22. Juli 2018, 06:00 Uhr

Aeroclub

Der Traum vom Fliegen

Es ist einer dieser grandiosen Sonnenuntergänge in tiefem Orangerot. Auf der Terrasse am Flugplatz herrscht Hochbetrieb. Es gibt viel zu erzählen vom Flugtag am Johannisberg.
22. Juli 2018, 06:00 Uhr
Ein langer Tag geht zu Ende am Flugplatz in Ober-Mörlen. Für viele der Mitglieder des Aeroclubs Bad Nauheim brachte er eher Routine. Für zwei Bad Nauheimer Lehrerinnen war es ein erfüllter Traum – der Traum vom Fliegen. (Fotos: Annette Hausmanns)

Mara Sander-Diery strahlt. Eben hat sie sich einen Fallschirm auf den Rücken geschnallt, jetzt gurtet sie sich in dem Segelflieger fest, gleich wird sie mit Fluglehrer David Friedrich der Sonne entgegen segeln. Das erste Mal in ihrem Leben. Ihre Freundin Christine Peters fiebert mit und freut sich schon auf die eigene Premiere.

Die Lehrerinnen von der Bad Nauheimer Stadtschule hatten Glück. Ihre spontane Idee, sich den Traum vom Segelfliegen zu erfüllen, ist beim Kaffee auf der Terrasse vom »Williams« am Flugplatz spontan in Erfüllung gegangen. Eigentlich ruhe auf dem Ober-Mörler Flugplatz unter der Woche tagsüber der Flugbetrieb, erzählt Thies Jünger. Zu Fluglagerzeiten während der Ferien sei das anders. Heute hat der Hobbypilot die Flugleitung übernommen, steht in ständigem Kontakt mit allen Maschinen und dem »Bodenpersonal«.

Jüngers Maschine, eine gute alte Yak52, steht sonst in Reichelsheim, ist fürs Fluglager aber hier zu Gast. Weitere historische Maschinen sind ebenfalls heute zu Besuch: eine Piaggio aus den 50er Jahren, liebevoll »Piggy« genannt, und eine Beechcraft Bonanza mit V-Leitwerk aus den 40er Jahren. »Ein prima Reiseflugzeug«, erzählt Leo Echtermeyer. Kurz darauf steht der Vorsitzende in der Flugzeughalle und weiß zu jeder der hier geparkten Maschinen viel zu erzählen.

Neben den vereinseigenen Schul-, Übungs- und Hochleistungsflugzeugen, sechs Seglern, zwei Motorseglern und dem motorisierten »Arbeitspferd«, einer Robin DR400 »Remorqueur« (kurz »Remo«) sind in der Halle auch liebevoll gepflegte private Maschinen untergebracht.

Besser als Rente auf der Couch

Über den Raritäten schweben elegant die Vereinssegler unter der Decke. Hier einzuparken, will gelernt sein, weiß auch Frank Maiwald. Eben hat der »älteste Jugendliche«, wie sich der 65-jährige Flugschüler aus Friedrichsdorf augenzwinkernd nennt, einen Alleinflug in der ASK 23 absolviert. Statt seine Rente auf der Couch zu verbringen, habe er seinen Kindheitstraum vom Fliegen wahr werden lassen. »Das sichere Beherrschen des Flugzeugs in allen Lagen, die theoretischen Hintergründe und Luftverkehrsregeln im komplexen Luftraum sind essentiell« erklärt Ausbildungsleiter Gerald Salzinger.

Binnen einer Saison schaffte es Maiwald, »flügge« zu werden, also nach bestandener Prüfung seinen ersten Alleinflug zu machen. Neben dem Fliegen seien es das Miteinander im Verein, die interessanten Menschen und der magische Ort, was ihn für den Aeroclub begeistere. »Uns alle verbindet das Fliegen«, ist auch Karin Dziallas Feuer und Flamme. Mit dem Fliegen hatte die 40-Jährige schon länger geliebäugelt, am Schnuppertag war es um sie geschehen. »Das hier ist mein absoluter Happy Place«, schwärmt die Flugschülerin aus Köppern. »Hier bekomme ich den Kopf frei.« Auch um Frederick Harbort ist es geschehen, seit er mit 14 Jahren im Mai endlich mit dem Flugunterricht beginnen durfte. In besonderer Erinnerung ist ihm das Sunrise-Sunset-Fliegen zur Sommersonnenwende. Das heißt um 3 Uhr aufstehen, gegen 4 Uhr startet der erste Flug und mit Sonnenuntergang der letzte. Was ein Parabel-Flug ist, wie man Steilkurven fliegt oder ins Trudeln (und auch wieder hinaus) kommt, hat der Schüler längst verinnerlicht – und ist schon über alle Berge, um mit seinen Kameraden den eben eingetroffenen Flieger wieder auf Start zu schieben.

»Überall gibt es helfende Hände«, unterstreicht Clubpräsident Echtermeyer. Ihr Gemeinschaftssport könne nur gelingen, wenn alle zusammen hielten. »Jeder muss sich auf den anderen verlassen können.« Seit jeher legten sie großen Wert auf Nachwuchsarbeit und Sportförderung, erzählt Echtermeyer.

Damit der Traum vom Fliegen für alle eine bezahlbare Angelegenheit bleibe, verteile sich im Verein die Last auf viele Köpfe und Taschen. Ehrenamtlich arbeitende Fluglehrer, vereinseigene Flugzeuge und Eigeninitiative bei der Wartung und Pflege des Materials sorgten dafür, dass der uralte Menschheitstraum auch bei kleinem Geldbeutel wahr werden könne.

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