentlich traurig, denn es gibt da wirklich tolle Sachen.«

Eines davon ist Judith Kerrs »Geschöpfe«. Die Tochter Alfred Kerrs ist in Deutschland vor allem durch ihren Roman »Als Hitler das rosa Kaninchen stahl« bekannt, in ihrer Heimat England ist sie durch ihre Kinderbücher berühmt geworden.

»Hier finden sich tolle Geschichten, von denen ich wirklich nicht weiß, wieso sie in Deutschland nicht bekannter sind«, sagt Scheck. »Geschichten wie ›Der Tiger kommt zum Tee‹ verschönern die Autobiografie der heute 95-jährigen Autorin und machen sie zu etwas wirklich ganz Besonderem!«.

Für die Besucher, die an diesem Abend in die Stadtbibliothek gekommen sind, ist Scheck eine gute Orientierung. Auf der für alle Besucher ausliegenden Literaturliste hat sie sich bereits auch schon etwas unterstrichen: »Der Spaß an der Sache« von David Foster Wallace und Daniel Kehlmanns »Tyll«. »Das könnte etwas für mich sein«, sagt die 60-Jährige Angelika Schröder. »Das waren Bücher, die mir ohne heute Abend wohl durch den Radar gerutscht wären. Da hat sich das kommen doch schon gelohnt!«

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