05. September 2018, 19:16 Uhr

Digitales Klassenzimmer

05. September 2018, 19:16 Uhr
Zimmermann

»Wird ein Internetausfall das neue Hitzefrei werden?«, fragte eine Schülerin des Friedberger Burggymnasiums im Gespräch den Bundestagsabgeordneten Dr. Jens Zimmermann (SPD). Ist das »Digitale Klassenzimmer« mehr Chance als Risiko? Computer und soziale Medien bestimmen heute bereits größtenteils den Alltag. Birgt dies nicht auch Gefahren? Wie kann man ihnen begegnen, und welche Rolle soll dabei die Schule spielen?

Kurz nachdem Bundeskanzlerin Merkel den Digitalrat der Bundesregierung ins Leben gerufen hatte, diskutierten die Schüler der Leistungskurse Politik und Wirtschaft mit Zimmermann über all diese Themen. Ebenfalls angesprochen wurden die technischen Probleme, der Lehrermangel im Bereich der Informatik und auch die Frage, ob digitaler Unterricht wirklich der bessere ist. Der Bundestagsabgeordnete aus Groß-Umstadt, Mitglied des Finanzausschusses und des Ausschusses »Digitale Agenda«, ist bestens mit der Materie vertraut. In der dreistündigen Veranstaltung wurden sehr konträre Standpunkte ausgetauscht, wobei sich die Schülerinnen und Schüler als kritische, dabei sehr präzise argumentierende Gesprächspartner präsentierten. Eine Schülerin führte kritisch an, sie finde es gut, dass sie im Unterricht nicht vernetzt sei.

Neben Zimmermann saßen auch die SPD-Landtagskandidatin Mirjam Fuhrmann, der Schulleiter Ingo Baumgarten und die Schülervertreter Eray Demirok und Robert Olshausen auf dem Podium.

Schon bei den Eingangsstatements wurden die unterschiedlichen Sichtweisen offenbar: Während Baumgarten aus Sicht des Burggymnasiums die pädagogischen Herausforderungen, die Stellenwerte der Inhalte, die problematische Rolle der Wirtschaft, aber auch die Folgekosten der Digitalisierung und die Probleme der praktischen Anwendung in den Fokus rückte, verwies Zimmermann zunächst auf die institutionellen und verfassungsrechtlichen Probleme der Finanzierung. Darüber hinaus benannte aber auch er die pädagogisch-fachliche Dimension und fragte, ob es eines eigenen Schulfachs bedürfe oder die Kompetenzanbahnung nicht auch im üblichen Unterricht geleistet werden könne.

Für eine stärkere Praxisanbindung der digitalen Erziehung plädierte dagegen Fuhrmann. Sie kritisierte den in Hessen aufgelaufenen Investitionsstau und die defizitäre Lehrerausbildung. Hierbei wurde sie von den Schülern unterstützt, die ebenfalls für die Einrichtung eines gesonderten Fachs und für die Stärkung der Lehrerkompetenzen plädierten. Sie verwiesen damit nicht zuletzt auf die gesellschaftlich-wirtschaftlichen Problematik, da schließlich die Oberstufe auf das Berufsleben vorbereiten solle.

In der anschließenden Diskussion hinterfragten die Schüler unter anderem die Effektivität ihrer Forderungen, besonders die zeitliche Dimension der Realisierung. An dieser Stelle verwies Zimmermann auf die Zähigkeit politischer Abstimmungsprozesse in einem föderalen System. Als lobenswertes Vorbild wurden hierbei das finnische und schwedische Modell genannt.

Debatte um Markenpolitik

Äußerst kontrovers wurde die Frage der Markenpolitik erörtert, also die Frage, ob die Anwendungsprogramme bestimmter Unternehmen in der Schule exklusiv, weil unter Umständen aufgrund von Sponsoring kostenlos zur Verfügung gestellt, verwendet werden sollten. Hier prallten unterschiedliche Standpunkte aufeinander.

Dies blieb auch bis zum Ende der Diskussion so, jedoch empfanden alle Beteiligten die Veranstaltung als überaus gelungen. Dies galt nicht nur für die Offen- und Lebhaftigkeit, auch die sachliche Argumentation zeigte, wie anspruchsvoll solche Veranstaltungen sind, da in nur kurzer Zeit präzise und gut verständlich sich mit den Themen auseinander gesetzt werden musste. (Foto: pv)

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