28. August 2017, 11:00 Uhr

Buchsbaumzünsler

Der fast aussichtslose Kampf gegen die Raupe

Einige Hobbygärtner versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Andere haben den Kampf gegen den Buchsbaumzünsler aufgegeben. Der Schädling hat sich in der Wetterau zur Plage entwickelt.
28. August 2017, 11:00 Uhr
Die gefräßige Raupe ist nur sehr schwer zu bekämpfen. (Foto: Patrick Seeger (dpa))

In warmen Regionen Süddeutschlands treibt die Raupe des Buchsbaumzünslers schon seit Jahren ihr Unwesen. Jetzt hat sich der schwarz-weiß Falter bis in die Wetterau vorgearbeitet. »In dieser Dimension ist dieser Schädling erst 2017 aufgetreten«, sagt Hans-Martin Herrmann, Fachdienstleiter aus dem Bad Nauheimer Grünamt. Beispiel Hochwald-Viertel: Dort sind fast alle Grundstücke betroffen, in denen Buchsbäume stehen. Manche Besitzer rücken den fünf Zentimeter langen Raupen mit »Chemiekeulen« zu Leibe, was auch Bienen schädigen kann, andere setzen auf den Bacillus thuringiensis oder andere Methoden.

 

Viele haben den Kampf aufgegeben

Viele haben den zeitaufwendigen Kampf gegen die Raupe bereits aufgegeben, weil er aussichtslos erscheint. Ähnlich ist die Lage offenbar in der ganzen Wetterau, auch in Friedberg. Michael Leicht (Amt für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen) weiß von vielen Hausbesitzern, die ihre kahlgefressenen Buchsbaumhecken oder -kugeln entfernt haben. »Im Rathaus fragen die Leute insbesondere wegen der Entsorgung der Pflanzen nach. Kompostierungsanlagen sind der richtige Weg«, erklärt Leicht.

 

Die beiden Nachbarstädte gehen unterschiedliche Wege, was die eigenen Buchsbäume angeht. Laut Fachdienstleiter Herrmann werden die geringen Bestände in Bad Nauheim, die auf den Friedhöfen in der Kernstadt und in Schwalheim, am Sauerbrunnen Schwalheim sowie auf Verkehrskreiseln zu finden sind, regelmäßig kontrolliert und mit dem biologischen Bacillus gespritzt. »Das hilft, wenn das Raupenstadium rechtzeitig erkannt wird.«

 

Es fehlen Wissen und Zeit

Bislang habe die Stadt ihre Buchsbäume retten können. Hobbygärtner haben dagegen oft nicht genügend Wissen und Zeit, um den aus Asien eingeschleppten Schädling stoppen zu können. Auch »Privatmann« Herrmann nicht: »Beruflich gebe ich anderen Leuten gute Ratschläge, aber in meinem eigenen Garten in Nieder-Mörlen ist eine Buchsbaumkugel kahl«, sagt er lachend.

 

Wie Michael Leicht erläutert, hat die Stadt Friedberg zwei Hecken an der Kita »Tintenklecks« und im Burggarten beseitigen lassen. »Ehe uns die Meldung erreichte, waren die Pflanzen bereits extrem geschädigt.« Dort wird im Herbst etwas anderes gepflanzt. Eibe, Ilex oder andere Laubgehölze werden als Alternativen zum Buchsbaum genannt.

In Friedberg macht Privatleuten und städtischen Gärtnern übrigens nicht nur der Buchsbaumzünsler, sondern auch die Kastanienmoniermotte und der Eichenprozessionsspinner zu schaffen. Der Prozessionsspinner, der bei Menschen auch Verbrennungen oder Allergien auslösen kann, wird vor allem in Ossenheim gesichtet. Die Moniermotte hat laut Leicht zahlreiche Bäume befallen. Diese beiden Schädlinge waren in den Vorjahren auch in Bad Nauheim sehr aktiv. Das hat sich nach Angaben von Herrmann etwas gebessert. Der Fachdienstleiter hofft, dass die Natur auch Widerstandskräfte gegen den Buchsbaumzünsler entwickelt.

Buchsbaum aus Sortiment genommen

Davon geht Stefan Lück vom zwischen Ockstadt und Bad Nauheim angesiedelten Betrieb Lücks Pflanzenwelt nicht aus. Sehr viele private Gärten und historische Parkanlagen seien bereits geschädigt. »Buchsbaum war seit Jahrzehnten ein Hauptprodukt, weil es fast nie Schädlinge aufwies und sich leicht und formschön beschneiden ließ«, sagt der Chef der Gärtnerei. Während früher pro Jahr Hunderte von Pflanzen verkauft wurden, hat er den Buchsbaum bereits 2015 aus dem Sortiment genommen. Damals erreichten ihn erste Nachrichten vom Auftreten des Zünslers in Süddeutschland. Heute ist er »heilfroh« über diese Entscheidung, auf die viele Kunden zunächst mit Unverständnis reagiert hätten.

Keine Monokulturen

Jetzt gingen mehr und mehr Grundstücksbesitzer dazu über, die kahlen Buchsbäume durch andere immergrüne Pflanzen, durch Zäune oder Mauern zu ersetzen. Nur selten werde die Gelegenheit genutzt, um den Garten wieder naturnaher zu gestalten, bedauert Lück. Er empfiehlt auf jeden Fall, im Garten auf Monokulturen wie lange Hecken aus einer Pflanzenart zu verzichten. Denn der nächste Schädlinge kommt bestimmt.

Der Buchsbaumzünsler verändert nach Angaben des Experten nicht nur die Garten- und Parklandschaft, »er vernichtet auch echte Werte«. Schließlich haben die Kunden für eine prächtige Buchsbaumkugel einst bis zu 250 Euro ausgegeben.

Was man tun kann

Von Bacillus bis »Chemiekeule«

Ist der Buchsbaumzünsler, der aus Asien eingeschleppt wurde, überhaupt wirkungsvoll zu bekämpfen? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Im Internet wird teils der biologische Bacillus thuringiensis (Bt) empfohlen. Zudem gibt es »chemische Keulen«, manche vernichten allerdings auch Bienen. Der Einsatz solcher Stoffe ist nur mit Sachkundenachweis erlaubt. Kommunen ist die Verwendung solcher Chemikalien untersagt. Andere Experten raten dazu, die Raupen – sie fressen die Blätter – mit dem Hochdruckreiniger abzuspülen und aufzusammeln, die Tiere mit einem Industriesauger zu entfernen oder die Pflanzen mit Kernseife zu besprühen. Problem für den Hobbygärtner: Die Weibchen legen je nach Witterung ab April bis zu viermal im Jahr Eier. Eine Bekämpfung ist nur im Raupenstadium möglich, wobei ständig kontrolliert und Bt gespritzt werden muss. Wird dieses Stadium nicht rechtzeitig entdeckt, kann nicht schnell genug reagiert werden. Zudem ist die gelbliche bis dunkelgrüne Raupe gut getarnt und hält sich zunächst im Strauchinneren verborgen. Manche Baumärkte in Bad Nauheim und Friedberg bieten Bt an, der aber oft ausverkauft ist. Weiterhin werden Chemieprodukte und Pheromon-Fallen verkauft, die gegen Raupen aber nichts nützen.

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