06. November 2017, 20:29 Uhr

Die Fettnäpfchen des Alltags

06. November 2017, 20:29 Uhr
Sein trockener Humor kommt gut an: Schauspieler Michael Trischan. (Foto: im)

Der »Bauernheimer Bub« hatte ein volles Haus vor sich: Auf Einladung des VdK Bingenheim gastierte der in der Wetterau geborene Michael Trischan alias Krankenpfleger Hans-Peter Brenner aus der ARD-Serie »In aller Freundschaft«, begleitet von seinem Pianisten Simon Münzmay, im Bürgerhaus Bingenheim und bescherte seinem Publikum einen amüsanten Nachmittag unter dem Motto »Heiter und so weiter«. Glanzlichter aus Trischans früheren Programmen wurden durch neue Anekdoten und Textpassagen von Goethe über Tucholsky bis Kishon, von Jan Weiler über Lotte Kühn bis Elke Heidenreich ergänzt.

Dabei überzeugte der TV-Schauspieler, der nach 17 Jahren Kindheit in Bauernheim tatsächlich in Hanau eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolvierte und anschließend in der Harvey-Klinik Bad Nauheim arbeitete, nicht nur durch seine Rezitationskunst, sondern vor allem durch seine Bodenständigkeit, seine Authentizität und seinen trockenen, nonchalanten Humor.

Pubertät und Midlife Crisis

Trischan arbeitete sich in seiner Textauswahl durch unsterbliche Literatur und wundervollen jüdischen Mutterwitz, Beziehungskisten und diverse Nähkästchen, er beobachtet Menschen kurz vor und mitten in den Fettnäpfchen des Alltags, Teenies in der »Hühnerbrühe«, dem Whirlpool im Spaßbad, Familien in den Wirbeln der Pubertät und der Midlife-Crisis, Ehepaare im Streit über das morgendliche Vogelgezwitscher, nostalgische Senioren beim Weitpinkeln und scheidungswillige 90-Jährige, die noch einmal ganz von vorn anfangen wollen.

All das augenzwinkernd, mit der leisen, menschenfreundlichen, manchmal den Finger auch exakt in die Wunde legenden Ironie der von ihm ausgewählten Autoren, die erkennbar auch im selbst zu eigen ist. Ebenso nahbar, heiter und stressresistent gab sich Michael Tristan in der Pause, signierte zahllose Autogrammkarten, ließ sich fotografieren, beantwortete Fragen: Wo ist Sohn Attila? Der junge Mann hat sich nach knapp sieben Jahren Tournee mit dem Vater vorübergehend abgeseilt und verfolgt eigene Pläne. Verständlicherweise, wie Michael Trischan einräumte.

Liebe zur Wetterau ist geblieben

In Simon Münzmay und Kevin Pacholczak hat er adäquate, kongeniale Pianisten gefunden, die ihn mit leichter Hand und Sequenzen aus Jazz und Muscial alternierend begleiten. Seine Vorliebe für den jüdischen Witz? Die hatte er schon immer, endgültig, seit er im ARD-Zweiteiler »Alphamann« einen jüdischen Kommissar spielte. Mit der Witzesammlung »Sex am Sabbat?« von Ilan Weiss begründete er sein eigenes Programm gleichen Namens.

Und seine Liebe zur Wetterau? Die sei natürlich geblieben, sagte Trischan – doch mit seiner Familie lebt er inzwischen ebenso gerne in Leipzig, eine Musik- und Theaterstadt nach seinem Geschmack. »Verraten Sie in Ihrer Zeitung aber nicht alles!«, gab er der WZ-Reporterin mit auf den Weg. Wird gemacht. Nur so viel: Bei nächster Gelegenheit einfach hingehen, Michael Trischan zuhören und einen exzellenten Geschichtenerzähler wie auch einen humorvollen Humanisten erleben, der sich den Glauben an das Gute im Menschen bewahrt hat.

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