10. Dezember 2018, 20:11 Uhr

Auf historischen Instrumenten

10. Dezember 2018, 20:11 Uhr
Das Ensemble und die Solisten geben ein komplexes Konzert. Zum Abschluss werden Blumen überreicht. (Foto: im)

Mit einer großartigen Aufführung von Claudio Monteverdis Marienvesper hat die Abtei Kloster Engelthal im Festjahr ihres 750-jährigen Bestehens die Vorweihnachtszeit eingeläutet. Zwei Stunden lang nahmen der Frankfurter Kurt-Thomas-Kammerchor, das Telemann-Ensemble Frankfurt sowie die sechs Solisten Verena Gropper und Magdalene Harer (Sopran), Georg Poplutz und Hans Jörg Mammel (Tenor), Christoph Kögel und Johannes Hill (Bass) ihre Zuhörer in der bis auf den letzten Platz besetzten Abteikirche mit auf eine musikalisch wie theologisch vielschichtige Reise von den Prophezeiungen des Alten Testamentes hin zur Ankündigung der Geburt Christi durch den Lobgesang seiner Mutter, das Magnificat. Die Gesamtleitung des Konzertes hatte mit Andreas Köhs der Gründer des Kurt-Thomas-Kammerchores und Kantor der evangelisch-lutherischen Dreikönigsgemeinde in Frankfurt inne, sodass neben dem tief berührenden musikalischen Geschehen in dieser Aufführung auch ein ökumenischer Aspekt zum Tragen kam.

Ein Meilenstein

Monteverdis Marienvesper, die »Vespro della Beata Vergine«, entstanden 1610, gehört auch innerhalb der musikalischen Weltliteratur zu den großen Meilensteinen und Durchbrüchen der Sakralkunst. Mit seiner am Stundengebet der Klöster orientierten Vesper zu Ehren Mariens gelang es dem geweihten katholischen Priester Monteverdi, den reichen emotionalen Duktus seiner richtungsweisenden Oper »L’Orfeo«, komponiert 1607, in den geistlichen Bereich zu übertragen. Der Frauen-Lobpreis aus dem Hohelied König Salomons wird eng mit den prophetischen Psalmen 113, 122, 127 und 147 verwoben. Wie eine Antwort auf die Sehnsucht der Psalmen beschließt ihr wundervoller Lobgesang, das Magnificat, die opulente Vesper. Das Gesamtwerk, das in Engelthal in brillanter und beeindruckender Weise zur Aufführung kam, markiert den Übergang von der italienischen Renaissance in den Barock, entfaltet ein facettenreiches Spektrum individueller Gefühle, das der mittelalterlichen Aufführungspraxis in dieser Intensität noch fremd war.

Perfekt und zugleich engagiert und mitreißend intonierte der Kurt-Thomas-Kammerchor in allen vier Stimmen dieses Meisterwerk italienischer Kompositionskunst. Gemäß der Idee Monteverdis erhöhten die sechs Solisten die Zahl der hochkarätig besetzten Stimmen auf insgesamt zehn – allein diese Komplexität garantierte einen Hörgenuss auf höchstem Niveau.

Unter Ausnutzung der Orgelempore wurde zudem der Kirchenraum in besonderer Weise zum Klangraum, so bei dem »Concerto: Duo Seraphim«, den beiden einander zurufenden Seraphim, die den Lobpreis der Dreifaltigkeit anstimmen. Das Telemann-Ensemble musizierte auf historischen Instrumenten wie Flauto dolce, Cornetto, Trombone, Viola, Dulcian, Chitarrone und Violone in sensibel interpretierender frühbarocker Aufführungsweise und bildete somit den unabdingbaren Kontrapart zu Chor und Solisten.

Begeisterter und lang anhaltender Applaus belohnte die Aufführenden für einen geistlichen Konzertabend, der noch lange im Gedächtnis seiner Zuhörer nachwirken wird.

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