02. Juli 2018, 21:37 Uhr

Aus Ehrfurcht vor dem Leben

02. Juli 2018, 21:37 Uhr
Jubiläum: Der evangelische Pfarrer Jürgen Rump ist seit 30 Jahren in Ober-Mörlen Seelsorger. (Foto: hau)

Es war der 3. Juli 1988, als der damalige Vikar Jürgen Rump von Propst Helmut Grün in der Pfarrkirche zu Langenhain-Ziegenberg ordiniert wurde. Damit wurden ihm die Pfarrgemeinden Ober-Mörlen und Langenhain-Ziegenberg übertragen. Gemeinsam mit seiner Frau Susanne zog er ins Langenhainer Pfarrhaus ein. Nach drei Jahren wurde der Verwalter zum Inhaber der Pfarrstelle. Rump entschied sich, in Ober-Mörlen zu bleiben, wenngleich er wusste, dass hier eine Menge Arbeit auf ihn wartete. In Ober-Mörlen war die Gustav-Adolf-Kirche in einem jämmerlichen Zustand. Das Dach war so undicht, dass der damalige Küster Fritz Eckert bei Regen Eimer unterstellen musste. Rump erreichte bei der Kirchenverwaltung in Darmstadt eine Komplettrenovierung, die 1991 begann und 1992 abgeschlossen werden konnte.

Zeitgleich sollte die evangelische Gemeinde in Ober-Mörlen ein Gemeindehaus erhalten. Bisher fanden alle Veranstaltungen im »Jugendhäuschen«, einer ehemaligen Trafostation in der Limesstraße statt. Rump gelang es, der Kirchenverwaltung auch hierfür die Baugenehmigung abzuringen. Am ersten Advent 1992 wurde das Haus eingeweiht.

 

Zum Betteln nach Darmstadt

 

Beim Frühjahrssturm 1990 flog mitten in der Nacht das halbe Dach der Langenhainer Kirche weg. Eile war geboten, denn es schneite, und die Lehmdecke im Innern durfte nicht aufweichen. Wieder musste der Pfarrer nach Darmstadt, um ein neues Dach für die Langenhainer Kirche zu erbetteln: Noch im Frühjahr wurde es eingedeckt.

In Langenhain folgten die Innenrenovierung der Kirche, die Neuanlage der Außenwege, Renovierungen am Pfarrhaus sowie die Erweiterung des Gemeindehauses. Neben all diesen baulichen Tätigkeiten hatte Rump auch weit über 2000 Gemeindeglieder in den beiden Kirchengemeinden zu betreuen sowie die Verantwortung für den evangelischen Kindergarten in Langenhain. Anfang der 90er Jahre stellte sich heraus, dass dies einer 1,5 Stelle entsprach und von einem Pfarrer nicht zu bewältigen sei. 17 Jahre dauerte es, bis Darmstadt handelte und zum 1. Januar 2006 die Kirchengemeinde Ober-Mörlen zur ganzen Pfarrstelle erklärte und Langenhain-Ziegenberg zu einer eigenen halben Stelle. So wechselte Rump auch wohnungsmäßig nach Ober-Mörlen. Die halbe Stelle in Langenhain übernahm Pfarrer Michael Solle.

Durch den Wechsel nach Ober-Mörlen erhielt die einstige Diasporagemeinde zum ersten Mal einen eigenen Pfarrer und, für die Mehrzahl der Katholiken völlig neu, eine Pfarrfrau. Vor allem in den 17 gemeinsamen Jahren mit Pfarrer Winter von katholischer Seite blühte das ökumenische Leben auf. Fünf Kirchenvorstandswahlen fanden unter Rumps Leitung statt. Die Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde Nieder-Mörlen wurde intensiviert. Auch initiierte Rump gemeinsam mit der AWO das »Plaudercafe« für an Demenz erkrankte Menschen.

 

150 Paare getraut

 

Auf Dekanatsebene war Rump lange Jahre Beauftragter für den Kindergottesdienst und führte auch einen Dekanatskinderkirchentag durch. Als Berater junger Leute, die den Wehrdienst verweigern wollten, stand er vielen zur Seite, ebenso als religionspädagogischer Berater. Nach 30 Jahren Gemeindearbeit kann Rump auf über 600 junge Leute zurückblicken, die von ihm konfirmiert wurden. Etwa 150 Brautpaare standen mit ihm vor dem Altar, und mehr als 450 Menschen gab er das letzte Geleit.

Rump ist stolz darauf, Schüler Wolfgang Hubers gewesen zu sein, des ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD und Berliner Bischofs. Huber lehrte in Rumps Studienzeit in Marburg Sozialethik. Seine ökumenische Weite wie seine soziale Verantwortung sind hier grundgelegt. Bei Prof. Heinz Röhr lernte er in Frankfurt Albert Schweitzer kennen und schätzen und damit das ethische Prinzip der »Ehrfurcht vor dem Leben«. Bei Prof. Artur Rühl lernte er in Friedberg die Religionspädagogik, die ihn bis heute begleitet.

Nahe bei den Menschen zu sein, sie zu begleiten in Freud und Leid, ihnen die Menschenfreundlichkeit Gottes weiterzusagen und sie zu motivieren fürs Leben, ist und bleibt Aufgabe und Zielsetzung von Pfarrer Rump. Zwei Jahre will er noch in Ober-Mörlen bleiben, dann geht er in Pension. Zuvor wird aber erst einmal sein Ordinationsjubiläum beim Gemeindefest am 5. August gefeiert.

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