20. Januar 2017, 21:17 Uhr

»Die Stimme ist wie eine Kamera«

Wer lesen will, muss hören: Am besten Rufus Beck. Viele Hörbücher macht er durch seine Stimme und seine Art zu lesen unverwechselbar. Die Harry-Potter-Bücher sind nur einige davon. Autorin J. K. Rowling hat sogar eine Figur nach ihm benannt. Aus seinem eigenen Lieblingsbuch liest er heute in der Bad Vilbeler Stadtbibliothek. Im Interview spricht er über schlechte Hörbücher, ein anstrengendes Tourleben und warum Beruf und Familie wunderbar zusammen funktionieren.
20. Januar 2017, 21:17 Uhr
Da hat er gut lachen: Schauspieler Rufus Beck liebt seinen Beruf, besonders wenn seine Kinder mit ihm arbeiten. Heute Abend liest er ganz allein – allerdings vor Vilbeler Publikum. (Foto: dpa)

Bei Ihrer Kreativität weiß man gar nicht, über was man zuerst sprechen soll: Sie sind bekannt aus Fernsehen, Kino, Theater. Sie machen Musik, sind Regisseur, Moderator und Autor. Ihre Stimme ist unverwechselbar. Werden Sie daran oft erkannt?

Rufus Beck: An der Stimme eher nicht, das kommt sehr selten vor. Ich mache ja viel Theater und Film, deshalb werde ich eher als Mensch erkannt, der ein Gesicht hat.

Stichwort Harry Potter: Sie haben unverwechselbar die Bücher von Joanne K. Rowling gelesen. Sogar eine Figur hat die Autorin nach Ihnen benannt. Wie kam das?

Beck: Ich war mit Rowling 2001 auf Lesereise. Wir waren neun Tage ständig zusammen, viel unterwegs, hatten uns viel zu erzählen, wir haben auch Töchter im gleichen Alter und da ist diese Idee entstanden. Daraus ist die Figur Rufus Scrimgeour geworden.

Einige Filme und Produktionen, aber auch Ihre Bücher sind speziell für Kinder. Was muss man bei der Arbeit für Kinderunterhaltung beachten?

Beck: Es gibt reine Kindergeschichten, aber was ich mache nenne ich lieber Familienunterhaltung, wobei mir der englische Begriff »family entertainment« besser gefällt. Dabei kommen Erwachsene und Kinder gleichermaßen auf ihre Kosten. Beispielsweise bei »Tabaluga«. Bei den Hörbüchern für Harry Potter ist das genauso. Das hören Erwachsene auch. Spezielles für Kinder habe ich nicht geplant, das ist einfach auf mich zugekommen.

Da denke ich an Ihre Rolle im Film »Die Wilden Kerle«.

Beck: Das ist wirklich für die ganze Familie. Meine Kinder haben da auch mitgespielt, zusammen mit den Kindern von Uwe Ochsenknecht. Jetzt habe ich noch den Abschluss der »Wilden Kerle« gedreht.

Anders ist die Arbeit beispielsweise am Theater, bei Festspielen oder Filmaufnahmen wie als »Waltraud« in »Der bewegte Mann«. Was machen Sie lieber?

Beck: Das kann ich gar nicht sagen. Festspiele wie in Bad Hersfeld oder die Nibelungen-Festspiele sind ganz anders, als die erwähnte Familienunterhaltung. In den letzten Jahren kam es aber immer wieder vor, dass vermehrt Kinder oder Jugendliche bei den Festspielen dabei waren. Die haben mitbekommen, dass ich dort auftrete und wollen mich unbedingt sehen und gehen mit, obwohl das Stück nicht für Kinder vorgesehen ist.

Derzeit haben Sie einen vollen Terminkalender. Sie touren mit dem Stück »Der Volksfeind« von Henrik Ibsen durch Deutschland. Wie ist so ein Tourleben?

Beck: Es ist eng getaktet: Aufstehen, frühstücken, in den Bus oder ins Auto, ab in den nächsten Ort. Dann zurück ins Hotel und noch Abend essen. Meistens ist es gar nicht so aufregend. Ich nehme mir oft vor, noch etwas von der Stadt zu sehen, aber das geht oft nicht. Man muss Kräfte sparen.

Da widmen Sie sich »zwischendurch« einer Lesung von John Irvings Roman »Garp und wie er die Welt sah«. Wieso gerade Irving?

Beck: Ich habe viele Hörbücher von Irvings Werken gemacht. Einen Roman kennt man immer am besten, wenn man ihn laut liest. Man muss jedem Satz eine Bedeutung geben. Die Stimme ist wie eine akustische Kamera. Mein Lieblingsbuch ist »Garp und wie er die Welt sah«. Es ist heute noch aufwühlend und hoch aktuell.

Hörbuchproduktionen sind ziemlich aufwendig. Wie lange dauert es, bis die Geschichte fertig und »im Kasten« ist?

Beck: Man ist etwa sechs bis sieben Stunden am Tag im Studio und liest. Dann geht es ums Schneiden, eventuell soll Musik dazu. Das kann Wochen oder Monate dauern. »Garp und wie er die Welt sah« umfasst 20 CDs.

Es scheint, immer mehr Menschen möchten ein Buch hören, beim Autofahren, im Zug oder auf dem Sofa. Meinen Sie, dass es immer mehr Hörbücher gibt?

Beck: Die Harry-Potter-Hörbücher haben tatsächlich einen wahren Boom ausgelöst. Mittlerweile ist es aber ein unüberschaubarer Markt geworden. Es gibt etliche schlechte Produktionen, die es an Tankstellen zu kaufen gibt. Das A und O ist aber der Interpret. Man muss das Buch interpretieren und erzählen können. Es geht um Pause, Rhythmus und Haltung. Man muss die Hörer in den Bann ziehen.

Ihre Kinder eifern Ihnen nach, sind Schauspieler geworden. Wie finden Sie das?

Beck: Das finde ich super. Sie sollen das machen, was sie glücklich macht. Ich arbeite gerne mit meinen Kindern und eng mit der Familie zusammen. Ich habe Privates und Beruf verbunden. Das wollte ich schon immer, und meine Wünsche sind wahr geworden. Jetzt war ich vier Monate mit Natalie, Jonathan und Sarah unterwegs mit der »Tabaluga«-Produktion.

Was wäre ein Projekt, das Sie gerne noch machen würden?

Beck: Filmregie würde mich reizen. Das meiste andere habe ich bereits gemacht.

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