07. November 2018, 19:21 Uhr

»Entwicklung auf Jahrzehnte blockiert«

07. November 2018, 19:21 Uhr

»Gerüchteweise sind bereits Abwanderungsabsichten von drei Ärzten zu vernehmen, einer hat dies bereits konkretisiert«, zeigte sich Bürgermeister Bertin Bischofsberger in der CDU-Hauptversammlung verärgert. Er kritisierte die ablehnende Haltung von SPD und FW gegenüber des Depant-Projekts zur weiteren Entwicklung des ehemaligen Raiffeisengeländes. Der Gießener Investor hatte daraufhin sein Kaufangebot für die Grundstücke zurückgezogen (die WZ berichtete). Die Stadt stehe vor einem Scherbenhaufen, sagte Bischofsberger. Seine Prognose: Die Entwicklung Reichelsheims werde dadurch auf Jahrzehnte blockiert. Depant wollte 32 Wohnungen inklusive Ärztepraxis errichten, auch ein Optiker und Café war geplant. Für Bischofsberger hat diese Entwicklung über die Ärzteversorgung hinaus weitreichende Folgen. »Wer hier zum Arzt geht, der kauft hier auch ein oder besorgt sich seine Medikamente in der Apotheke«; auch dieses Geschäft werde sich in umliegende Kommunen verlagern.

Bischofsberger erinnerte an das Zustandekommen des Konzepts. Seit rund drei Jahren arbeite man an einer Lösung, die insbesondere den Ärztestandort Reichelsheim sichern und erweitern sollte. Der Mietvertrag der ansässigen Ärzte laufe Ende 2019 aus, ein anderer Investor werde sich »angesichts der Qualität der Diskussionen vor Ort« nicht so leicht finden, und wenn, bestehe die Gefahr einer minderen Vermarktung. Die Stadt laufe Gefahr, »bis zu 600 000 Euro aus Steuergeldern draufzuzahlen«.

Bergwerksee in den Blick nehmen

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Holger Hachenburger hatte das Projekt zuvor verteidigt. »Neue Mitte heißt nun mal neu. Wir hatten den Mut, genau das zu machen, was alle Fraktionen seit Jahrzehnten in Sachen Stadtentwicklung propagiert haben.« Das Konzept sei modern und trage den Bedürfnissen der Reichelsheimer Bevölkerung Rechnung. »In die Röhre schauen jetzt nicht nur die Patienten, es wird zudem die Schaffung dringend benötigten Wohnraums in bester infrastruktureller Lage auf Eis gelegt oder verhindert«, sagte Hachenburger.

In ihren Rechenschaftsberichten gingen Fraktionsvorsitzender Dr. Erich Sehrt und Hachenburger auf aktuelle Themen ein. Mit Anträgen zu besseren Busverbindungen nach Blofeld oder zur Singbergschule in Wölfersheim, der Sanierung des Dorfbrunnens in Dorn-Assenheim, der Anschaffung von zusätzlichen Tempo-Displays oder dem Prüfauftrag zur Straßenbeitragssatzung habe die CDU die Agenda 2018 mitbestimmt. Anfragen zu Defiziten in der Breitbandversorgung oder die Verkehrsproblematik im Stadtgebiet hätten das Bild ergänzt, zudem seien Lösungen für eine ausreichende Versorgung mit Kita-Plätzen mit den verschiedenen Trägern ausgelotet worden. Hachenburger mahnte an, die Entwicklung des Bergwerksees endlich in Angriff zu nehmen. Primär seien hier nun die Fraktionen in der Pflicht.

In Anwesenheit des 2. Kreisbeigeordneten Matthias Walther fanden zudem Listenwahlen zum Kreisparteitag statt.

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