05. Dezember 2017, 19:00 Uhr

Mutiger Blog

Ein langer Weg durch die Trauer

Im Urluab in Nepal fällt der Partner von Silke Szymura plötzlich tot um. Wie man das Unfassbare verkraftet, erzählt die Okarbenerin bei einer Lesung aus ihrem Buch.
05. Dezember 2017, 19:00 Uhr
Bedrückende Stimmung und dennoch strahlt Silke Szymura ganz viel Mut und Zuversicht aus, während sie aus ihrem Buch »Zwischen den Welten« liest. (Foto: lod)

Der plötzliche Tod eines Partners ist immer ein großer Schock, dessen Verarbeitung sich lange hinziehen kann. Erlebt hat dies Silke Szymura aus Okarben. Bei einem Besuch in Nepal vor viereinhalb Jahren starb ihr Freund Julian plötzlich während eines Spaziergangs.

Buch zur Verarbeitung der Trauer geschrieben

»Das war der Morgen, an dem meine Welt zusammen gebrochen ist«, sagt die heute 34-Jährige bei der Vorstellung und der ersten Lesung ihres Buches »Zwischen den Welten – Eine wahre Geschichte über den Tod, die Liebe und das Leben«. Darin erzählt sie ihre Geschichte, konzentriert sich bei der Lesung allerdings ganz auf die Geschehnisse in Nepal. Bewusst hat sie das Buch erst geschrieben, nachdem sie den Tod ihres Partners verarbeitet hatte.

 

+++ Im Interview: Silke Szymura spricht über Tod und Trauer +++

 

Es war ein langer Weg durch die Trauer. Dabei hat Szymura alte Freunde verloren und neue Freunde gewonnen. Nach einer Ausbildung ist sie ist als Trauerbegleiterin tätig und betreibt den Blog »www.in-lauter-trauer.de. Viele ihrer Bloggerinnen waren zur Lesung im voll besetzten Saal gekommen. »Sterben und Trauern ist wohl mehr ein Frauenthema«, meinte einer der wenigen männlichen Besucher.

Berührende Beschreibung ihrer Gefühle

Szymura gelingt es, die Zuhörer mitzunehmen, nicht zuletzt wegen der äußerst berührenden Beschreibung ihrer Gefühle. Dass sie den Tod ihres Partners verarbeitet hat, zeigt ihr Lächeln, dass immer wieder aufblitzt, wenn sie von Julian erzählt: »Er war immer voller Energie und Tatendrang.« Jeder glaubt ihr, wenn sie den Morgen des für sie so tragischen Tags beschreibt: »Wir strahlen unser kleines Glück beim Frühstück in die Welt.«

 

 

 

Sie strahlt, wenn sie Julian zitiert, der sie als »meine kleine meckernde Freundin« beschreibt. Um so intensiver schildert sie ihre Gefühle, als Julian plötzlich »einfach umfällt«: »Das war das Ende eines wunderschönen Morgens. Im nächsten Moment war er tot.« Was folgte war für sie ein »Leben wie in Trance«. »Ein Teil von mir ist mit gestorben«, stellt sie fest.

Was ihr in den Stunden und ersten Tagen danach geholfen hat, war die nepalesische Trauerkultur. Julian wurde in einer »wundervollen Zeremonie voller Liebe« in einem Kloster öffentlich verbrannt, wie es in Nepal üblich ist. Natürlich hatte sie davor genauso viel Angst, wie ihren Freund noch einmal zu sehen. Doch die nepalesische Familie, die beide mit ihrem 2012 gegründeten Verein »Sayaha – Hilfe für Nepal« betreuten, sowie Sabine, eine deutschsprachige Buddhistin, unterstützen sie und gaben ihr viel Mut. Ihr Fazit: »Es war ein magischer Moment. Ich spürte Ruhe, Stärke, Kraft, Verbundenheit und Liebe.«

 

+++ Hier geht es zum Blog "In lauter Trauer" von Silke Szymura +++

 

 

»Das war’s, was ich Euch vorlesen wollte. Es war der Beginn und das Ende von ganz vielem. Das Leben ist weiter gegangen«, sagte die Autorin nach ihrer 90-minütigen Lesung, die mehrmals durch das ruhige Spiel des Bonner Entspannungspianisten Steffen Grell auf dem E-Piano ergänzt wurde und Zeit für Reflektion bot.

Es folgte eine knappe emotionale Stunde, in der Zuhörerinnen über ihre Erfahrungen und ihren ganz persönlichen Umgang mit der Trauer erzählten. Es floss die ein oder andere Träne. »In Deutschland fehlt eine Trauerkultur«, meinte Mitorganisatorin Kerstin Weber. Das blieb unwidersprochen an diesem stimmungsvollen und berührenden Abend zu einem Thema, das von viel zu viel Menschen in den Tabubereich angesiedelt wird.

  

Das Buch »Zwischen den Welten – Eine wahre Geschichte über den Tod, die Liebe und das Leben« umfasst 314 Seiten und kostet 12,90 Euro.

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