03. Oktober 2018, 19:38 Uhr

Dreiste Lieder und waghalsige Texte

03. Oktober 2018, 19:38 Uhr
Da hebt er den Zeigefinger und fletscht die Zähne: »Es heißt ja auch Muttersprache, weil Mann nichts mehr zu sagen hat«, meint Peter Vollmer. (Foto: hkr)

Männer haben es auch nicht mehr leicht, im »Machtkampf der Geschlechter« müssen sie Stehvermögen und Nehmerqualitäten haben. Mit dem Programm »Er hat die Hosen an – Sie sagt ihm welche!« bringt das der Freiburger Kabarettist Peter Vollmer humorvoll und witzig auf den Punkt. Ob Ironman oder Pflegefall, gegen die emanzipierte Frau kann Mann kaum noch mithalten, ein Trauerspiel mit Tücken und Grenzen. Es heißt ja auch »Muttersprache, weil Mann nichts mehr zu sagen hat«.

Es muss ja einen Grund haben, warum eine »Straße voller Männer eine Sackgasse« ist oder warum in der Ehe der mit der Fernbedienung in der Hand das Programm vorgibt. Vollmer probt charmant und spitzbübisch den Widerstand, »kooperatives Schnauzehalten« ist nicht sein Ding. Er will mehr echte Kerle und weniger »Wackel-Dackel«.

Der Wahl-Kölner Vollmer fährt Kadett nicht Mokka, fährt mannhaft ein Kult-Auto und will keinen digitalen Cappuccino mit Allrad.

Deftiger Ton

Vollmers Idol ist weder Elyas M’Barak noch Martin Schulz: Als Vorbild wählt er selbstironisch den kernigen Selbstfinder mit Erfolg und Sex-Appeal und rustikalem Humor, ein Typ der unverfälscht und authentisch seinen Mann steht. Er kommt mit einer Hose und einem Hemd aus, er braucht nur seine Jogginghose, keine High-Tech-Outdoor-Functionwear und keine Kleiderschränke voller Klamotten: Shopping-Rausch ist Frauensache.

Aber die Zeiten haben sich geändert, »poppen allein kann nicht der Lebensinhalt« sein. Die Frau lebt zwar länger, dafür braucht der Mann beim Einparken fünf Minuten weniger und holt die Lebenszeit wieder auf. Mit eindeutigen Zweideutigkeiten plaudert Vollmer aus dem prallen Leben und berichtet aus der eigenen Ehe. Es geht darum, sich aus dem vermeintlichen Abgrund hochzuarbeiten und sich mit neuen Entwicklungen auseinanderzusetzen, auch der Muskelmann hat seine Eitelkeiten.

Kosmetik und Pflege müssen sein, aber in Maßen. Gesundheit muss auch sein, aber bitte keine Reiki-Behandlung. Hygiene ist wichtig, aber Ganzkörperenthaarung und Intimrasur wollen wohlüberlegt sein, hier braucht es Fachpersonal und nicht den eigenen Rasenkantenschneider. Es geht nicht darum, ob man »Sackglatze« trägt oder lieber Buschmann ist, will der Mann nicht im Museum enden, braucht es Mut und Motivation. Schnitzel und Döner können auch nicht schaden, die lässt sich Vollmer nicht nehmen.

Die alten Zöpfe sind ab, aber Opfer der Emanzipation sein, ist auch keine Lösung. Peter Vollmer wehrt sich gegen den eigenen Verschleiß mit dreisten Liedern und waghalsigen Texten. Die »konsequente Weiberentlastung« heißt aber auch Auftauchen aus dem Dickicht überholter Männerbilder zwischen Macho und Mythos. Vollmer entstaubt sich selbst und liefert im ausverkauften Theater Ideen für ein neues Männersein, deftig im Ton, aber unnachgiebig in der Sache.

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