26. Juli 2018, 20:47 Uhr

Das große Krabbeln auf dem Exerzierplatz

26. Juli 2018, 20:47 Uhr
Landschaftsökologe Matthias Gall zeigt im Lupenglas die zahlreichen Insektenarten des Exerzierplatzes. Wie den Vierfleck, der zu den häufigsten Libellen auf dem Exerzierplatz gehört. (Fotos: pv)

Fast 50 Naturfreunde hatten sich bei herrlichem Hochsommerwetter eingefunden, um unter der Leitung des Butzbacher Landschaftsökologen Matthias Gall auf dem Exerzierplatz Libellen, Schmetterlinge und Heuschrecken kennenzulernen.

Eingeladen hatten BUND und NABU Butzbach, die NABU-Umweltwerkstatt Wetterau sowie die BUND-Initiative »hamsterhelfer.de«.

Einführend erläuterte Gall die Entwicklung des Exerzierplatzes seit dem Abzug der Amerikaner um die Jahrtausendwende. Nachdem Teile des ehemaligen Übungsplatzes bereits in den Jahrzehnten zuvor keiner militärischen Nutzung mehr unterlagen, kam es etwa ab 2005 zu einer raschen Verbuschung der übrigen 25 Hektar. Zu Lasten einer vielfältigen Flora und Fauna breiteten sich artenarme Kieferndickungen aus. Im Winter 2016/2017 ließ die Stadt sogenannte großflächige Entkusselungen durchführen und über 120 Tümpel baggern. Die inzwischen erfolgte Beweidung mit Robustrindern trage zum Erhalt der Vielfalt und Schönheit der in Butzbach einzigartigen Landschaft maßgeblich bei und forciere die Rückkehr zahlreicher typischer und seltener Arten, erklärte Gall.

Davon konnten sich die Naturfreunde zunächst an den Tümpeln im Osten des Gebiets überzeugen. Während sie sich an von der Kelterei Müller gesponserten Getränken erfrischten, präsentierte Gall einige Libellenarten. Vierfleck, Königslibelle, Becher- und Hufeisenazurjungfer, Gemeine Binsenjungfer oder die Pechlibelle waren ebenso zu bestaunen wie der seltene Südliche Blaupfeil. Unter den Heuschrecken zog vor allem die inzwischen hier wieder sehr häufige Ödlandschrecke die Blicke auf sich. Die Wärme und Trockenheit liebende Art steht, so führte Gall aus, für eine Vielzahl von Arten, die offene und voll besonnte Flächen benötigen. Auch die Schmetterlinge kamen nicht zu kurz. Ochsenauge, Dickkopffalter, Schornsteinfeger, Schachbrettfalter oder die auf ungedüngte Flächen angewiesenen Senfweißling und Blutströpfchen erfreuten die Besucher.

Ein weiterer Höhepunkt der Wanderung waren die Ausführungen des Landwirts Berthold Antony zur Beweidung der Flächen mit seinen Highland- und Galloway-Rindern. Nachdem die stattlichen Tiere zunächst in den Büschen vor der Sonne Schutz suchten, kamen sie prompt aus ihrem Versteck, als ihr Besitzer sie stimmgewaltig rief. Mit spürbarer Begeisterung für das Projekt und die Tiere berichtete Antony, dass sie nun voraussichtlich bis September auf dem Exerzierplatz blieben. Hier würden sie mehrfach umgetrieben, um so ein optimales Weideergebnis zu erzielen und die Wege durch das Gebiet stets für Wanderer offen zu lassen.

Wegen des großen Interesses werden die Verbände auch im nächsten Jahr eine Führung mit Matthias Gall anbieten, dann voraussichtlich zum Thema Amphibien und Reptilien.

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