31. Januar 2019, 13:31 Uhr

Leerstand

Ehemaliges Kaufhaus Joh: Friedberger Bürgerbündnis macht Investor und Politik Druck

Seit Jahren steht das ehemalige Kaufhaus Joh in Friedberg leer. Zu lange, sagt das Bürgerbündnis »WIR« und fordert die Stadtverwaltung zum Handeln auf. Bürgermeister Dirk Antkowiak reagiert.
31. Januar 2019, 13:31 Uhr
Still ruht das Kaufhaus: Das Bürgerbündnis fordert ein städtisches Vorkaufsrecht. (nic)

Die Planung für das leerstehende Kaufhaus Joh läuft. Das betonte 3 V Invest-Geschäftsführer Rainer Damaschke gegenüber der WZ. Zugleich räumte er ein: Sanierung und Vermietung der mehr als 8000 Quadratmeter großen Fläche gestalten sich schwierig. Das Bürgerbündnis »WIR« sieht den Leerstand kritisch, fordert die Stadt zum Einschreiten auf.

»Wie lange noch will sich die Stadt vom Joh-Besitzer an der Nase herumführen lassen?«, fragen die »WIR«-Mitglieder Brigitte Mergner, Dieter Fitsch und Horst Weitzel in einem offenen Brief an den Magistrat und sprechen von einem »unwürdigen Schauspiel«. Das einst größte Kaufhaus der Stadt stehe seit Jahren leer. »Und wenn es nach dem Münchner Investor geht, kann das noch so weitergehen. Das kann ja durchaus das Geschäftsprinzip sein, einfach auf steigende Immobilien- und Grundstückspreise zu warten.« Das »WIR«-Bündnis mutmaßt, der Investor könne die Immobilie weiterverkaufen, »um zusätzlichen Profit herauszuschlagen«.

 

Stichwort Vorkaufsrecht

Dies ließe sich verhindern, wenn die Stadt beim Verkauf solcher für die städtische Entwicklung wichtiger Areale »klar umrissene Vorgaben« mache? »Wozu selbstverständlich zeitliche Befristungen gehören. Wenn schon eine städtische Steuerungsmaßnahme, die Nutzung des Vorkaufsrecht, in leichtsinniger Weise aus der Hand gegeben wurde, dann sind doch klare Absprachen, terminierte Vorgaben und ebenso heftige Strafzahlungen bei Verzögerungen der Pläne das Mindeste einer verantwortlichen Stadtentwicklung.«

Alle politisch Verantwortlichen wüssten, dass »eine neue Attraktivität von Kaiserstraße und Kernstadt ohne die Lösung des ›Joh-Problems‹ nicht gelinge«. »WIR« zweifelt die Kompetenzen des Investors an: »Es ist an der Zeit, dass die Stadt die Gestaltungshoheit in die Hand bekommt. Warum soll es nicht möglich sein, das Vorkaufsrecht jetzt wieder neu ins Spiel zu bringen?« Eigentum verpflichte. Werde diese Grundaussage der Verfassung umgangen, sei es Pflicht der politisch Verantwortlichen, neu zu handeln. Momentan habe man den Eindruck, dass Friedberg »an der Nase herumgeführt« werde.

 

Bürgermeister widerspricht

»Die Situation ist auch für uns nicht erquicklich. Wir sehen aber Licht am Ende des Tunnels«, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU). Mit Blick auf das »WIR«-Schreiben stellt er klar: »Es gab kein Vorkaufsrecht für das Joh-Gebäude und es gibt auch weiterhin keines. Das ist ein privates Rechtsgeschäft, darauf haben wir keinen Einfluss. Wir hätten das Gebäude auch nicht kaufen können. Von welchem Geld denn?«

Er stehe in regelmäßigem Kontakt zu Damaschke und dessen Architekturbüro Kölsch in Friedberg. »Die Stadt hilft, wo sie kann, damit es mit der Sanierung und der Wiederbelebung des Gebäudes zügig vorangeht.«

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