19. Februar 2019, 19:02 Uhr

»Die närrische Pfäffin«

19. Februar 2019, 19:02 Uhr
Pfarrerin Rita Mick-Solle und »Papst« Heinz Kimmel geben sich einen feurigen Wortwechsel in der Kirche. (Foto: pm)

Zum diesjährigen Faschingsgottesdienst hatte sich hoher Besuch angekündigt: Unter Fanfarenklän-gen, gespielt von der Bläsergruppe der Assenheimer Karnevalsgesellschaft – Achim Bohn, Dieter Dallwitz, Wolfgang Kröll, Etta Wehrße und Rita Mick-Solle – schritt der »Papst« in die evangelische Kirche ein. Heinz Kimmel, Ehrenvorsitzender des Vereins Humor und letztes Jahr noch Kardinal, hatte nun den Sprung zu Papstwürden geschafft.

Er schimpfte gleich mit der Pfarrerin Rita Mick-Solle, die anstelle vom Beffchen eine bunte Federboa, Eulenkette und Narrenhut trug. Die geistliche Närrin hatte wieder ein Feuerwerk von Ideen zusammengetragen, um diese besondere Liturgie zu gestalten. Sie erzählte anfangs einige Witze, gefolgt von Psalm 126 von Hans Dieter Hüsch.

Zum Potpourri aus fröhlichen Kirchenliedern und bekannten Faschingsschlagern wurde von einer Abordnung des Assenheimer Elferrates und der in farbenfrohen Kostümen gekleideten Gemeinde kräftig mitgesungen und geschunkelt. Selbst die Orgel ließ sich von der fröhlichen Stimmung anstecken und bekam einen Heuler. Doch das brachte Organist Rainer Walter nicht aus der Ruhe; er spielte am E-Piano weiter.

Nach Abendgebet und Glaubensbekenntnis stülpte sich die Pfarrerin eine Schelmenmütze über und stieg in die Bütt, sprich Kanzel. Im feurigen Wortwechsel mit Papst Heinz I. hielt sie mit gereimter Predigt dem versammelten Narrenvolk den Spiegel vor. Da wurde für Gleichberechtigung und gegen Dis-kriminierung der Frauen gewettert, die Parteienlandschaft in Deutschland und die Politiker des internationalen Parketts, wie Trump und Putin, aufs Korn genommen, chinesische, amerikanische und europäische Wirtschaftsweisen kritisiert.

Fasching in der Kirche ein »Muss«

Die Schelmin sinnierte, ob das Faschingstreiben in der Kirche angemessen sei und stellte fest, es sei ein »Muss«. Denn neue Facetten entdecken und auch mal Anecken seien wichtig, um Fantasie und Glauben anzuregen und Perspektiven zu ändern. Christus befreie uns aus dem Korsett der Zwänge. »Wir müssen uns nicht verbiegen«, resümierte die närrische Pfarrerin, »denn Gott nimmt uns so an, wie wir sind.

Selig sind, die sich selbst nicht so ernst nehmen und noch über sich lachen können.« Mit donnerndem Applaus belohnte das Narrenvolk seine Schelmin und »Papst Heinz I.« für diese Predigt voller Frauenpower und Esprit. Nach dem Segen luden Irmtraud und Walter Meiß die bunte Gesellschaft zum Umtrunk in die »Meißen-Klause« ein.

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