02. Juli 2018, 14:00 Uhr

Prozess um Familiendrama

Angeklagter weint im Gericht

Es war ein handfester Familienstreit Anfang dieses Jahres in Kefenrod, bei dem der 36-jährige Ehemann total ausrastete und weshalb er sich nun in Gießen vor dem Landgericht verantworten muss.
02. Juli 2018, 14:00 Uhr

Von Jürgen W. Niehoff , 1 Kommentar
Der 36-jährige Mahan K. muss sich vor dem Gießener Landgericht verantworten. Die Anklage lautet auf dreifachen Tötungsversuch. (Foto: jwn)

Die Anklage lautet auf dreifachen Tötungsversuch an seiner 28-jährigen Ehefrau und seinen sechs und vier Jahre alten Kindern. Am 12. Januar dieses Jahres ist es zu der folgenschweren Tat in Kefenrod, einem gerade einmal 2700 Einwohner zählenden Ort vor den Toren Büdingens, gekommen. Bei dem Streit ging es um das Sorgerecht für die Kinder, denn die Ehe des erst im Januar 2017 aus dem Iran nach Deutschland geflüchteten Paares schien vor dem Aus zu stehen.

Trennung im August

Im August vergangenen Jahres hatte sich das Paar getrennt. Der Ehemann Mahan K. suchte sich eine neue Wohnung. Der Grund ist wohl, wie ein Polizeibeamter vor Gericht verrät, dass die Ehefrau ein Verhältnis mit einem Jüngeren begonnen hatte. Auf Nachfrage vom Gericht wollten beide am ersten Verhandlungstag den Grund nicht verraten. Er sicherlich aus Stolz und sie scheint die Ehe noch nicht ganz aufgegeben zu haben. Denn trotz des gravierenden Vorfalls versucht sie mit ihrer Aussage den Angeklagten wie ein gutmütigen und treu sorgenden Ehemann erscheinen zu lassen. »So habe ich ihn jedenfalls noch nie erlebt. Auch hatten wir in unserer Ehe auch noch nie Streit gehabt«, lobt sie den Angeklagten vor Gericht.

Bei dem Streit am 12. Januar ging es darum, dass der Angeklagte mit seiner Ehefrau eigentlich wieder von vorne anfangen wollte. Er bat sie deshalb, sie solle zu ihrem Rechtsanwalt gehen und das von ihr angestrengte Verfahren vor dem Familiengericht wegen der Betreuung der eigenen Kinder abblasen lassen. Anderenfalls werde er ohne sie aber mit den Kindern wieder in den Iran zukehren.

 

Kinder mit Messer bedroht?

 

Weil sie Angst um ihre Kinder hatte, will sie auf seine Forderung eingegangen sein. Doch hier verwickelt sie sich in die ersten Widersprüche. Weil die Klage vor dem Familiengericht weiterhin besteht, fordert der Angeklagte sie ultimativ auf, sofort ihre Sachen zu packen und das Haus zu verlassen, in dem er erst wenige Wochen zuvor wieder mit ihr zusammenlebte, wenn auch mit getrennten Schlafzimmern. Als sie ihn daraufhin auslachte – »ich habe ihn in diesem Moment wirklich nicht ernst genommen«, so die Noch-Ehefrau –, beginnt die handfeste Auseinandersetzung. Sie versetzt ihm eine Ohrfeige und schlägt ihn vor die Brust. Als sie immer weiter lacht, soll er sie von hinten angegriffen, zunächst gewürgt und anschließend versucht haben, sie mit einem Kopfkissen zu ersticken. Erst als sie sich mit Händen und Füßen gewehrt habe, habe er von ihr abgelassen und sei in das Kinderzimmer zu ihren beiden gemeinsamen Kindern gegangen.

Angeklagter streitet Würgen ab

Diese Taten streitet der Angeklagte vehement ab. Er habe seine Frau zu keinem Zeitpunkt gewürgt. Zu der Sache mit dem Kopfkissen will er sich nicht äußern. Weil seine Frau anschließend das Haus verlassen habe und zwar, um Hilfe vom Sozialamt zu holen, sei er zu seinen Kindern ins Kinderzimmer gegangen und habe sich mit ihnen dort eingeschlossen.

Als dann vor dem Haus die Polizei vorfuhr und auch die Vertreterin des Sozialamtes ihn zur Freilassung der Kinder aufgefordert habe, da habe er Angst bekommen und ein Messer gezückt. »Aber ich wollte meine Kinder doch nicht umbringen. Ich hatte solche Angst, dass ich sie verliere, dass ich nicht mehr wusste, was ich tat«, verteidigt er sich, immer wieder unterbrochen vom Tränenstrom, den er nicht zurückhalten konnte. »Ich schäme mich so und nehme alle Verantwortung für das Geschehene auf mich«, schließt er sein Geständnis ab. Wie der vier Zentimeter lange, aber nicht lebensgefährliche Schnitt an den Hals seines vierjährigen Sohnes gekommen ist und ebenso wie die Schürfwunden an den Armen und am Hals seiner sechsjährigen Tochter entstanden sind, wisse er nicht.

 

Viele offene Fragen

 

Nach Aussage der Polizei habe er dem Mädchen jedenfalls das Messer an den Hals gehalten, als sie die Zimmertür mit Gewalt aufgebrochen hätten.

Auch die Aussage der zierlichen Ehefrau bringt das Gericht nicht viel weiter, denn obwohl sie sehr gestenreich vor dem Richtertisch die Misshandlungen nachstellt, bleiben noch viele Fragen offen. Hat sie sich wirklich mit Tritten gewehrt, obwohl sie kniete? Handelte es sich wirklich um einen Tötungsversuch, als er ihr das Kopfkissen seitlich auf den Kopf drückte. Und war auch sie an der Wiederbelebung der Ehe interessiert, oder wollte sie nur das alleinige Sorgerecht?.

Am heutigen Montag geht der Prozess um 9 Uhr am Gießener Landgericht mit der Vernehmung weiterer Zeugen weiter.

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