26. August 2018, 20:22 Uhr

Auf Alkohol folgt Gewaltausbruch

26. August 2018, 20:22 Uhr

Weil er vor einem Jahr mit massiver Gewalt versucht haben soll, eine Zimmernachbarin zum Geschlechtsverkehr zu zwingen, wird gegen einen 22-jährigen Somalier vor dem Schöffengericht verhandelt. Dieser behauptet, er sei bei der Tat stark betrunken gewesen, könne sich nicht an Einzelheiten erinnern. »Ich würde mir nie erlauben, eine Frau so zu entstellen«, gibt die Dolmetscherin die Reaktion des Angeklagten auf die Fotos der Verletzungen wieder.

In der Anklageschrift wirft Staatsanwalt Matthias Rauch dem Mann vor, er habe in der Nacht des 5. Juli erst mit Geld versucht, die 24-jährige Bewohnerin des benachbarten Zimmers in einem Asylbewerberheim in Bad Salzhausen zum Geschlechtsverkehr zu überreden. Als er keinen Erfolg gehabt habe, habe er sie gewürgt, ihr einen Kopfstoß verpasst und ihr in den Magen getreten. Direkt nach dem Übergriff wurde das Opfer mit dem Rettungswagen ins Kreiskrankenhaus Schotten gebracht. Zwei Tage wurde sie dort stationär versorgt, die Verletzungen wurden dokumentiert. Obwohl sie in unmittelbarem Zusammenhang zur Tat stehen, kann sich der Angeklagte nicht erklären, wie seine Zimmernachbarin so schwer verletzt wurde. Seine Version der Auseinandersetzung unterscheidet sich stark von ihrer Darstellung.

Schon seit dem Nachmittag will er mit einem somalischen Freund aus Friedberg und einer Eritreerin in deren Zimmer im Wohnheim zwei Flaschen Whisky getrunken haben. Gegen 0.30 Uhr habe das Opfer, das offenbar früher mit seinem Friedberger Freund eine Beziehung hatte, auf dessen Mobiltelefon angerufen. Der Angeklagte berichtet, der Freund habe ihn in sein Zimmer geschickt, um dessen T-Shirt zu holen. Dort habe ihn seine Zimmernachbarin vor der Tür angegriffen. Er will sich nur verteidigt haben. »Er weiß nicht mehr, ob er ihr eine Ohrfeige gegeben hat«, übersetzt die Dolmetscherin.

Mitten in der Nacht klopft es

Umso deutlicher sind die Erinnerungen des Opfers an die Tatnacht. Obwohl sie recht gut deutsch spricht, berichtet sie in somalischer Sprache von den Ereignissen, damit der Angeklagte sie versteht. Sie halte sich nur sehr selten in dem Wohnheim auf. An diesem Abend sei sie in ihr Zimmer gekommen, um Post abzuholen, dort zu übernachten und am nächsten Tag zur Schule zu gehen.

Mitten in der Nacht habe der Angeklagte an ihre Tür geklopft und ihr Zigaretten angeboten. Unter Tränen beschreibt sie, wie er versucht habe, sie zum Geschlechtsverkehr zu überreden. Sie sei aus dem Zimmer heraus auf den Flur gelaufen. Dort sei der Angeklagte gewalttätig geworden. Erst als auf ihre Schreie hin andere Heimbewohner herbeieilten, habe er von ihr abgelassen und sei weggelaufen. Den Anruf bei seinem Freund, den er behaupte, habe es nicht gegeben.

Nur wenig kann eine weitere Somalierin, Mitbewohnerin des Opfers, zur Aufklärung der Tat beitragen. Sie sei wegen der Schreie im Halbschlaf auf den Flur gelaufen. Vorher habe sie bei einer benachbarten Familie geschlafen.

Richterin Barbara Lachmann appelliert nach der Vernehmung der Zeugen an den Angeklagten, ob es nicht möglich sei, »dass Sie das eine oder andere vergessen haben«. Er wisse nicht mehr, was passiert sei, wiederholt der Angeklagte. »Das heißt, es kann sein, dass es so passiert ist?«, hakt Richterin Lachmann nach. »Wir haben uns gegenseitig geschubst, aber ich weiß nicht mehr, ob ich sie so verletzt habe«, antwortet der Angeklagte deutlich weniger bestimmt als zu Beginn der Verhandlung.

Verteidigerin Deborah Spamer sieht noch Aufklärungsbedarf. Sie möchte klären lassen, ob es den vom Angeklagten behaupteten Anruf, in dessen Folge es zur Begegnung mit dem Opfer gekommen sei, tatsächlich gegeben habe. Sie beantragt deshalb, den Freund des Angeklagten und die Eritreerin, mit denen er an dem Tag getrunken hat, als Zeugen zu vernehmen. »Wenn das mit dem Anruf von den Zeugen bestätigt wird, hätten wir einen Punkt, wo wir sagen: Da hat die Zeugin nicht ganz die Wahrheit gesagt.«

Die Verhandlung soll am 7. September mit der Anhörung der beiden Zeugen fortgesetzt werden.

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