11. September 2018, 20:11 Uhr

Das klingende Denkmal

11. September 2018, 20:11 Uhr

Am Tag des offenen Denkmals brachte die europaweit tätige renommierte Flötistin Sabine Dreier die im Jahr 1260 eingeweihte Friedberger Mikwe – das rituelle Tauchbad für jüdische Frauen – zum Klingen und Schwingen. Auf sechs Instrumenten von der Mittelalter-Traversflöte bis zur heutigen Böhmflöte präsentierte sie den etwa dreißig Hörern zwanzig kleine Stücke aus achthundert Jahren – von Walther von der Vogelweide bis zu zwei Eigenkompositionen.

»Reflections«: So lautete der Titel ihres Solokonzerts. Er war gut gewählt, denn das Ritualbad ist ein Klangraum par excellence. Auf einer der untersten von 75 Stufen stehend, erreichte Dreier bereits mit leisen Klängen mühelos selbst die auf den obersten Stufen sitzenden Hörer. Es war, als begänne das Mauerwerk dieses solitären historischen Zeugnisses aus ferner Zeit selbst zu singen – ein bewegendes Erlebnis.

Glücklicher Einfall

Ihren glücklichen Einfall setzte die Interpretin durch die einfühlsame, gekonnte, teils virtuose Darbietung der ausgewählten Stücke in die Tat um. Nur einige Beispiele seien genannt: Die Weise »Echos« des französischen Barockkomponisten Jacques Hotteterre war wie geschaffen für den historischen Klangraum. König Alfonso von Kastilien, genannt »el sabio« (der Weise), versuchte sich erfolgreich – im Unterschied zu seinem fernen Nachfolger, Friedrich dem Großen – in der Komposition von Melodien für Traversflöte.

Eines seiner heiteren Tanzlieder stand auf dem Programm. Anne Boleyn – eine der unglücklichen Frauen Heinrichs VIII. (sie starb unterm Fallbeil) – schrieb Variationen zum bekannten altenglischen Volkslied »Greensleaves«. Eine beliebte Weise in der Barockzeit war die »Follia di Spagna«. Sie animierte zahlreiche Tonsetzer zu Variationen – wie zum Beispiel Marin Marais. Mit einem »alla francese« von Johann J. Quantz, dem Lehrer Friedrichs II. von Preußen, endete der erste Teil des Flötenkonzerts. Der zweite Teil begann mit zwei Eigenkompositionen (»Moonlight«; »I need you«) – gespielt auf einer Renaissance-Traversflöte.

Wahre Juwele

Christoph W. Glucks bekannte Weise »Reigen seliger Geister« aus seiner Oper »Orpheus und Eurydike« besticht auch in einer Bearbeitung für Flöte. Mit Claude Debussys Miniatur »La fille aux cheveux de lin« (Das Mädchen mit den flachsblonden Haaren) war ein weiteres Juwel im Reigen der kundig ausgewählten und zusammengestellten Werke. Das mit lang anhaltendem Beifall bedachte Solokonzert Sabine Dreiers endete mit Kompositionen Astor Piazzollas und von Heitor Villa-Lobos sowie mit Johann Sebastian Bachs »Sarabande«.

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