Das Gesicht der Kreisverwaltung

18. April 2018, 19:13 Uhr
»Wetteraukreis, Pfister, guten Tag!« So meldet sich Ingrid Pfister am Telefon und auch bei den Besuchern, die am Empfang nach Rat und Auskunft fragen. (Foto: pv)

45 Jahre, elf Monate und zehn Tage gab Ingrid Pfister der Kreisverwaltung des Wetteraukreises ein Gesicht. Am Empfang der Kreisverwaltung wies sie den Besuchern den Weg und gab kompetent Auskunft. Jetzt ist sie im Ruhestand.

Am 8. Mai 1972 trat sie als 17-Jährige in den Dienst des Landkreises Friedberg ein. Die Gebietsreform und die Bildung des Wetteraukreises fand drei Monate später statt. »An meinen ersten Arbeitstag kann ich mich erinnern, als wäre es gestern«, sagt die beliebte Kollegin, die für jeden ein freundliches Wort hat. »Es war der Tag, an dem die ›neue‹ Telefonanlage in Betrieb genommen wurde. Die Hörer aus schwarzem Bakelit lagen schwer wie Blei in der Hand.«

In den frühen 70er Jahren hatte der Landkreis Friedberg keine 200 Verwaltungsmitarbeiter, verteilt auf das alte Landratsamt, das Mathildenstift, wo heute das Sparkassengebäude steht, und eine Etage im Volksfürsorgehaus in der Kaiserstraße 128. Als weitere Außenstelle kam die Bildstelle in der Burg hinzu. »Wir waren eine große Familie. Es wurde durchaus ordentlich gefeiert, aber genauso wurde auch hart gearbeitet, wenn es erforderlich war«, erinnert sich Pfister.

Pralinen statt Bombe

Ihr ganzes Berufsleben, mit Ausnahme einer Episode in der Registratur, hat Ingrid Pfister am Empfang und in der Telefonzentrale gearbeitet. »Sieben Landräte habe ich erlebt. Der Tag der Amtseinführung des achten wird mein letzter Arbeitstag sein.«

Ihre stete Freundlichkeit zeichnet Pfister aus. »Ich begegne den Menschen so, wie ich es wünsche, dass man mir begegnet.« Wenn sie ins Erzählen kommt, kann sie eine Vielzahl lustiger Geschichten erzählen, von Kollegen, die Originale waren, und Kunden, denen der Besuch im Amt peinlich war. Spektakulär war es einmal in der Weihnachtszeit Ende der 70er Jahre. Der »Deutsche Herbst« mit den Terroranschlägen der RAF war ständiges Thema. Eines Morgens lagen festlich verpackte Pakete vor einigen Büros. Weil weder ein Absender noch ein Schreiben angebracht war, fürchtete man einen Anschlag und rief die Polizei. Das Haus wurde geräumt. »Nur meine Kollegin und ich saßen in der Telefonzentrale, und uns war gar nicht wohl dabei.« Aufgelöst wurde die Sache von der damaligen Pressesprecherin Judith Schwarzenberg, die von dem Tumult nichts mitbekommen hatte. Das Paket vor ihrer Tür hatte sie kurzerhand aufgerissen und kam dann Pralinen kauend zur Telefonzentrale. Die vermeintlichen Bomben waren Geschenke einer dankbaren Sozialhilfeempfängerin.

Durchschnittlich 60-mal in der Stunde klingelt in der Zentrale der Kreisverwaltung das Telefon. In Zukunft wird es für Ingrid Pfister ruhiger. »Ich lasse jetzt alles auf mich zukommen. Ich habe nichts geplant – außer einem Urlaub an der Müritz.«

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