11. Juli 2018, 20:23 Uhr

Dilemma für die Politik

11. Juli 2018, 20:23 Uhr
Jan Weckler spricht beim Treffen der BI über das geplante Rewe-Logistikzentrum, seiner Ansicht nach komme die Wetterau nicht um weiteren Flächenverbrauch herum. (Foto: pm)

Vor einiger Zeit hat sich die Bürgerinitiative »Bürger für Böden« gegründet, die sich gegen das geplante Rewe-Logistikzentrum in Berstadt ausspricht. Wie die BI nun in einer Pressemitteilung berichtet, war kürzlich Landrat Jan Weckler (CDU) zu Besuch eines von der BI organisierten Treffen auf dem Echzeller Römerhof. Dieser liegt gegenüber des 30 Hektar großen Planungsareals.

Rund 70 Bürger seien gekommen, um mit dem Landrat das geplante Projekt, den Flächenverbrauch in der Wetterau sowie den Schutz landwirtschaftlicher Böden zu diskutieren.

Weckler habe zunächst darüber gesprochen, in welchem Dilemma die Politik in Sachen Regionalentwicklung stecke. Da sei zum einen das veränderte Kaufverhalten, das den steigenden Bedarf an hochmodernen Verteilzentren bedinge. Er befürworte deren Errichtung im Ballungsraum, dort, »wo die Mehrzahl der Menschen wohne« und entlang von »Pulsadern«, wie es zum Beispiel die Autobahnen seien. Zudem habe er auf den zunehmenden Siedlungs- und Gewerbedruck verwiesen, der die Wetterau deshalb besonders treffe, weil sie im Umfeld Frankfurts am wenigsten zugebaut sei. Andererseits bedeutet das aber eben auch, dass hier Konkurrenz entstehe, insbesondere zur Landwirtschaft, die die Identität der Wetterau bis heute präge.

BI: Noch immer empört

Auch für ihn sei es ein Problem, dass landwirtschaftlicher Boden, selbst der mit guten Bodenwerten, gesetzgeberisch keinen Schutz genieße. Hier würde er sich Änderungen wünschen. Gerade bei Großprojekten sollten von der Landes- oder Regionalplanung Rahmen vorgegeben werden, in denen auch der Bodenschutz Berücksichtigung finde. Weckler habe sich auch dafür ausgesprochen, Gewerbegebiete interkommunal zu planen und im Einzelfall festzulegen, wo Logistik konzentriert werden solle.

Nach Ansicht des Landrats komme die Wetterau um weiteren Flächenverbrauch nicht herum. Dennoch solle ihr landwirtschaftlich geprägtes Bild erhalten bleiben. In den laufenden Genehmigungsverfahren des Projekts habe der Wetteraukreis kein Mitbestimmungsrecht. Allerdings nehme er als untere Aufsichtsbehörde über seine Fachstellen im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen Stellung.

Aus den Reihen der Versammelten wurde kritisch angemerkt, dass die Obere Verwaltungsbehörde, das Regierungspräsidium, das Vorhaben genehmigt habe, obwohl die meisten Stellungnahmen der Fachbehörden ablehnend gewesen sei.

In der Pressemitteilung kommt die Bürgerinitiative zu dem Fazit, Bodenschutz müsse gesetzlich verankert werden. Es heißt: »Noch immer herrscht Empörung darüber, wie schnell und letztlich unüberlegt Entscheidungen über die Ansiedlung eines riesigen Logistikzentrums auf besten Böden fallen.«

Die Veranstaltungsreihe auf dem Römerhof wird fortgesetzt. Dabei sollen zum einen Verantwortungsträger eingeladen werden – hier hält die BI eine Diskussion mit der Regierungspräsidentin, die das Vorhaben genehmigt hat, für notwendig und wichtig.

Der nächste Termin ist am Sonntag, 22. Juli, um 15 Uhr. Da gibt der Landwirt Rudolf Kring sein Wissen zum Thema Boden weiter. Bekannt wurde er Anfang der 80er Jahre durch den Bau der ersten hessischen Biogasanlage. Der Hobby-Imker hat mehrere Bücher geschrieben und hält Vorträge über gesunde Ernährung und Umweltschutz.

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