28. Juni 2018, 05:00 Uhr

Positives Denken

Einfache Techniken für mehr Optimismus

Wie lernt man positives Denken? Offenbar mit ganz einfachen Techniken, dieser Eindruck wurde zumindest bei einem VHS-Kurs in Friedberg vermittelt.
28. Juni 2018, 05:00 Uhr
Manchmal scheint alles schief zu gehen, die Welt auf dem Kopf zu stehen. Positives Denken soll dabei helfen, optimistisch nach vorne zu sehen und Probleme anzugehen. (Foto: dpa)

Seit Dale Carnegie Ende der 1940er Jahre mit seinem Buch »Sorge dich nicht – lebe!« zum Positiven Denken aufrief, haben Anleitungen für ein glückliches Leben Hochkonjunktur. Mit einfachen Techniken zur Selbstmotivation beschäftigten sich Teilnehmer des Volkshochschulkurses »Positiv denken – loslassen können – entspannt sein«. Die Kursteilnehmer haben ganz unterschiedliche Gründe, an dem VHS-Kurs teilzunehmen. Allen ist aber eins gemeinsam: Sie wollen ihr Leben ändern, raus aus der Talsohle, die sie gerade durchschreiten.

Der 54-jährige Klaus T. (alle Namen geändert) hat sein ganzes Leben lang Fahrzeuge einer hochpreisigen Marke verkauft. Mit dem Dieselskandal geriet seine Berufswelt aus den Fugen: Kunden kauften nicht mehr, sondern diskutierten nur noch. T. geriet in eine schwere Krise, wurde von Existenzängsten geplagt, rutschte in ein Burnout, verlor seinen Job. »Ich bin ein Automann«, umschreibt er seine Schwierigkeiten, einen anderen Beruf auszuüben. Vom Kurs erhofft er sich, zu alten Stärken zurückzufinden, um einen neuen Job im alten Metier unbelastet angehen zu können.

Krankheit und Probleme im Job

Horst F. (68) ist Rentner, seit er vor sechs Jahren »aus dem Job herausgemobbt wurde«. Diesen rigorosen Umgang mit ihm hat er bis heute nicht verwunden, immer wieder kreisen seine Gedanken um das Unrecht, dem er sich ausgeliefert fühlt(e). Er hat sich angemeldet, um seinen Kopf wieder freizubekommen.

Für Veronika T. (59) kam das Ungemach gleich von mehreren Seiten. Die Ehefrau und dreifache Mutter erlebte eine unschöne Situation am Arbeitsplatz parallel zu einer schweren Krankheit im privaten Kreis und der Verrentung ihres Mannes. Auf diese gleichzeitigen Herausforderungen reagierte sie mit Depressionen, ging in Behandlung. Eine gute Freundin schenkte ihr zum Geburtstag den Kursbesuch. »Ich bin gespannt, habe aber keine konkreten Erwartungen«, hob sie hervor.

Dorothea I. hat Probleme mit dem Loslassen. Die drei Söhne der 67-jährigen Rentnerin sind längst erwachsen, doch sie fühlt sich nach wie vor für deren Wohlergehen verantwortlich. »Ich bin wie ein Adler«, beschreibt sie ihre Versuche, die Lebenssituationen ihrer Söhne im Blick zu behalten. Der Kursbesuch ist Teil ihres Versuchs«, »mein Wohlergehen nicht mehr von den Kindern abhängig zu machen«.

Neuanfang misslungen

Elfriede P. hat mit 77 Jahren einen Neuanfang gewagt: Nach dem Tod ihres Mannes vor einem Jahr zog sie aus einer Großstadt in Baden-Württemberg ins beschauliche Bad Nauheim, kämpft nun aber mit Trauer und Einsamkeit, findet weder Kontakt noch Anschluss. Auch den Kurs wird sie vorzeitig verlassen: Ihre große Trauer hindert sie noch immer daran, sich mit anderen Gedanken zu beschäftigen.

Beatrix E. hat lange Jahre erfolgreich als Personalerin gearbeitet, sich dabei auch eine harte Schale zugelegt. Die Geburt ihres Kindes veränderte ihr Leben: Die Ehe zerbrach, im neuen, familienfreundlichen Job im öffentlichen Dienst fühlt sie sich unwohl, unterfordert.

"Positives Tagebuch"

In den drei Stunden nach der Vorstellungsrunde haben die Kursteilnehmer einiges gehört über die Fähigkeit zur Selbstmotivation und die unbewusste Steuerung des Menschen durch »Glaubenssätze«. Referent Dr. Reinhard Müller versteht diesen Begriff nicht spirituell, bezeichnet damit auf der Basis von Erfahrungen angelegte Überzeugungen, die das Handeln jedes Menschen prägen.

Als Hilfen für den Alltag empfiehlt er unter anderem ein »positives Tagebuch«, in das abendlich alles eingetragen wird, was am Tag gut gelaufen ist, die »positive Tagesvision« als Vorbereitung auf den kommenden Tag unmittelbar vor dem Aufstehen oder auch ein »Schlagfertigkeitstagebuch« zum Training schlagfertiger Antworten.

 

Interview

Drei Fragen an Dr. Reinhard Müller

Herr Dr. Müller, sind Sie ein positiv denkender Mensch?

Dr. Reinhard Müller: Mit Sicherheit ja. Das positive Denken ist dem Menschen von Kind an mitgegeben. Wichtig ist, nicht nur positiv zu denken, sondern auch positiv zu fühlen. Das eine ist vom anderen nicht trennbar.

Warum geht manchen Menschen das positive Denken verloren?

Müller: Es geht nicht verloren, vielmehr schlummert es stets in ihnen. Diese Menschen müssen eine Möglichkeit finden, sich das positive Denken wieder bewusster zu machen, ihre Aufmerksamkeit mehr auf die positiven Dinge in ihrem Leben zu lenken, statt ihr Denken immer von negativen Dingen überlagern zu lassen.

Wie lässt sich ein harmonischer Lebensrhythmus finden?

Müller: Beispielsweise indem man sich bewusst auf positive Aspekte konzentriert. Unsere Gedanken können wie selbsterfüllende Prophezeiungen wirken. Wer in eine Prüfung geht mit dem Gedanken, es ohnehin nicht zu schaffen, wird mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht gut abschneiden. Wer fest überzeugt ist, es zu schaffen, wird in der Regel besser abschneiden. Diese Systematik kann man sich zunutze machen. (doe)

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