25. Januar 2018, 19:32 Uhr

Das Gedächtnis Gambachs

25. Januar 2018, 19:32 Uhr
Hagen Vetter ist der gute Geist des Museums.

Der Duden versteht unter einem Museum eine der Öffentlichkeit zugängliche Sammlung von Altertümern, Kunstwerken oder Ähnlichem. Für Zeugnisse des menschlichen Wirkens und Schaffens muss man nicht weit reisen, auch die Wetterau hat eine bunte Museumslandschaft, in denen Schätze verwahrt werden, die es zu entdecken gilt. Das Heimatmuseum/Heimatstube im Rathaus in Münzenberg-Gambach etwa ist ein kleines ehrenamtlich betriebenes Museum, das sich als Gedächtnis der Stadt versteht.

Hagen Vetter ist der gute Geist der Heimatstube Münzenberg. »Wir sammeln hier alles, was für die Stadt historische Bedeutung hat, vom Steinbeil über vorzeitliche und römische Funde, von Dokumenten über das harte Leben der Bauern im 18. und 19. Jahrhundert bis hin zu den Zeugnissen des Schreckens zweier Kriege und der Aufnahme vieler Heimatvertriebener«, berichtet er.

Im Museums wird die Gambacher Elle gezeigt wird, mit der zum Beispiel Tuch vermessen wurde.
Im Museums wird die Gambacher Elle gezeigt wird, mit der zum Beispiel Tuch vermessen wurde...

Vetter ist Magistratsmitglied und Vorsitzender des Archivausschusses und als solcher versteht er sich als Heimatpfleger. »Ich will Wissen bewahren, zeigen, wie unsere Altvorderen gelebt haben, wie deren Alltag war und das auch für kommende Generationen«, so sein Selbstverständnis.

Das Heimatmuseum ist im zweiten Obergeschoss des historischen Rathauses in der Gambacher Hauptstraße untergebracht – der Prachtstraße des Dorfes mit schönen Hofreiten und prächtigen Toren. Die Hauptstraße freilich hat längst ihre Rolle als wichtigste Straße verloren, die verläuft weiter südlich zwischen den Stadtteilen.

 

»Hexe« zum Tode verurteilt

 

Im Erdgeschoss des Rathauses fand einst so etwas wie der Marktbetrieb statt. Die Gambacher Elle war das Maß, an dem man sich orientierte. Eine Etage höher, wo heute Trauungen und Ausschusssitzungen stattfinden, war einst auch der Gerichtsort. Hier wurde die letzte hessische »Hexe«, Katharina Ratz, die im Volksmund »Ratzkathrein« heißt, zum Tode verurteilt.

Wer den zweiten Stock des Gebäudes erreicht, gelangt zunächst in das Museum, wo in verschiedenen Vitrinen wichtige Fundstücke ausgestellt sind, von der Vorzeit über die reichen Funde aus der römischen Zeit. Der Limes verläuft nur zwei Kilometer von hier, und es gibt kaum ein Baugebiet im Umkreis, das nicht wertvolle Funde zutage fördert.

»Gambi« nennen die Einheimischen das Skelett des »Glockenbechermannes«, das in der Heimatstube ausgestellt ist.
»Gambi« nennen die Einheimischen das Skelett des »Glockenbechermannes«, das in der Heimats...

Sicherlich das bedeutendste Ausstellungsstück des Museums ist der »Glockenbechermann«, ein 4500 Jahre altes Skelett eines etwa 40-jährigen Gambachers, der im Jahre 2003 bei Ausgrabungen in einem Neubaugebiet entdeckt wurde. Durch einen Anthropologen wurde »Gambi«, wie jüngere Museumsbesucher den betagten Gambacher nennen, fachgerecht in einer eigens dafür hergerichteten Vitrine neu gebettet. Die Präsentation gibt Einblicke in das Totenritual der »Glockenbecherleute«, die bereits Einzelbestattungen in Erdgräbern vornahmen.

Exponate zum Ersten und Zweiten Weltkrieg, persönliche Dokumente, Orden, Zeitschriften, Karten und Dokumente – sie alle geben Einblicke in das Alltagsleben der Gambacher in einer schweren Zeit.

Der zweite Raum, der der Heimgeschichte vorbehalten ist, ist die Heimatstube, in der die Themen Kindheit, Schule, Hochzeit, Feier und Vergnügen, Haushalt und Waschtag vorgestellt werden.

Hagen Vetter beschreibt das Lebens einfacher Leute. Wie schwer es war, das tägliche Brot zu verdienen oder den Haushalt zu führen, etwa wenn die Frauen, den Kopf mit einem »Kezel« geschützt, die schweren Kuchenbleche zum Backhaus trugen. Wie viele Handgriffe waren nötig, um nur den Tisch zu decken? Montags war Waschtag: Gewaschen wurde in Zinkwannen im Hof, nachdem man im Kessel das Wasser heiß gemacht hat. Es war ein schweres Leben und die meisten, die damals gelebt haben, würden wohl den Kopf darüber schütteln, wenn wir das als »die gute alte Zeit« bezeichnen.

 

Wer Lust zu einem gemeinsamen Museumsbesuch mit fachkundiger Führung hat, kann am Sonntag, 28. Januar, um 13 Uhr vorbeikommen. Erster Kreisbeigeordneter Jan Weckler und Münzenbergs Bürgermeisterin Dr. Isabell Tammer laden ein .

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