11. April 2018, 20:07 Uhr

Den Mythos entzaubern

11. April 2018, 20:07 Uhr
»Keltenwelt«-Direktorin Dr. Vera Rupp freut sich besonders, die Nachbildung des Kessels von Gundestrup mit beeindruckend detaillierten Darstellungen zeigen zu können. (Foto: sax)

Unter dem Titel »Mythos Kelten? – Auf Spurensuche in Europa« widmet sich eine Sonderausstellung in der »Keltenwelt am Glauberg« einer Frage, die seit der Eröffnung des Museums immer wieder von Besuchern gestellt wird. Der Versuch einer Antwort, wer oder was die Kelten waren, sagt auch viel über die Suche der Menschen nach Identität und Tradition.

Keltoi oder Galatai tauchen in der Antike bei griechischen Geschichtsschreibern auf. Diese und nach ihnen die Römer bezeichnen mit den Begriffen einzelne Volksstämme, die in der Eisenzeit im Bereich des heutigen Süddeutschland bzw. Südfrankreich siedelten. Dieser Bezeichnung ordneten sie weitere Stämme zu, die sie als ähnlich wahrnahmen.

Besucher können mitmachen

Die Völkergruppen, die heute unter dem Namen Kelten zusammengefasst werden und in einem Gebiet von der heutigen Türkei bis auf die britischen Inseln und Spanien siedelten, hätten sich jedoch nie als Gemeinschaft verstanden oder als Kelten bezeichnet, betont Lars Corsmeyer, Pressesprecher der Keltenwelt. »Der Begriff Kelten ist erst im 17. bis 18. Jahrhundert wieder aufgetaucht«, erklärt er.

Deshalb stehen die prächtigsten Exponate der Ausstellung – die Nachbildungen eines silbernen Kessels mit reichem Figurenschmuck, der in Dänemark gefunden wurde, eines goldenen Helms aus Frankreich und ein massiver Ring aus Eisen und Silber – in direkter Nachbarschaft zu historisierenden Darstellungen der Kelten wie der Eroberung Roms durch Brennus, Bildern und Skulpturen des Vercingetorix und anderer Gallier.

Die Kombination der keltischen Handwerkskunst, die das Urteil der Römer, die Kelten seien Barbaren, eindrucksvoll widerlegt, mit den französischen Darstellungen gallischer Helden steht nicht nur für ein erwachendes Interesse an Geschichte, sondern vor allem für den Versuch eine Traditionslinie zwischen unbeugsamen Galliern und der französischen Republik zu konstruieren. Ähnliches lässt sich im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in Deutschland mit Barbarossa oder Arminius beobachten.

»Wir hatten immer so etwas im Hinterkopf«, erklärt Corsmeyer. Denn neben den einmaligen Funden vom Glauberg ist das Bild der Kelten ein Thema der Dauerausstellung. Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahrs 2018 hat Dr. Ruth Beusing vom Deutschen Archäologischen Institut jetzt die Sonderausstellung gestaltet, die die unterschiedlichen Facetten der Wahrnehmung des eisenzeitlichen Volkes und deren Aneignung bis hin zur Kommerzialisierung betrachtet. An interaktiven Bildschirmen kann der Ausstellungsbesucher selbst entscheiden, ob und über welche Aspekte des Themas er sich genauer informieren möchte.

Die diesjährige Themenausstellung »Mythos Kelten? – Auf Spurensuche in Europa« ist noch bis zum 30. September im Museum der »Keltenwelt am Glauberg« während der üblichen Öffnungszeiten zu besichtigen.

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