06. Februar 2019, 20:41 Uhr

Dramatik trifft leichte Muse

06. Februar 2019, 20:41 Uhr
Chorleiter Uwe Krause gibt Informationen zu den Stücken, die der Posaunenchor der evangelischen Markusgemeinde Butzbach spielt. (Foto: gk)

Mit zwei schmetternden, schwungvollen Fanfaren der zeitgenössischen Tonsetzer Enrique Crespo und Traugott Fünfgeld stimmten die 26 überwiegend jungen Musikerinnen und Musiker des von Uwe Krause einfühlsam-souverän geleiteten Posaunenchors der evangelischen Markusgemeinde Butzbach die Hörerschaft in der Burgkirche auf ein mitreißendes, fast zweistündiges Konzert ein. Mit Pauken (am Schlagwerk Alexander Ludwig) und zwölf Trompeten, sechs Posaunen, fünf Hörnern, zwei Euphonien und Guido Beilborn als Gast an der Tuba präsentierte das Ensemble über 20 Werke aus vier Jahrhunderten – beginnend mit dem 1564 in Nürnberg geborenen Hans Leo Hassler mit seiner achten und neunten »Intrada« bis hin zu Traugott Fünfgeld und Dieter Wendel, der mit seiner viersätzigen lautmalerischen Suite »Über die Elbe«, einem Auftragswerk zum evangelischen Posaunentag 2016 in Dresden, auf großen Beifall des Auditoriums stieß.

Christian Schmitt-Engelstadt stellte mit seinen professionellen Interpretationen bedeutender Werke an der restaurierten Burgkirchenorgel eine große Bereicherung des samstagabendlichen Musikereignisses dar. Hier wirkten Bläserinnen und Bläser sowie Organist nicht einfach nebeneinander, sondern traten immer wieder in fruchtbaren Dialog, was dem Konzert seine besondere Note verlieh. Dies wurde bereits bei Eugène Gigouts »grand choeur dialogue« deutlich.

Neben den bereits erwähnten Intraden Hans Leo Hasslers erklangen ebenfalls zwei Intraden seines um 1580 in Zittau geborenen Schülers Melchior Franck. Der 1639 in Coburg gestorbene und schon bald nach seinem Tod vergessene Tonsetzer verlor Frau und Kinder im 30-jährigen Krieg.

Die Butzbacher Musikerinnen interpretierten diese erhaben-feierlichen Werke aus dem Geist der Spätrenaissance so einfühlsam wie kompetent.

Kein falscher Einsatz

Auf die 1690 veröffentlichte »Toccata secunda« des 1653 geborenen Barockorganisten Georg Muffat ließ Christian Schmitt-Engelstatt das »Grave« aus Josef Gabriel Rheinbergers 1. Orgelsonate folgen. Es war reizvoll zu hören, wie das »Andante« aus demselben Werk vom Orchester (in einem Arrangement Uwe Krauses) dargeboten wurde. Drei wunderschönen Stücken Felix Mendelssohns, darunter eine Bläserbearbeitung des Chores »Fürchte dich nicht« aus dem zweiten Teil seines 1846 uraufgeführten »Elias«-Oratoriums, folgte spontaner Zwischenapplaus. Die einfühlsame, fast filigrane Interpretation dieser romantischen Miniaturen zeigte das junge Ensemble auf der vollen Höhe seines Könnens. Kein Missklang, kein falscher Einsatz, kein zu lauter Ton trübten den Hörgenuss.

Einen weiteren Höhepunkt des Abends markierte Christian Schmitt-Engelstadts kongeniale Darbietung von Johann Sebastian Bachs »Präludium und Fuge a-Moll« – ein Meisterwerk aus frühen Weimarer Jahren. Bach gelingt es, die Spannung bis hin zum jähen erschütternden Ende ständig zu steigern.

Nach so viel Dramatik klang der Abend mit drei heiteren Werken der leichten Muse aus – unter anderem Ary Barrosos 1939 komponiertem Dauerbrenner »Aquarela do Brasil«. Nach langem begeisterten Schlussapplaus verabschiedeten sich die Butzbacher Musikerinnen und Musiker und Uwe Krause mit dem ebenso populären Walzer aus der »Jazz-Suite« von Dmitrij Schostakowitsch.

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