11. September 2018, 11:00 Uhr

Landwirtschaft

Die Sache mit dem Geruch

Andreas und Christopher Wyschka liefern Essen auf Rädern. Die Assenheimer Landwirte werben mit kessen Sprüchen für ihre tägliche Arbeit. Sie sind die einzigen Milchviehhalter der Stadt.
11. September 2018, 11:00 Uhr
Andreas (l.) und Christopher Wyschka halten in Assenheim 147 Milchkühe. Am anderen Ende des Dorfs leben die Rinder, die sie mit dem Futtermischwagen versorgen. Inzwischen hängen an dem Gefährt zwei große Informationsbanner. (Fotos: kai)

Lange haben Andreas und Christopher Wyschka gegrübelt. Sie baten den Bauernverband um Hilfe. Eine Idee musste her. Oft fahren sie mit ihrem Futtermischwagen quer durch Assenheim. Im Inneren des roten Hängers türmen sich Weizenschrot, Gras- und Maissilage. »Futter für unsere Rinder, die wir seit Jahresbeginn auf einem gepachteten Hof am anderen Ende des Orts halten«, erklärt Andreas Wyschka. Bei ihren Fahrten beobachteten sie, dass sich Passanten spontan die Nase zuhalten. »Das ist unverständlich, Futter stinkt nicht.«

 

Banner am Futtermischwagen

Anhalten, mit den Menschen sprechen, das funktioniere nicht. Etwas anderes musste her. Nun zieren zwei Banner mit Fotos von Kühen beim Fressen und kecke Sprüche wie »Da guckst Du…. Das ist unser Essen auf Rädern und das schmeckt!« den Futtermischwagen. Wyschkas sind inzwischen die einzigen Milchviehhalter in der Stadt Niddatal. An den kleinen Gesten des Nasezuhaltens spüren sie, wie das Wissen rund um Landwirtschaft im ländlichen Raum schwindet. Sie wollen Aufklären, zeigen, dass Landwirtschaft nicht stinkt, der Beruf des Landwirts zum Leben auf dem Dorf gehört.

Andreas Wyschka zeigt das Weizenschrot, das in den Futtermischwagen kommt.
Andreas Wyschka zeigt das Weizenschrot, das in den Futtermischwagen kommt.

»Wir produzieren hochwertige Lebensmittel.« Die Milch wird an die Schwälbchen-Molkerei geliefert. »Vereinzelt kommen Kunden zu uns auf den Hof, um sich frische Milch zu kaufen«, sagt Andreas Wyschka. Das sind wenige. Seit etwa zwei Jahrzehnten hält die Landwirtsfamilie am Ortseingang Richtung Wickstadt die Milchkühe samt Kälbern in zwei großen luftigen Ställen. Derzeit sind es 147. Der Hof an der Dorn-Assenheimer Straße wäre dafür zu klein. Gern würden Vater und Sohn Wyschka mehr Kindern zeigen, wie Kühe leben und woher die Milch kommt. Schon seit Jahren geht der Ausflug der Vorschulkinder der Altenstädter Kita Waldsiedlung auf den Hof. Wyschkas Frau Hortense arbeitet dort als Erzieherin. Wenn die Kleinen zu Gast sind, kommt immer wieder das Thema Geruch auf. »Spätestens, wenn die Kinder die Hunde oder Kälbchen streicheln, sind sie angekommen und vergessen, dass der Geruch von Eltern als Gestank beschrieben wird«, weiß Christopher Wyschka (25).

 

Direktvermarktung etablieren

Der geplante Besuch der Assenheimer Kita-Kinder scheiterte. »Es fanden sich nicht genug Eltern, die die Kinder zu uns rausgefahren und geholt hätten«, bedauert Andreas Wyschka. Also bleibt nur der Kontakt auf dem Kartoffelacker. Seit Christopher Wyschka seine Ausbildung als Landwirtschaftsmeister beendet hat, setzt der junge Landwirt eigene Akzente. »Ich habe ein Jahr meiner Ausbildung auf einem Betrieb mit Direktvermarktung verbracht, das möchte ich bei uns auch etablieren.«

 

Für Blumen war's zu trocken

Also werden Kartoffeln angebaut. Verkaufsstelle ist der Hof im Ort, auf dem Großvater Dietmar Wyschka lebt. »Einen Blumenacker zum Selbstpflücken hatten wir auch schon, dieses Jahr ist das nichts geworden, es war zu trocken«, sagt Christopher Wyschka. Ein weiterer Schwerpunkt seines Wirkens auf dem Hof ist die Tierzucht. »Mein Opa hat das noch viel intensiver gemacht.« Mit einem Zuchtberater werden einmal im Jahr die jungen Kühe bewertet, anhand eines Programms werden die zukünftigen Väter der Kälber ausgewählt, das tiefgefrorene Sperma zu Preisen von zehn bis 27 Euro geordert. Dabei geht es um Merkmale wie Milchleistung, Inhaltstoffe, Langlebigkeit und Gesundheit.

Vier Kälber bekommen Wyschkas Kühe im Durchschnitt. »Damit sind die Tiere sechs Jahre im Betrieb.« Die beiden Landwirte achten darauf, dass regelmäßig neue Tiere in die Herde integriert werden. »Die Nachkommen sind meist besser als die Alttiere, wir müssen auf die wirtschaftlichen Aspekte achten, schließlich soll unterm Strich etwas übrig bleiben, wovon wir leben können.«

 

Futter vom eigenen Land

Etwa 140 Hektar Ackerland und Wiesen gehören zum Betrieb. Der größte Teil wird benötigt, um das Futter zu erzeugen. »Das ist 100 Prozent gentechnikfrei«, sagt Andreas Wyschka. Umstellen ganz auf Öko-Anbau? »Das geht nicht, es gibt keine Molkereien mehr, die Öko-Milch annehmen«, sagt Wyschka. Während der letzten Milchkrise hätten sie das in Erwägung gezogen.

Info

Konkurrenz um den Boden

Christopher Wyschka liebt seinen Beruf. »Schon in der Grundschule wollte ich Landwirt werden.« Wohin er den Hof führt, werde sich zeigen. »Das Problem ist dort hinten am Horizont zu sehen.« Frankfurt. »Wenn die Stadt wächst, gibt es weiter Druck auf die Ackerflächen in der Wetterau, die Landpreise werden von der Entwicklung im Ballungsraum diktiert.« Frankfurter Landwirte, die ihre Flächen als Bauland verkaufen müssen, würden in der Wetterau reinvestieren. »Das ist dann ein Nachteil für uns.« Er rechnet damit, dass sich der Strukturwandel weiter fortsetzt, dass es immer weniger Landwirte geben wird. Sein Wunsch: »Landwirtschaft muss gemeinschaftlicher werden, zusammen kann man besser vorankommen als allein.« Den Anfang haben sein Vater und er schon gemacht. Mit Kollegen wird Land getauscht. »Das erweitert unsere Fruchtfolge.« Landwirte ohne Vieh bekommen auf ihre Äcker Gülle, die auf dem Wyschka-Hof anfällt. Gemeinsam legen die Landwirte rund um Assenheim Blühflächen und Honigbrachen an. (kai)

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