Für Joachim Albert, den Vorsitzenden des kreisstädtischen Kunstvereins, ist es eine der »wichtigsten Ausstellungen in der Geschichte des Kunstvereins« überhaupt. Mit der Ausstellung »About Götz« will der Kunstverein einen Beitrag leisten, den im August letzten Jahres im Alter von 103 Jahren verstorbenen Künstler Karl Otto Götz zu würdigen. Welchen Stellenwert der Visionär und Avantgardist, der sich auch in der NS-Zeit entgegen des Malverbots mit seiner Kunst beschäftigt hat, in der Kunstszene hat, zeigte sich anhand des Besuchs der Vernissage am Samstagabend in den Räumen des Kunstvereins in der Haagstraße 16. Im etwas größeren der beiden Ausstellungsräume konnte Albert an die 100 Besucher begrüßen, darunter Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender, Mitglieder des Kunstvereins Bad Nauheim und Barbara Greul Aschanta, eine Schülerin von Götz an der Kunstakademie Düsseldorf, wo Götz ab 1959 20 Jahre lehrte.

Kraft und Vitalität

Zusammen mit Kulturamtsleiterin Christine Böhmerl und Museumsleiter Johannes Kögler war Bürgermeister Dirk Antkowiak gekommen, um als »Hausherr« insbesondere Joachim Albert für dessen »tolle Arbeit« zu danken. Albert bezeichnete Götz als einen Künstler, der »bereits zu Lebzeiten Teil unserer Kunstgeschichte geworden ist.«

Die Ausstellung soll einen Einblick in das Leben und das umfangreiche Werk von Götz geben. Dank vieler Leihgaben aus Privatsammlungen und der Unterstützung der Galerie am Dom in Wetzlar sowie der Mainzer Galerie und des hessischen Wissenschaftsministeriums werden Lithographien, Gouachen, Siebdrucke, Radierungen und Zeichnungen von K. O. Götz, die zwischen 1947 und 2000 entstanden sind, gezeigt.

Albert: »Diese kleine Auswahl zeigt, mit welch unbändiger Kraft und Vitalität Götz seine Malweise immer neu erfunden hat.« Ein Ausstellungsschwerpunkt ist, das vielfältige Wirken von Götz, unter anderem als Dichter oder Mitglied in den Künstlergruppen Cobra und Quadriga, zu vermitteln. Dazu kommen Werke seiner Schüler.

Bereits zwei Mal wurden Werke von K. O. Götz im Kunstverein gezeigt, eines vor zwei Jahren in der Jubiläumsausstellung »40x schwarz«, ein weiteres 1986 in der legendären »Quadriga-Ausstellung«, in die damals bereits Dr. Friedhelm Häring einführte.

Das tat das Kunstvereinsgründungsmitglied erneut, wobei er seinen Schwerpunkt auf die Arbeiten der Götz-Schüler legte. Die gezeigten Werke von Gotthard Graubner, Barbara Greul Aschanta, Friedemann Hahn, Sigmar Polke, Paul Schwietzke, Gerhard Richter, Franz Erhard Walther und Götz Ehefrau Rissa erläuterte der langjährige Direktor des oberhessischen Museums in Gießen mit einer intensiven Bildsprache, gepaart mit so manchem humorvollen und überraschenden Vergleich. Die Intention von Götz nach dem Zweiten Weltkrieg beschrieb Häring so: »Er und andere Künstler haben Chaos zu einer neuen Ordnung gemacht. Sie haben versucht, gegen alles anzukämpfen, was einmal war.« Götz habe sich in seiner Art den Menschen angenommen, die »von einer Konsumwelt gefressen und Sklaven einer Maschinerie geworden sind.«

Mit der Feststellung »Ich halte Kunst für lebenswichtig und kann ohne Kunst nicht leben« beendete Häring seine mit langem Applaus belohnte Einführung in die Ausstellung.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung von der Frankfurter Harfinistin Miroslava Stareychinska, die mit ihrer virtuosen Eigenkomposition und Improvisationen die Besucher begeisterte.

Die Ausstellung »About Götz« in den Kunstvereinsräumen in der Haagstraße 16 ist bis einschließlich 3. Juni dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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