16. August 2018, 17:00 Uhr

Kein Kredit

Bank hält Felsenkeller für zu riskant

Eine Familie wollte ein Haus in Dauernheim kaufen. Doch die Bank verweigerte den Kredit – weil der dazugehörige Felsenkeller ein unkalkulierbares Risiko darstelle.
16. August 2018, 17:00 Uhr
Bankbewertung mit womöglich weitreichenden Folgen: Die Felsenkeller in Dauernheim seien ein unkalkulierbares finanzielles Risiko. (Foto: ini)

Die Felsenkeller im historischen Ortskern von Dauernheim haben in den vergangenen Jahren die Gemeindevertreter mehrfach beschäftigt. So auch in der jüngsten Sitzung im Bürgerhaus Ober-Mockstadt.

Einerseits sind die Keller, deren älteste so alt wie der Ort selbst, etwa 1200 Jahre alt, sein sollen, eine herausragende historische Besonderheit des Ortes. Als Gesamtanlage mit Kirche und Wehrturm stehen sie unter Denkmalschutz. Andererseits litten viele der in den Tuffstein gegrabenen Keller im Laufe der Zeit, besonders durch den Schwerlastverkehr in der Kirchbergstraße, und sind nicht mehr in bestem Zustand. Einige sind sogar einsturzgefährdet.

 

Gutachten erst in zwei Jahren

 

Die Gemeinde beauftragte einen Fachmann mit der Untersuchung der historischen Substanz, der allerdings, so berichtete Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel (SPD), seine Ergebnisse in frühestens zwei Jahren vorlegen wird. So lange kann und möchte eine Familie, die ihr Haus in der Kirchbergstraße verkaufen will, nicht warten.

Eigentlich lief für die Familie alles wunschgemäß. Schnell fand sich ein Interessent, ebenfalls eine Familie, für das Haus. Das böse Erwachen kam beim Termin bei der Bank, bei der die potenziellen Käufer einen Kredit aufnehmen wollten. Die Bank verweigerte das Geld wegen »unkalkulierbaren finanziellen Risiken«, da ein Felsenkeller im Grundbuch des Hauses eingetragen ist. Der Verkäufer wandte sich deshalb an die Gemeindeverwaltung mit der Bitte, der Grundbucheintrag möge gelöscht werden und die Gemeinde das Recht an dem Keller zurücknehmen.

 

Präzedenzfall droht

 

»Als Gemeinde können wir das eigentlich nicht leisten«, sagte Reichert-Dietzel. Es werde ein Präzedenzfall geschaffen mit unabsehbaren Folgen, denn in Dauernheim gibt es rund 60 Felsenkeller. Der Aufwand an Sanierungs- oder Sicherungsmaßnahmen sei nicht absehbar. Das Verhalten der Bank bezeichnete die Bürgermeisterin als Unverschämtheit. Dennoch sei auch die Verantwortung der Gemeinde gegenüber ihren Bürgern zu berücksichtigen. »Wir können auch nicht zulassen, dass deswegen Häuser leer stehen«, wies Reichert-Dietzel auf die Bedeutung des Antrags für die Ortsentwicklung hin.

Bei den Kellern gilt das Erbbaurecht. Der Erbbaugeber ist die Gemeinde Ranstadt; die Keller sind größtenteils auf 99 Jahre verpachtet. Wird der Vertrag nach dieser Zeit nicht verlängert, fallen die Keller an die Gemeinde zurück. Viele der Keller werden heute nicht mehr genutzt, doch in Zeiten vor elektrischem Kühlschrank waren sie wegen ihrer ausgeglichen kühlen Temperaturen zum Lagern von Obst und Gemüse begehrt: Im Sommer steigt die Temperatur nicht über zehn Grad, im Winter sind sie eisfrei.

 

Ausschuss wird darüber beraten

 

Auf die unabsehbaren Auswirkungen, die ein Präzedenzfall schaffe, hatte zu Beginn der Diskussion schon Ulrich Kaiser hingewiesen. »Wir müssen uns erst einmal ein Bild machen, ehe wir dem Antrag zustimmen können«, sagte der Christdemokrat. Die Beratung über eine mögliche Rücknahme des Felsenkellers in diesem speziellen Fall wird im Haupt- und Finanzausschuss erfolgen.

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