10. Juli 2017, 17:00 Uhr

Berufswettbewerb

Der Jungbauer, der seinen Job liebt

Für Julian Zinn aus Hainchen hat sich für die Landwirtschaft entschieden. Er sieht eine Menge Aufklärungsbedarf. Gerade was die Verbraucher angeht.
10. Juli 2017, 17:00 Uhr
Die Zeiten, in denen die Menschen wissen, wie der Weg vom Weizen bis hin zum fertigen Brot ist, sind vorbei, sagt Julian Zinn – aber er glaubt auch: Das lässt sich ändern. (Foto: sda)

Wenn es ums Essen geht, sind die Deutschen recht knauserig. Für kaum etwas geben sie prozentual so wenig Geld aus wie für Nahrungsmittel. Das ist ein Fehler, findet Julian Zinn. »Klar, das Leben ist teuer, und nicht jeder kann sich regionale Produkte leisten«, sagt er. »Aber ich habe das Gefühl, viele definieren sich eher über Statussymbole.«

Der 29-Jährige kennt sich recht gut mit dem Thema aus, weiß, was es für den Liter Milch gibt, wie viel die Eier im Discounter und die beim Bauernhof um die Ecke kosten. Muss er auch wissen, allein schon wegen seines Lebenslaufs. Eine Ausbildung als Landwirt kommt darin vor, ein Studium an der Uni Gießen in Agrarwissenschaften und aktuell eine Ausbildung zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt. Was sich auch gut im Lebenslauf macht: Der 5. Platz beim Bundesentscheid des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend (siehe Kasten), der kürzlich ausgetragen wurde. Julian Zinn hat quasi schon alle Seiten der Landwirtschaft kennengelernt. Und er sagt: »Mein Ziel ist es, beruflich den Spagat zwischen Praxis und Büroarbeit hinzubekommen.« Genauer: »Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel beim Bauernverband oder bei der Landjugend.«

 

Werbelügen und Vorurteile

 

Das hat für den Limeshainer viel mit Idealismus zu tun. Damit, ein Bewusstsein zu wecken für landwirtschaftliche Arbeit, für Nahrungsmittelproduktion und für den Wert der Arbeit. »Früher war jedes zweite Grundstück im Dorf ein Bauernhof. Es gab Backhäuser«, sagt er. »Jeder wusste, wie viel Arbeit in einem Brot oder in einem Schnitzel steckt.« Heute wüssten das die wenigsten. »Woher auch?« Klar, es gibt diesen Trend zur Regionalität – doch gerade im Bereich Marketing würden viel Unwahrheiten verbreitet. »Die Medien suggerieren gerne, dass Bio immer gleich heile Welt bedeutet.«

Aber ganz so schwarz-weiß sei es nicht. Auch auf der anderen Seite, findet Zinn. In Sachen Vorurteile gebe es ein Menge zu tun. Die seien nach wie vor vorhanden: Etwa dass Landwirte per se zweifelhafte Arbeit leisteten, Beispiel Dünger. »Natürlich gibt es überall schwarze Schafe. Aber unser aller Rahmen ist die Natur, in dem bewegen wir uns, da gibt es den oberen Rand und den unteren, aber letztlich sorgt die Natur für unser täglich Brot.

« Und, sagte er, »ich glaube, es gibt kaum einen Landwirt, der, wenn er mehr für sein Produkt bekäme, nicht auch von der Produktionsmenge runtergehen würde«. Nur sei es eben so, dass er zum Überleben 2000 statt 1000 Schweine halten müsse, eine gewisse Menge Pflanzenschutzmittel brauche, um einen größeren Ertrag zu erzielen. Auch damit kennt sich der Limeshainer aus: Mit Tierhaltung, mit Pflanzenschutz – alles in der Uni und der Ausbildung gelernt.

Auch wenn dabei nicht alles so gelaufen ist wie geplant. Eigentlich, erzählt Julian Zinn, wollte er Tiermedizin studieren. Damals, 2007, nach seinem Abi in Büdingen. Weil sein Abi-Schnitt aber nicht den NC-Ansprüchen der Uni entsprochen hatte, bewarb er sich für eine Ausbildung als Landwirt – zur Überbrückung der Wartesemester. Die Stelle hatte er bekommen, nur geschah dann etwas Unerwartetes. Julian Zinn hatte einen Motorrad-Unfall, die Folgen davon sind noch heute zu spüren – sich ein Leben lang der körperlichen Arbeit zu widmen sei daher unmöglich. Doch andererseits: »Mich hat es schon in der Uni genervt, den ganzen Tag drinnen zu sitzen. Wenn ich das 40 Jahre machen müsste, wäre ich nicht glücklich.

« Außerdem will er keiner von der Sorte sein, »die im Büro sitzt, noch nie einen Hof von innen gesehen hat, aber den Landwirten erzählt, was sie zu tun haben«. Deswegen der Plan: ein bisschen von beidem. Und vielleicht schafft er es, wie er sagt, die Menschen abzuholen, ein Bewusstsein zu schaffen – »dafür, dass uns Lebensmittel mehr wert sind«.

Berufswettbewerb

Dank seines Ergebnisses beim Bundesentscheid des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend 2017 kann sich Julian Zinn aus Hainchen nun zu den besten Nachwuchs-Landwirten zählen. Anfang Juni war er dafür nach Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern gereist, wo er im Team mit Alexander Glenz im Finale des Wettstreits teilnahm, an dem sich bundesweit mehr als 10 000 junge Menschen beteiligt haben. Zinn, der an der Fachschule Griesheim lernt, musste in Berufstheorie und -praxis sein Können beweisen. Doch auch seine Fitness beim Präsentieren und im Allgemeinwissen war gefragt. Punkten konnte er, wenn er Gefahrenzeichen kannte oder wusste, wie lang ein Jugendlicher maximal pro Woche arbeiten darf. Im Finale des 33. Berufswettbewerbs musste er zum Beispiel einen Lehrling nach guter fachlicher Praxis anleiten, um mit ihm die Herbstbestellung vorzubereiten.

Dazu gehörte die gemeinsame Bodenbestimmung genauso wie die Unterweisung beim Einstellen der Technik vor dem Pflügen. Zinn vereinte am Ende 88,75 Punkte auf sich. Gemeinsam mit seinem Teamkollegen schafft er es damit in die Top 5 der Nachwuchs-Kräfte seines Fachs in der Leistungsklasse II (Junglandwirte in Fortbildung). »Grüne Berufe sind voller Leben – Wachstum, Stärke, Leidenschaft«, lautete das Motto des Wettbewerbes. Mit dabei waren außerdem angehenden Forst- und Tierwirte, Landwirte, Hauswirtschafterinnen und Winzer.

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